Scabiosa agrestis

Blüten-Rundgang im Hochsommer

Simpel, aber erfolgreich, war meine Strategie, das Blütenangebot in den Hoch- und Spätsommer hinein zu verlängern. Vor einem Jahr war Mitte Juli auf dem Wilden Meter für Insekten fast nichts mehr zu holen: einjährige Ackerwildkräuter und Stauden waren verblüht. Im August bin ich deshalb zur Staudengärtnerei Spatz gefahren, um Pflanzen zu finden, welche die Blühsaison auf dem Wilden Meter zukünftig verlängern sollten.  Ich habe dort einfach nach Blumen Ausschau gehalten, die gerade blühten und die habe ich dann mitgenommen.

Die Pflanzen werden in vier Gruppen vorgestellt: blüht noch immer, aufgeblüht und blüht noch immer, blüht bald, aufgeblüht und wieder verblüht.

Gruppe 1: blühte schon im Juni und blüht noch immer

Den Anfang im heutigen Blühbericht machen die Pflanzen, die seit dem Balkonrundgang im Juni noch immer blühen, wie zum Beispiel die nicht einheimische Duftnessel ‚Blue Fortune‘ (Agastache-rugosa -Hybride ‚Blue Fortune‘).  Bei Hummeln, Wildbienen und auch Feldwespen ist die Pflanze sehr beliebt. Einziger Nachteil: die Blätter an der unteren Hälfte der Stängel sind schnell vergilbt und inzwischen abgefallen. Kann am Standort Blumenkasten oder der Hitze liegen. Sieht nun etwas kahl aus. Aber das ist nur ein optischer Minuspunkt, der die Insekten nicht im geringsten stört. Im nur 15 Zentimeter tiefen Blumenkasten ist die Duftnessel, die bis zu einem Meter hoch wird, immerhin etwa 80 Zentimeter lang geworden.

Duftnessel Blue Fortune (Agastache-rugosa -Hybride Blue Fortune)
Duftnessel Blue Fortune, zu Gast ist eine Erdhummel. Blüht seit 7. Juni. Foto vom 1. August.

Der Steppen-Salbei, Sorte Mainacht (Salvia nemorosa) blüht tatsächlich durchgehend seit 30. April und kann inzwischen umfirmieren auf „Augustnacht“. Ich habe die verblühten Teile abgeschnitten und es kamen dafür immer wieder neue violettblaue Blütenkerzen nach. Unglaublich. In der Witt-Bewertung für „Salvia nemorosa und Sorten“ steht: Dauerblüher für Spätsommer, Blütezeit Juni bis August. Die Sorte Mainacht blüht nun auf jeden Fall schon rund 100 Tage auf dem Wilden Meter und ich bin gespannt, wie lange sie noch so weitermacht.

Steppen-Salbei, Sorte Mainacht (Salvia nemorosa)
Steppen-Salbei, Sorte Mainacht mit Hummelbesuch, Foto vom 1. August.

Der Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare) ist mittlerweile optisch das Opfer seines Erfolgs. Die Grünfinken und Stieglitze lieben die Samen. Zeitweise hingen zwei Grünfinken gleichzeitig an einem Stängel der Pflanze und haben von links und rechts jedes Körnchen abgefieselt, während vorne an der letzten verbliebenen Blüte gleichzeitig schon wieder die Hummel nuckelte. Und so sieht der Natternkopf nun total gerupft aus, fast skelettiert, kann sich aber höchster Beliebtheit und Nützlichkeit rühmen. Auch diese Pflanze, die normalerweise eine lange Pfahlwurzel ausbildet, ist im Blumenkasten sehr kooperativ. Sie wurde etwa 50 Zentimeter hoch und blüht seit 30. Mai.

Gewöhnlicher Natternkopf
Zerzauster Gewöhnlicher Natternkopf, Hummelmann im Anflug. Foto vom 2. August.

 

Der Gewöhnliche Hornklee (Lotus corniculatus) blüht seit Mitte Mai. Nach der ersten Blüte habe ich beide Pflanzen auf zehn Zentimeter zurückgeschnitten. Sie sind sehr schnell wieder nachgewachsen und entwickelten erneut üppigen Flor. Die Luzerne-Blattschneiderbiene freut sich und kommt täglich.

Gewöhnlicher Hornklee, beide Pflanzen, nach Rückschnitt
Gewöhnlicher Hornklee mit Besucherin. Foto vom 9. August.

