Sag niemals nie

Rückblick: Anfang September. 34 Pflanzen in Töpfchen mussten nach meiner Einkaufstour in der Staudengärtnerei in die Erde (siehe Beitrag vom 27. August: Shopping bei Stauden Spatz). Es war heiß,  ich war terminlich unter Zeitdruck und ich hatte nichts vorbereitet. Wieder also stand ich vor dem Problem: Welche Erde nehme ich und wie und wo bekomme ich sie.

Ich fasse hier noch einmal für alle, die hier erst in den Blog einsteigen, das Thema Erde zusammen. Die selbstgemischten Erden für den Wildbumenbalkon haben im Prinzip ganz gut funktioniert. Der Nachteil: Man muss die einzelnen Komponenten einkaufen und mischen. Das ist Arbeit und viel zu tragen. Die Rezepte dazu findet man zum Beispiel im Topf-Buch von Reinhard Witt (siehe unter Links) oder auf Pflanzanleitungen der Wildblumengärtnereien, beispielweise von der Gärtnerei Strickler (siehe unter Links). Im Grunde handelt es sich darum, eine nicht allzu nährstoffreiche Allrounderde zu mischen, in der alle Wildpflanzen an allen Standorten auf dem Balkon zurecht kommen.

Die einfache Lösung ist keine

Dieses Jahr habe ich eine fertig gemischte Dachgartenerde getestet, und zwar die Dach- und Trogerde intensiv der Firma Ökohum. Diese ist bei mir leider aus dem Rennen.  Ich hatte große Hoffnungen in sie gesetzt. Es wäre so einfach gewesen, Sack auf, Profi-Erde rein in den Topf. Sie roch toll und fühlte sich sehr schön an. Aber in dieser Erde haben meine einjährigen Sommerblumen gestreikt (siehe Beiträge „Von den Sorgen des Säens“ und „Wonnemonat Juni“). Da die Stauden vergleichsweise viel teuerer sind als Saatgut, wollte ich diese auf keinen Fall, auch nicht testweise, in die Ökohum-Dach- und Trogerde setzen. Das Risiko, die Pflanzen zu verlieren, war mir zu groß.

Toller Plan!

Ich hatte ingeheim gehofft, in der Staudengärterei gleich die richtige Erde mit meinen Stauden kaufen zu können. Das hat mir eine Gärtnerin am Telefon geraten. Ich nahm also meine schönen wiederverwendbaren 40-Liter-Gewebesäcke (zu erwerben bei den Münchner Abfallwirtschaftsbetrieben) mit und verzichtete auf Mitfahrer, um Platz für die Erde zu haben. Aber:  Noch auf dem Parkplatz sichtete ich eine große Palette von – oh nein – Ökohum-Dach- und Trogerde. Wie mir die Gärtnerin erklärte, passen sie diese Erde irgendwie an die speziellen Bedürfnisse der Gärtnerei an, aber sind auch in mancher Hinsicht nicht ganz zufrieden. Eigene Erde würden sie aus verschiedenen Gründen nicht herstellen. Seufz. Meine tolle Idee war dahin.

Komponenten für Erde kaufen – am späten Samstagnachmittag

Also gut, wieder selbst mischen. Ich wollte dieses Mal das Rezept der Wildpflanzengärtnerei Strickler für die Wildblumenbalkon-Allrounderde ausprobieren. Es lautet: „Die Erdmischung sollte aus je 1/3 Gartenerde, Kompost und Lava (oder Sand) bestehen.“ Es war Samstag, ich war – wie gesagt – unter Zeitdruck und es war halb vier Uhr nachmittags. Über drei Ecken hatte ich folgenden Tipp bekommen: ins Erdenwerk Freimann des Abfallwirtschaftsbetriebs München zu fahren und mich dort von einer Frau Hagen beraten zu lassen. Es war Samstagnachmittag und es ging niemand mehr ans Telefon. Also wieder mal los auf eigene Faust.

Komponente 1: Gartenerde.

In einem Wertstoffhof in der Nähe wird immerhin „Torffreie Bio-Erde“ der Münchner Erdwerke verkauft, aber kein Kompost. Auf der Website stand: „Für Gemüse, Kräuter & Blumen, ideal für ökologisches Gärtnern, torffrei und in Bioqualität.“ Passt, dachte ich mir. Ich wollte torffreie Erde und Bioerde.

Komponenten 2 und 3: Kompost und Sand

Ich wusste, dass ich Kompost mit Gütesiegel und Sand im Erdwerk Süderde im Münchner Westen bekomme, wo ich 2015 schon einmal war. Nie wieder tun wir uns und unserem Rücken diese Plackerei an, hatten wir uns damals geschworen (siehe Die Erde selbst mischen – ein Liebhaber-Projekt). Sag niemals nie. Ein bisschen schlauer waren wir aber schon dieses Mal und haben die Mengen eher sehr knapp berechnet und nur für die Töpfchen, die aktuell schnell in die Erde sollten. Und los ging es. Ab ins Büro, das in einem Container untergebracht ist. Im Regal kann man dort zunächst die Muster der Substrate und Sande usw. studieren,  die man dort kaufen kann. Wieder war ich überfordert. Ich bin weder Bauingenieur noch Gärtner. In der Anleitung steht: Sand. Einfach nur Sand.

Das letzte Mal hatten wir Manchinger Sand. Mittlere Reihe, rechts außen. Wie habe ich das ausgewählt? Einen Bekannten angerufen, der mir dazu geraten hat. Manchinger Sand ist aber gewaschen, später habe ich den Rat bekommen, ungewaschenen Sand zu verwenden. Also wurde es dieses Mal der gelbliche Sand daneben, Kabelsand.

