Späte Gäste zur Oktoberfestzeit

Unter dem Wilden Meter pilgern die Dirndl-und-Lederhosen-Karawanen schon morgens in Richtung Wiesn. Es ist Herbst. Obwohl ich mein Blühangebot für den September auf dem Wilden Meter mit Einkäufen bei Staudenspatz vergrößert habe (siehe Beitrag Shopping bei Stauden Spatz), ist es doch recht ruhig geworden. Die Saison geht zu Ende. Eine kleiner Balkon-Rundgang per Bild.

Die Namen der Pflanzen, die ich bei Staudenspatz gekauft habe, findet man alle unter dem Navigationspunkt „Wilde Pflanzen A – Z“.  In dieser Fotodokumentation fehlen ein paar: Hornklee-Nachschub, Teufelsabbiss, Gelber Salbei, Nesselglockenblume violett, Waldziest. Da sieht man bisher auch nur die Blätter und ich war mit dem Fotoapparat eigentlich auf der Pirsch, um späte Blütengäste zu dokumentieren. Die Staudengärtnerin Susanne Behmenburg hat auch den Herbst als gute Pflanzzeit empfohlen. So können die Pflanzen bei mir schon ein bisschen anwachsen.

Vier Neuzugänge von der Gärtnerei Staudenspatz aus Huglfing in einem Blumenkasten – von links nach rechts: Glanz-Skabiose oder Glänzende Skabiose (ohne Blüten), Goldhaar-Aster (gelb), Gelbe Skabiose (hellgelb), Pyrenäen-Aster Lutetia (hellviolettrosa). Die Aster ist nicht einheimisch, die Elternart stammt aus den französischen Pyrenäen. Sie ist aber sehr robust und wird auch für naturnahe Gärten empfohlen. Warum diese Sorte nun Lutetia heißt, wie der antike Name von Paris, erschließt sich mir nicht, denn Paris liegt ja bekanntlich nicht in den Pyrenäen. Einige klitzekleine Bienchen sind jedenfalls schon auf den Blüten gewesen (siehe Titelbild). Auf der Goldhaar-Aster habe ich leider noch gar keinen Gast erspäht.
Pfeffer-Salbei (Salvia uliginosa), diese Salbeiart kommt aus den Sümpfen Argentiniens. Nicht einheimisch also, aber bei diesem strahlenden Hellblau konnte ich mich einfach nicht zurückhalten. Auf Deutsch wird die Pflanze auch Hummelschaukel genannt. Hummeln habe ich noch nicht gesehen, aber ein kleines Bienchen oder Wespchen.
Einen schönen frischen Duft verströmt die Echte Bergminze, eine Pflanze, die schon lange bei mir auf dem Einkaufszettel stand. Sie blüht noch sehr fleißig …
… und hat auch schon Liebhaber gefunden. Bei dem Trachtenwahnsinn unter dem Wilden Meter wundert man sich eigentlich, dass die Biene nicht auch im Dirndl herumfliegt.
Die zweite Generation Klatschmohn im Kugellauchtopf ist gerade in voller Blüte. Der Mohn hat sich im Frühjahr in seinem Topf wieder selbst ausgesät und leuchtet in der Herbstsonne herzerwärmend. Die braunen Stängel gehören zum trockenen Kugellauch, der schöne Samenstände trägt, die gelben Saat-Wucherblumen blühen dankenswerterweise seit Juni durchgehend. Im Hintergrund: das neue Google-Entwicklungszentrum.
Färberscharte, einheimisch. Leider noch kein Insekt auf den hübschen Blüten gesichtet. Die Pflanze kannte ich vorher gar nicht. Habe sie mitgenommen, weil sie mir sympathisch war. Ich finde, Sympathie ist grundlegend, wenn man sich für eine Pflanze entscheidet.