Das Mauer-Zimbelkraut (Cymbalaria muralis) hat sich schön in seinem Kasten ausgebreitet und begrünt mit seinen zierlichen und herunterhängenden Blättern das schattige Esszimmer-Fensterbrett, dort, wo sich bisher noch nichts dauerhaft schön entwickelt hat. Es blüht seit dem 22. April, nicht so richtig überschwänglich, aber ein paar Blütchen sind immer zu sehen. Trotz der Beobachtung anderer Naturgärtner, dass das Zimbelkraut bei ihnen durchaus regelmäßig von Insekten besucht würde, hat dieser Bienen-Popo in der Zimbelkraut-Blüte auf dem Wilden Meter Seltenheitswert.  Ich finde die Pflanze aber sehr hübsch und sie ist für diesen halbschattigen bis schattigen Standort im Blumenkasten ideal.

Mauer-Zimbelkraut
Blüte des Mauer-Zimbelkrauts mit Hinterteil eines Besuchers. Foto vom 2. Juli.

Meine Ackerglockenblume (Campanula rapunculoides) erlebt zur Zeit gleichzeitig Herbst und Frühjahr. Rund 90 Prozent der Pflanze sind verblüht und braun, die Samen, die ich ernten möchte, reifen in der Sonne. Blütebeginn war der 23. Mai. Doch Ende Juli hat diese Campanula ohne Rückschnitt ein paar neue Stängel mit Blüten gebildet. Es mangelt nicht an begeisterten Gästen, unter anderem auch Hummeln. Nächstes Jahr werde ich testen, wie sie sich mit Rückschnitt der abgeblühten Stängel entwickelt. Staudengärtner Friedhelm Strickler empfiehlt dies auf seiner Website zur Verlängerung der Blütezeit. Seine Angabe für die die Blühmonate lautet: Juni bis September. Da wäre ja dann noch einiges drin!

Acker-Glockenblume
Eine Wildbiene freut sich über die neue Büten der Acker-Glockenblume. Foto vom 1. August.

Beim Blutweiderich (Lythrum salicaria) geht es deutlich auf das Ende der Blütezeit zu, aber noch ist es nicht soweit und er erhält täglich Besuch. Die ersten Blüten zeigten sich am 7. Juni. Inzwischen ist die Pflanze rund zwei Meter hoch und ragt über die Loggia hinaus. Am 8. April waren die Triebe des Blutweiderichs etwa einen Zentimeter lang. In vier Monaten hat sie das alles geschafft. Beeindruckend. Die Samen sollen laut verschiedener Fundstellen im Internet von Vögeln gefressen werden. Auch die Gärtnerei Strickler empfiehlt den Rückschnitt bis zum Boden erst nach dem Winter.

Blutweiderich
Eine Erdhummel schwebt am Blutweiderich über dem Wilden Meter vor der Skyline des Arnulfparks. Foto vom 3. August.

Gruppe 2: aufgeblüht nach dem 14. Juni und blüht noch immer

Die nächsten Pflanzen, die ich im heutigen Beitrag zum Thema „Blüten im Juli und August“ vorstellen werde, öffneten ihre ersten Blüte erst nach dem Rundgang am 14. Juni und haben noch immer Pollen und Nektar im Angebot.

Vom himmelblauen Pfeffer-Salbei (Salvia uliginosa) stand bei Staudenspatz ein ganzer Tisch voll.  Veni, vidi, victa sum. Ich kam, sah und bin erlegen. Ich habe mich sofort in die hellblauen Blüten verliebt und alle Prinzipien auf der Stelle vergessen. Nicht einheimisch, evtentuell nicht richtig winterhart? Egal. Dass sein Heimatland Argentinien ist, hat mich als Romanistin noch mehr für ihn eingenommen. Kurz: Der feuchtigkeitsliebende („uliginosus“ heißt „sumpfig“) südamerikanische Salbei überwinterte bei mir im Büro, wuchs in einem relativ kleinen Topf ungefähr 180 Zentimeter hoch, blüht seit 15. Juni und macht seinem Zweitnamen „Hummelschaukel“ alle Ehre. Nächstes Jahr kriegt er einen größeren Topf, mein compañero argentino!

Pfeffer-Salbei
Pfeffer-Salbei mit schaukelnder Hummel. Foto am 7. Juli.