Dann sagt man der jungen Frau im Büro, wie viel man einladen möchte, zahlt voraus und darf dann in das Gelände des Erdenwerks.

Ich finde das Ambiente wie schon beim ersten Besuch unvergleichlich phantasieanregend. Eine Bühne.

Zurück mit den drei Komponenten auf dem Balkon. Da auf dem großen Balkon Emmi, unsere Eidechse unterwegs war, bin ich zum Mischen auf den kleineren Balkon gegangen, um sie nicht zu stören. Was tut man nicht alles für die lieben Haustiere! Für Erdarbeiten habe ich eine dickere schwarze Teichfolie bei Obi gekauft, die ich auf dem Holzrost auslege.

Links auf dem großen runden Topf und im Karton auf dem Tisch: Die Pflanzen. Auf dem Boden: im Gewebesack links ist der Kompost, im Gewebesack daneben der gelbe Sand, im grünen Plastiksack die Münchner torffreie Bio-Erde.
Die drei Säcke habe ich dann nebeneinander ausgeschüttet …
… und gemischt. Als Eigenkreation habe ich dann noch einen Sack Blähton aus dem Gartencenter darunter gemischt. Denn im Strickler-Rezept steht ja für Komponente 3: Sand oder Lava. Blähton und Lava kamen mir relativ ähnlich vor und der Blähton sollte die Erde aus meiner Sicht lockerer machen.

 

 

Am Samstag bin ich nicht fertig geworden, aber so sah es dann am Sonntag bei mir aus. Leider nur vorläufig.

Wieder auf Los!

Am Montagvormittag rief mich Frau Hagen vom Erdenwerk Freimann des Abfallwirtschaftsbetriebs München an, sie hatte meine Nummer auf dem Display gesehen. Ich erläuterte ihr, dass ich nun schon zur Tat geschritten sei, weil ich es eilig hatte und erklärte mein Wildblumenbalkon-Projekt und das Problem der Erdbeschaffung. Sie wollte dann genau wissen, was ich gemacht habe und hatte dann zwei niederschmetternde Informationen: Erstens sei in der torffreien Münchner Bio-Erde schon sehr viel Kompost, es wäre nicht gut, da dann auch noch Kompost drunter zu mischen, das sei wieder zuviel Dünger und zweitens würde sie mir dringend vom Blähton abraten, der enthalte sehr viele Salze, die ausgewaschen werden. Manche Pflanzen würden empfindlich auf das Salz reagieren.

Um es kurz zu machen: Ich habe alle Pflanzen wieder raus aus dem Kasten. Die Erde noch mehr mit Sand abgemagert, um den Kompost zu verdünnen und … ich habe alle Blähton-Kügelchen eins nach dem anderen wieder aus der Erde rausgezupft. Das hatte etwas von Straflager.

Stand der Dinge

Die Pflanzen sind in den letzten zwei Monaten alle gut angewachsen, haben teilweise auch noch weiter geblüht. Mal sehen, wie es ihnen nächstes Jahr ergeht. Ich werde nun den Winter nutzen, um noch mehr über Erde zu lernen und um die Angaben auf den Säcken verstehen und danach handeln zu können.

Rückseite des 45-Liter-Plastiksacks: Torffreie Bio-Erde der Münchner Abfallwirtschaft

Einige Blog-Leserinnen und -Leser, die auch in Kästen und Kübeln mit Wildblumen gärtnern, haben mir ebenfalls zurückgemeldet, dass die Erde am problematischsten sei.

Am Besten wäre doch, wenn sich eine Firma der Wildblumenbalkongärtner annehmen und die richtige Allrounderde für Ansaaten und Stauden sackweise verkaufen würde!

2 Kommentare zu “Sag niemals nie

  1. Man sieht: Die Erde, eine Wissenschaft für sich. Das ist ja weitaus komplizierter, als ich dachte. Ich hab zwar bei mir auf dem Balkon hin und wieder schon mal festgestellt, daß Sand als Zutat fehlen könnte bei manchen Pflanzen (und hab überlegt, aus irgendeiner Sandkiste mal ne Schippe mitzunehmen ;-), aber das Sand nicht gleich Sand ist….bzw. daß es da so viele Varianten gibt, hätte ich mir nicht träumen lassen.
    Auf der anderen Seite würde ich es nicht übertreiben. Für Wildblumen braucht es sicherlich eine andere Erde, als für so manche Staude, aber bislang sind die meisten Pflanzen in meinen gewöhnlichen Erden gut angewachsen. Also die Mehrheit auf jeden Fall. Das Blähton Salze abgibt wußte ich nicht. Ich habe nur mal den Tip bekommen, wenn man sie als Drainageschicht einsetzen will, daß man sie unten in den Topf / Kasten legt. Ich mische sie in der Regel nicht unter die Erde. Man kann alternativ auch Tonscherben nehmen oder Steine. Danke für den informativen Beitrag. Vielleicht sehe ich mich im Frühjahr mal nach passendem Sand um ! Viel Glück mit deinen Pflanzen. Wir werden ja von dir hören, wie es weitergeht 🙂

  2. Oh je, ein grosser Aufwand. Ich hoffe, die Pflanzen danke es dir in der nächsten Vegetationsperiode. Liebe Grüsse vom Land. Regula

Hier können Sie den Beitrag kommentieren