 

Drei Töpfe mit Einkäufen von Stauden Spatz auf unserer Wassertonne: die Färberscharte ganz rechts, links daneben die Kleinblütige Bergminze und im Vordergrund ohne Blüten, eine neue Waldwitwenblume in einem Topf mit einer Nesselglockenblume. Wenn ich mich richtig erinnere, die weiße Sorte der Campanula trachelium.
Steppensalbei (Salvia nemorosa), der in Mitteleuropa heimisch ist.
Zusammen mit dem Steppen-Salbei habe ich noch weitere Pflanzen meiner Shopping-Tour in einen Kasten gepflanzt: Links vom Salbei eine nicht heimische Duftnessel (Agastache rugosa Blue Fortune), bei dem verführeischen Duft habe ich das Prinzip „einheimisch“ einfach ignoriert. Rechts davon: eine Duft-Skabiose und eine weitere Skabiosenart ohne deutschen Namen, Scabiosa agrestis, und ganz rechts eine Mazedonische Witwenblume (auch nicht heimisch, aber sie besitzt ein sehr hübsches Rotweinrot als Kaufargument). Neben dem Kasten rechts im runden Topf: ein Berglauch mit verblühten Büten.
Und weiter geht es von links nach rechts: eine zweijährige Ochsenzunge aus Huglfing, Färberkamillen, die sich bei mir ausgesät haben und die ich in diesen Kasten verpflanzt habe, und ein Gewöhnlicher Natternkopf aus Huglfing. In der Marlene-Dietrich-Straße tragen die Spitzahorne ihr rot-oranges Herbstkleid.
Das Mauer-Zimbelkraut soll das schattige Esszimmerfenster mit Grün und Blüten versorgen. Die Waldwitwenblumen, die vorher dort waren, habe ich nach dem dritten Jahr kürzlich im Garten meiner Mutter ausgepflanzt. Sie haben ausdauernd und fleißig geblüht und dann auf einmal Mehltau bekommen. Ich denke, dieser Minikasten wurde dann doch zu klein. Das Zimbelkraut soll im Schatten gut gedeihen. Ich finde es ein unglaublich hübsches Blümelein.
Die Alteingesessenen: Wilder Rankenwein in Herbstfärbung, ausdauernd blühende Taubenskabiosen; in zweiter Blüte nach dem Rückschnitt: Ähriger Blauweiderich und die von mir sehr geliebten Rundblättrigen Glockenblumen. Im Hintergrund sieht man die gelbe Herbstfärbung der Bäume im Arnulfpark.
In diesen beiden Töpfen wuchs bislang immer Knöterich, dessen Blüten im Herbst von den Feldwespen besucht wurde. Knöterich mag es aber gar nicht im Topf, nach zwei Jahren gilbt und siecht er. Nun haben wir auch hier Wilden Rankenwein ohne Haftscheiben eingepflanzt (Parthenocissus inserta). Er ist nicht einfach zu bekommen. Ich habe ihn schließlich in der Baumschule Sachs in Radebeul bei Dresden im Online-Shop entdeckt. Mal eine gute Nachricht aus Sachsen. Die Pflanzen waren supersorgfältig verpackt, überall noch ein Schnürchen, damit ja nichts passiert. Das hat mir gut gefallen.
Die Wiesn ist in Blick-, Geh- und Riechweite. Im Hintergrund sieht man den 80 Meter hohen Turm des Fahrgeschäfts Skyfall. Am Abend riecht es oft bis auf den Wilden Meter herüber nach gebrannten Mandeln.
Von den Hotels und Hostels ziehen schon morgens die Oktoberfestbesucher unter unserm Fenster vorbei. Wer einen Sitzplatz im Zelt möchte, muss früh dran sein.

 

 

 

Mehr Informationen zu den einzelnen Pflanzen

Wer  über die einzelnen Pflanzen Informationen vom Fachmann nachlesen möchte, dem empfehle ich eher die Website der Wildpflanzen-Gärtnerei Strickler als von Staudenspatz. Ich finde, bei Strickler gibt es viel Information in kompakter Form. Am besten im Suchformular den lateinischen Namen eingeben: www.gaertnerei-strickler.de/erweiterte_suche.htm

1 Kommentar zu “Späte Gäste zur Oktoberfestzeit

  1. Ich bin ganz begeistert von deinem nektarreichen Wildblumenbalkon !! Das ist ja fantastisch, was bei dir alles wächst ! Eine Blogkollegin hat mir deinen Blog empfohlen. Ich mache ähnliches wie du, Ich habe vor einigen Jahren angefangen, meine Balkonbepflanzung für Insekten umzustellen und komme seitdem aus dem Staunen nicht mehr heraus, was es in diesem Mikrokosmos alles zu entdecken gibt. Ich liebe Hummeln (bin auch ein Fan von Dave Goulson) freue mich aber auch über alle anderen Nektarsammler und Blumenbesucher. Jetzt werde ich erst mal weiter durch deinen Blog stöbern. Ich bin gespannt, was sich bei dir alles zeigt in südlicheren Gefilden 🙂 Viele Grüße aus Hannover

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