Die zweijährige Großblütige Königskerze (Verbascum densiflorum) war kein liebestoller Spontankauf, sondern ein geplantes Experiment für die Saison 2018. Allerdings war die Auswahl der Verbascum-Art zufällig. Auf dem Wildpflanzenmarkt im März war es nämlich die einzige, die Staudengärtnerin Susanne Behemenburg dabei hatte. Sie ist in einem 10-Liter-Topf in normaler torffreier Pflanzerde ungefähr 90 Zentimeter hoch gewachsen und hat Mitte Juni zu blühen begonnen. Was für eine Entdeckung für den Naturbalkon! Immer wenn man meint, jetzt ist die Blütezeit zu Ende, leuchten am nächsten Tag wieder neue gelbe Blüten. Sie erhält täglich Besuch. Einen Sommer ohne Königskerzen wird es nicht mehr geben.

Königskerze am 6. August: neue Blüten.
Großblütige Königskerze am 6. August. Links und rechts: Samenstände der einjährigen Sommerblumen. Im Hintergrund: Schornstein der Augustiner-Brauerei jenseits der Gleise auf der Schwanthaler Höhe in München.

Der Langblättrige Blauweiderich oder Ehrenpreis (Veronica longifolia) kam blühend im Juni zu mir. Ich habe ihn eingepflanzt und er blüht zur Freude der Hummeln noch immer. Aber eigentlich kann ich über Pflanzen immer erst eine Aussage treffen, wenn sie im Topf überwintert und eine Vegetationsperiode unter den Standortbedingungen des Balkons mitgemacht haben. In der Staudengärtnerei Spatz, 70 Kilometer südlich vom Wilden Meter im Voralpenland, sind die Pflanzen mit der Blüte teilweise zwei Wochen später dran. Mein Aufrechter Ziest (Stachys recta) hatte schon trockene Samenstände, da stand er in Kreilhof noch in voller Blüte. Gärtnerin Susanne Behmenburg meint, dass es in der Stadt sowieso wärmer sei als im Freiland und dann sei es auf meinem Südbalkon noch einmal besonders warm. Sie sagt, nächstes Jahr synchronisieren sich die Pflanzen dann mit dem lokalen Klima.

Blauweiderich
Stammgast am Blauweiderich. Foto vom 12. Juli.

Diese Echte Bergminze oder Wald-Bergminze (Calamintha sylvatica) war ziemlich sicher nur die Vorhut mehrerer Bergminzen, die ich noch irgendwo unterbringen werde. Sie blüht nicht nur spät und lange und wird von Hummeln geliebt, sie tut das auch noch im Halbschatten. Juchhe! Da habe ich noch einige Plätzchen frei. Die ersten Blüten zeigten sich Ende Juni und sie soll bis September so schön weiter blühen.

Echte Bergminze
Die Echte Bergminze ist praktisch auch eine Hummelschaukel. Foto vom 29. Juni.

Ein zartes Geschöpf, die Steinbrech-Felsennelke (Petrorhagia saxifraga), das von ganz kleinen Wildbienen besucht wird. Die erste, die ich im Topf hatte, ist einfach nach einem Jahr etwa verschwunden. Mal sehen, wie es dieser hier bei mir gefällt. Sie wohnt seit März in einem meiner „Schicksalskästen“, die mit Dachgartensubstrat und Dachgarten-Bepflanzung ohne Versorgung durch meine Bewässerungsanlage ihrem Schicksal überlassen sind. Die Situation soll so eine Mini-Dachbegrünungsfläche nachahmen, vollsonnig, trocken, nährstoffarm. Ich habe so meine bepflanzte Fläche mit nach außen hängenden Blumenkästen um 15 Zentimeter erweitert, ohne die Nachbarn mit tropfendem Gießwasser zu verärgern. Sie teilt sich den Kasten mit einer Rundblättrigen Glockenblume, einem Nickenden Leimkraut, Feld-Thymian und Tripmadam. Aufgeblüht ist sie am 1. Juli, sie sollte laut gärtnerischem Steckbrief bis September durchhalten.

Steinbrech-Felsennelke
Steinbrech-Felsennelke, Foto vom 25. Juli.

Die Tauben-Skabiosen (Scabiosa columbaria) sind alteingesessene Mitbürger auf dem Wilden Meter, sie sind seit 2015 im Blumenkasten. Im Frühling habe ich sie nach drei Jahren in neue Erde eingesetzt, in Dachgartensubstrat. Die selbstgemischte Erde von 2015 war schon sehr hart. Aufgeblüht ist die erste am 2. Juli. In den vergangenen Jahren haben sie bis Ende September geblüht.

Tauben-Skabiose
Die Blüten der beiden Tauben-Skabiosen neben markhaltigen Brombeer-Stängeln, die von Grabwespen als Nistplatz angenommen wurden. Foto vom 25. Juli.

Auch das ist eine Entdeckung der Saison 2018, die Scabiosa agrestis (ohne deutschen Namen), die ich vom Shopping-Ausflug beim Staudenspatz im August 2017 zum Testen mitgebracht hatte. Die Stängel mit den Blüten werden nicht so hoch wie die der Tauben-Skabiose und Gelben Skabiose, nur rund 20 Zentimeter, sie hat sehr viele Blüten gebildet (siehe Titelbild) und das Kraut ist recht füllig, so dass die Pflanze nun im August im Blumenkasten eine außerordentlich gute Figur macht. Aufgeblüht ist sie ist am 12. Juli. Bisher habe ich diese Pflanze nur beim Staudenspatz gefunden (Scabiosa agrestis).

Scabiosa agrestis
Absolute Fans der Scabiosa-agrestis-Blüten sind diese männlichen Furchenbienen (Halictus spec.). Manchmal werden sie aber auch von dicken Hummeln einfach von der Blüte geschubst. Foto vom 2. August.

Auch die Färber-Scharte (Serratula tinctoria) ist ein Mitbringsel vom August-Einkauf 2017 bei Staudenspatz, weil sie noch schön geblüht hat zu der Zeit.  Eine wichtige späte Bienenweide, wenn die blütenreiche Zeit langsam zu Ende geht. Die ersten zierlichen Blüten sind am 25. Juli aufgeblüht. Sie steht bei mir im Halbschatten.

Färberscharte
Färberscharte mit Besuchern am 2. August.

Hier sieht man noch einmal die Färber-Scharte neben dem Wilden Löwenmaul (Antirrhinum majus). Man sieht, dass die Blütenköpfchen relativ klein sind. Das Wilde Löwenmaul habe ich blühend Mitte Juni bei Staudenspatz gekauft, um dem Balkon nach dem Hagelsturm am 7. Juni ein paar neue Farbtupfer hinzuzufügen. Weitere Aussagen zur Balkontauglichkeit kann ich dann erst am Ende der nächsten Saison machen (siehe Langblättriger Blauweiderich),

Wildes Löwenmaul
Das Wilde Löwenmaul wird von den kräftigen Hummeln besucht, die die Blüten aufstemmen können. Foto vom 1. August.

Wie der Name schon vermuten lässt, ist die Pyrenäen-Aster ‚Lutetia‘ (Aster pyrenaeus Lutetia) nicht einheimisch, sondern stammt aus den franzöischen Pyrenäen. Sie wird aber als „vital“, „robust“ und „pflegeleicht“ von den Gärtnern gepriesen, so dass sie im August 2017 für den Extremstandort „Südbalkon im Zentrum einer Großstadt“ von mir in der Staudengärtnerei mit ausgesucht wurde. Aufgeblüht ist sie am 1. August. Vergangenes Jahr hat sie bis in den Oktober geblüht.

Pyernäen-Aster "Lutetia"
Die erste Blüte der Pyernäen-Aster ‚Lutetia‘ nach ihrem ersten Winter auf dem Wilden Meter.

Wie von der Färberscharte hatte ich vom Gewöhnlichen Teufelsabbiss (Succisa pratensis) noch nie etwas gehört, bis ich ihm auf der Spätblüher-Pirsch in der Staudengärtnerei begenet bin. Im Wildpflanzen-Topfbuch von Reinhard Witt ist er in der Liste der „Sumpf- und Wasserpflanzen für Töpfe“ aufgeführt. Das habe ich aber erst vor ein paar Tagen bemerkt. Die Pflanze hat sich aber auch bei mir im normalen Topf sehr gut entwickelt. Auf Rückfrage erklärte mir ihre „Erzeugerin“, dass diese Pflanze sehr anpassungsfähig sei.  Das muss stimmen, denn sie hat in einem 10-Liter-Topf, den ich normal mitgegossen habe, 40 Blüten gemacht. Aufgeblüht ist sie am 1. August und nun bekommt sie täglich viel Wasser für das richtige Feuchtwiesen-Feeling.

Gewöhnlicher Teufelsabbiss
Der Besuch ließ nicht lange auf sich warten: Hungriger Steinhummel-Mann auf der ersten Blüte. Foto vom 2. August.

 

Nachdem ich den Artikel über mehrere Tage hinweg geschrieben habe, weil zwischenzeitlich anderes zu tun war, ist der Berglauch (Allium senescens) aus der Kategorie „blüht bald“ in die Kategorie „blüht jetzt“ gewandert. Das Foto ist vom 2. August. Aufgeblüht ist die erste Blüte in der halbkugeligen rosa Blütendolde am 4. August, Besucher waren auch schon da. Eine ausführliche Besprechung und hoffentlich auch ein Foto mit Blütengästen gibt es dann beim nächsten Foto-Balkon-Rundgang im Herbst. Einzug auf dem Wilden Meter: ebenfalls August 2017.

Berglauch
Berglauch im Topf; Foto vom 2. August.

Gruppe 3: blüht bald

Den Gelben Salbei (Salvia glutinosa) habe ich vor dem Einpflanzen im August 2017 geteilt und auf jeden Balkon einen Topf gestellt. Das Teilen wollte ich einfach mal ausprobieren. Beide Teil-Pflanzen waren ihrer Art entsprechend sehr fleißig und haben sehr viele Laub entwickelt. Das hat mir gut gefallen, da die Balkonbegrünung dadurch etwas urwaldartig aussah, üppig und schön grün eben. Aber eine Pflanze hat gar keine Blütenstände entwickelt und die andere Anfang Juli nur einen. Diesen haben ich dann auch noch beim Gießen aus Versehen abgebrochen. Inzwischen sind dafür drei Stängel mit Knospen nachgewachsen. Das Laub-Blüten-Verhältnis lässt aber immer noch stark zu wünschen übrig. Mal sehen, was die Pflanzen nächstes Jahr machen. Ich hatte sie dem Gärtner-Steckbrief entsprechend im Halbschatten in nährstoffreicher Erde, also in normaler torffreier Bio-Pflanzerde, die vorgedüngt war.

Gelber Salbei
Salvia glutinosa ist der einzige Salbei, der gelb blüht. Das Foto ist vom 18. Juli, am nächsten Tag habe ich sie leider abgebrochen.

An der Goldhaar-Aster (Aster linosyris) sind schon ganz kleine Knöspchen zu sehen, aber die bleiben hoffentlich noch länger geschlossen. Das ist dann mein letzter Trumpf in der Blüh-Saison. Auch die Goldhaar-Aster hat nach der Übersiedelung aus dem 9-Zentimeter-Töpfchen in den Blumenkasten im August 2017 bis in den Oktober geblüht. Die Blütenfarbe ist gelb.

Goldhaar-Aster
Goldhaar-Aster im Blumenkasten. Foto vom 5. August.

Gruppe 4: aufgeblüht und schon wieder verblüht

Der Kugellauch (Allium sphaerocephalon) ist dieses Jahr am 20. Juni aufgeblüht, eine Woche früher als 2017, er hatte etwas kleinere Köpfe und ist auch früher verblüht. Am 16. Juli war es mit der Pracht zu Ende. Ich denke, das war der diesjährigen Witterung geschuldet. In der Blühperiode war die übliche Kugellauch-Insekten-Party zu Gange.

Kugellauch
Ein Steinhummel-Mann labt sich am Kugellauch. Foto vom 2. Juli.

Meine Balkone sind Loggien, das heißt, sie sind überdacht und es gibt wenig Luftbewegung. Wenn es dann auch noch so heiß ist wie dieses Jahr, führen die Spinnmilben Freudentänze auf. Die einheimischen Wildblumen sind viel weniger anfällig als alle Gartencenter-Zierblumen (mit Ausnahme der Geranien), die ich von 2007 bis 2012 in den Blumenkästen hatte. Aber hin und wieder ist doch eine Pflanze dabei, die ein gefundenes Fressen ist. Die Milben schädigen die Pflanze durch Saugen und giftigen Speichel.

Der Waldziest (Stachys sylvatica) fiel ihnen zum Opfer, ein Bild des Jammers. Nachdem der einzige Blütenstand vom 29. Juni bis 12. Juli fertig geblüht hatte, habe ich die Pflanze komplett bis zum Boden zurückgeschnitten. Sie treibt nun schon neue frische grüne kleine Blätter aus. Ich überlege mir noch, ob ich sie nicht an einen geeigneten Ort auspflanze, damit sie es nicht so schwer hat. Die Blüten finde ich sehr hübsch.

Wald-Ziest
Wald-Ziest. Foto vom 24. Juli.

Die folgenden Pflanzen sind relativ neu auf dem Wilden Meter, spontane Lustkäufe als die Chance bestand, Wildpflanzen zu kaufen. Sie haben gerade geblüht oder waren schon am Ende ihrer Blütenzeit. Genauere Berichte gibt es dann nächstes Jahr, wenn sie den Winter im Topf mitgemacht haben.

Die Große Sterndolde (Astrantia maior). Ich habe sie blühend gekauft am 21. Juni und sie hat noch bis zum 12. Juli geblüht. Erste lose Freundschaftsbande mit den Wildbienchen auf dem Balkon wurden schon geknüpft. Sie soll bei mir im Halbschatten stehen.

Große Sterndolde
Wildbiene bei der Verkostung auf der Großen Sterndolde am 7. Juli.

Ein Verwandter des Aufrechten Ziests und des Wald-Ziests, der Dichtblütige Ziest der Sorte ‚Rosea‘ (Stachys monnieri ‚Rosea‘). Ich habe die Pflanze blühend gekauft am 21. Juni und sie hat bis zum 16. Juli geblüht. Also kein richtiger Spätblüher, aber ein sehr hübsches Blümchen, wie ich finde.

Dichtblütiger Ziest "Rosea"
Dichtblütiger Ziest „Rosea“ mit Schwebfliegen-Besuch am 2. Juli.

Der Rainfarn (Tanacetum vulgare), seit März auf dem Wilden Meter, soll laut „Gebrauchsanweisung“ eigentlich im Juli, August und September blühen, bei mir im relativ großen Topf war aber nach vier Wochen Schluss (Anfang bis Ende Juli). Die unteren Blätter sind auch bald noch braun geworden, so dass er auch optisch keine Bestnoten bekommt. Evtl. auch ein Kandidat für das Freiland.

Rainfarn
Rainfarn mit Besuchern am 12. Juli.

 

Der Schwertblättrige Alant (Inula ensifolia) kann laut Gärtnerei Strickler auch für Dachbgerünung ab 20 Zentimeter Substrat genutzt werden, ein Testkandidat also für meine Schicksalskästen. Er hat nur eine Blüte gebildet und die war nach zwei Wochen wieder verblüht (3. bis 16. Juli). Weil er außen im Kasten hängt und die Blüte der Sonne zugewandt ist, habe ich leider nicht sehen können, ob Besucher da waren. Obwohl sich die Pflanze nicht an die versprochene Blühzeit Juli und August gehalten hat, soll sie da bleiben und vielleicht gewöhnt sie sich noch besser ein.

Schwertblättriger Alant
Schwertblättriger Alant am 3. Juli.

Die Rispenflockenblume (Centaurea stoebe), gekauft und eingepflanzt im März in Dachgartensubstrat, hat auch nicht so richtig performt, wie man auf Neudeutsch sagt. Soll von Juni bis September blühen. Ingesamt hat sie rund zehn Blüten gebildet, die erste Blüte ist am 12. Juli aufgeblüht, die vierte am 4. August verblüht. Die anderen haben sich gar nicht geöffnet. Bei einer Besichtigung der Allacher Heide in München am 13. Juli habe ich gesehen, wie sie in freier Natur aussieht, so wie es die Gärtner versprechen, 70 bis 120 Zentimeter hoch, reich verzweigt, Insektenmagnet. Bei mir also noch eher mickrig, aber durchaus von interessierten Insekten besucht.

Rispen-Flockenblume
Rispen-Flockenblume mit Erdhummel am 18. Juli.

Die Waldwitwe passt in keine der Gruppen, aber ich würde noch gerne etwas zu ihrer weiteren Entwicklung sagen.

Meine Waldwitwenblume (Knautia dipsacifolia) hat vom 1. Juni bis zum 5. August fleißig geblüht und war heiß begehrt. Die äußeren großen Blätter haben wie jedes Jahr am Ende der Blüte Mehltau bekommen. Was tun? Radikal kürzen? Oder nur die Stängel mit den Samenständen abschneiden? Oder alles so lassen?

Wildstaudengärtnerin Susanne Behmenburg von der Staudengärtnerei Spatz und Frank hat mir folgendes geraten: „Für einen radikalen Rückschnitt der Waldwitwenblume ist es zu spät im Jahr. Am besten schneidest du nur die Blätter mit Mehltau weg und lässt ihr die anderen gesunden Blätter für weitere Photosynthese. Der Mehltau kommt dieses Jahr wahrscheinlich von der Trockenheit auf dem Standort ‚Loggia‘. Dann kann man die Pflanze noch ein bisschen düngen, damit sie wieder in Schwung kommt, aber nicht zu stark zu dieser Jahreszeit. Sonst wird die Pflanze zu ‚mastig‘, das heißt, das Gewebe wird zu weich und die Pflanze wird empfindlicher während der Überwinterung.“

Und so habe ich es dann gemacht:

Waldwitwenblume
Waldwitwenblume mit flottem Kurzhaarschnitt am 9. August.

Ich würde für meine Pflanzen am liebsten eine pathetische Dankesansprache auf dem Balkon halten. Sie sind so tapfer in ihren beengten Kästen und Töpfen und machen meistens so fleißig mit, ich bin total beeindruckt. Ich habe das Wildpflanzen-Gärtnern eigentlich wegen der wilden Tiere angefangen, aber mittlerweile finde ich jede einzelne Wildpflanze so interessant, dass ich gerne die Zeit hätte, mich viel intensiver mit jeder einzelnen zu befassen. Wenn man sie auf dem Balkon auf Augenhöhe beobachten kann, wie sie austreiben im Frühjahr, wie sie wachsen, Blätter und Knospen entwickeln, blühen und Samenstände bilden, ist faszinierend. Jede ist anders, anders interessant, anders schön. Liebe Blümelein, habt Dank!


Quellen und weitere Informationen:

Beitrag: „Shopping bei Stauden-Spatz“ (27.August 2017)
Beitrag: „Späte Gäste zur Oktoberfestzeit“ (30. September 27)

Gärtnerei Strickler: Pflanzenporträts, teilweise mit Pflegehinweisen zu Rückschnitt und  Blütenverlängerung. Beispiel Blutweiderich

Die komplette Pflanzliste finden Sie unter „Wilde Pflanzen A – Z“

9 Kommentare zu “Blüten-Rundgang im Hochsommer

  1. Eine sehr schöne und hilfreiche Übersicht! Ich muss gleich morgen überprüfen, ob ich nicht doch noch ein Plätzchen habe für eine Pflanze, die die Blütezeit auf meinem Balkon verlängert. Anregungen hab ich ja jetzt zur Genüge.
    Und vielleicht kann ich noch eine Empfehlung beisteuern: die pfirsichblättrige Glockenblume ist eine fleißige und ausdauernde Blüherin.
    Die große Hitze ist natürlich schon eine Herausforderung für Pflanzen und Tiere. Der Nabu hat ja dazu aufgerufen, Wasserschalen für Vögel und Insekten bereitzustellen. Ich hab allerdings den Eindruck, dass die Insekten darin eher ertrinken, und ob Vögel mein Angebot nutzen, konnte ich bislang nicht feststellen.

    • Wilder Meter

      Liebe Bettina, hab Dank für den Tipp mit der Pfirsichblättrigen Glockenblume. Ich habe eine Vormerkliste für 2019, da habe ich sie gerade mit drauf gesetzt 🙂 Ich freue mich immer sehr über Austausch und gegenseitige Tipps. Wildblumenbalkongärtnern ist ja Pionierarbeit und jede Erfahrung ist wertvoll. ** Ich habe für die Insekten Tränken aufgestellt, Blumentopfuntersetzer mit Kieselsteinen drin, die werden bei Hitze ständig angeflogen, vor allem von Wespen und Feldwespen. Wenn ich gieße und etwas Wasser sammelt sich in anderen Untersetzern, fliegen sie auch dorthin zum Trinken. Also Bedarf an Wasser ist schon da. Es muss halt, „ertrinksicher“ sein. Vögel kommen zum Trinken und Baden nicht auf den Balkon, nur zum Fressen.

      • Danke für den Tipp. Dann probier ich mal die Variante mit den Kieselsteinen, wenn die Vögel ohnehin nicht kommen. Der Sommer hat ja anscheinend nur eine Pause eingelegt …

      • Die Pfirsichglockenblume kann ich nur dringend empfehlen: robust (ich gieße nur sehr unregelmäßig, auch jetzt während der heißen, trockenen Zeit), blüht immer noch (sind zwar nur mehr einzelne Blüten, aber immerhin) – und es haben bei mir auf der Terrasse kleine Wildbienen und ein kleines Heupferdchen die Blüten als Schlafstube benutzt ;-).

        • Als ich „Heupferdchen“ las, war ich kurzzeitig ganz neidisch. Was bei euch so alles kreucht und fleucht! Zwei Tage später wurde ich von einem seltsamen Knackgeräusch aufgeschreckt. Auf der Suche nach der Ursache, entdeckte ich im Blumentopf eine recht große Heuschrecke. Nach meiner Laien-Recherche könnte es sich um eine Sumpfschrecke handeln. Aussehen und Gesang stimmt, allerdings lebt die Sumpfschrecke in Feuchtwiesen. Vielleicht ist zur Zeit alles so trocken, dass meine regelmässig gewässerten Blumentöpfe das Feuchteste ist, was aufzutreiben ist.

  2. Jutta Bornemann

    Sehr inspirierend, dein Bericht. Wenn dir der Teufelsabbiß so gut gefällt, solltest du unbedingt auch den Moorabbiß (Succisella infelexa) pflanzen. Blüht leicht später, die Blütenfarbe ist einen ticken dunkler und er hat eine eher straff aufrechte Wuchsform.

    • Wilder Meter

      Liebe Jutta, vielen Dank für den Tipp! Ich habe den Moorabbiss sogleich auf die Vormerkliste 2019 gesetzt 🙂 Herzliche Grüße, Katharina

  3. Mal wieder staune ich, wie anders(?) es auf deinem Balkon zugeht und was alles noch blüht bei dir. Viele meiner Pflanzen sind durch die Hitze ratzfatz abgeblüht. Meine dauerblühenden Mauretanischen Malven zum Beispiel, von denen ich hoffe, daß noch was nachkommt. Von daher bin ich überrascht, wie gut sich deine Dauerblüher gehalten haben. Wohl doch die ganz harten Sorten, was?!

    Die Flockenblumen (ich glaube, ich habe Wiesenflockenblumen) gedeihen bei mir allerdings sehr gut. Dein Blutweiderich hat 2m gemacht? Wahnsinn! So groß sind meine nicht geworden. Einer hat ziemlich zu Ende geblüht, der andere wächst immer noch und macht immer noch Blüten auf. Blühen tun sie dieses Jahr auch schon seit Anfang Juni, eine bis eineinhalb Wochen früher als sonst!

    Die Königskerze würde ich stehenlassen. Bei mir kamen immer noch neue Triebe und Blüten, obwohl sie schon braun und tot aussah! Dieses Jahr hatte ich leider keine, weil sie mir im Winter überraschenderweise verfroren sind, aber neue stehen in den Startlöchern. Es geht mir wie dir: nie wieder ohne 🙂

    Salvia nemorosa blüht früh bei mir (Ende Mai / Anfang Juni) und maximal 2 Wochen – meistens. Wieso ist das bei dir so anders??? Wunder! Den Hornklee hätte ich auch immer noch gerne zu meinen drei bzw. vier anderen Kleesorten. Das scheint mir eine gute Hummelpflanze zu sein! Löwenmäuler habe ich seit Jahren. Sie versäen sich ständig selbst (Nachkommen ohne Ende) und ich habe eine recht winterharte Sorte, auch wenn ich sie etwas schütze. Die kann viel ab!

    Das Spinnmilbenproblem kenne ich. Dieses Jahr ging es allerdings (sowas wie Cosmea geht hier oben gar nicht, die futtern sie immer!). Die letzten Jahre habe ich an der windstillsten Rückseite des Balkons so einen langweiligen Knöterich stehen, den dürfen die Spinnmilben fressen – er versät sich trotzdem und die Milben sind begeistert 😉

    Du hast so viel geschrieben und ich weiß gar nicht mehr, was ich jetzt alles schreiben wollte, aber für heute ist Schluß 😉
    Jedenfalls sieht es auf deinem Balkon wunderschön bunt aus! Und wie toll, daß du den Insekten so lange so viel bieten kannst!!! Und eine wunderschöne Auswahl an Wildblumen hast du 🙂 Hätte ich noch Platz, aber du weißt ja 😉 LG, Almuth

  4. Ein sehr interessanter, inspirierender Beitrag. Dieser extreme Sommer hat auch bei mir im Freiland einige Erwartungen und Gewohnheiten ausgehebelt, Blühzeiten verschoben, verkürzt oder noch kurzem Erscheinen von Blüten gleich wieder ausfallen lassen, und das bei heimischen Arten. Unter dem Aspekt löse ich mich zunehmend von der immer wieder zitierten „Neophyten“-Verachtung.

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