Für Sie geschleppt: Erde – Erfahrungen und Experimente

An alle Balkongärtner, deren Balkone noch wüst und leer sind wie die Balkone unserer Nachbarn, weil die große Expedition ins Gartencenter nach den Eisheiligen noch nicht stattgefunden hat: Es ist noch nicht zu spät für die Saison 2017. Sie können schon dieses Jahr Ihren Balkon in ein kleines Wildblumen-Paradies verwandeln. Heute fasse ich deshalb für Sie unsere Erfahrungen zum Thema Erde noch einmal in einem Beitrag zusammen. Sie suchen sich die Option aus, die zu Ihnen passt und können loslegen.

Wir haben auf unserem Balkon bisher drei verschiedene Erdmischungen in den fünften Stock geschleppt und – für Sie – ausprobiert, das Dachgartensubstrat von ökohum, ist in dieser Saison als vierte Erdart im Test. Wir säen jedes Jahr Saatgutmischungen, die rund 25 bis 30 einjährige einheimische Arten enthalten. Praktisch eine Balkonwieseuniversalmischung. Das hat den Vorteil, dass bisher immer Arten dabei waren, denen der Standort und die jeweilige Erde zugesagt haben. Ein Großteil der ausgesäten einjährigen Sommerblumen sind mit den drei getesteten Erdmischungen gut gewachsen, die eingepflanzten Stauden ebenfalls.

Im Topf-Buch: „Erde für alle Fälle“

Man kann sagen, alle drei Mischungen haben gut funktioniert. Die Praxiserfahrungen, die im Witt-Topfbuch (S. 39) geschildert werden, können wir auf jeden Fall bestätigen: „Fast alle Arten kommen mit Durchschnitterde zurecht. Auch die Arten, der magersten und steinigsten Trockenhänge mögen es im Topf wesentlich humoser, nährstoffreicher und feuchter.“

Wenn es gärtnerische Probleme gab, dann nicht wegen der Zusammensetzung der Erde, sondern aufgrund anderer Fehler: Zum Beispiel waren Kleesamen in der Maulwurferde, die wir verwendet haben – das hatte Folgen. Oder wir haben bei der Zusammenstellung der Arten Fehler beim Saatgut gemacht: Zum Beispiel habe ich ein Jahr nicht einheimischen Goldmohn von Bingenheimer ausgesät, weil der auch im Bioladen neben den anderen Samentütchen hing und hübsch aussah. Der Goldmohn hat aber alle anderen Pflänzlein in den ersten Wochen fast erstickt, den musste ich drei Tage lang mit der Pinzette auszupfen.

Mehr über die Probleme mit dem Persischen Klee lesen Sie im Beitrag:
Die richtige Blumenerde (2): Blinde Passagiere an Bord

Mehr über die Probleme mit dem Goldmohn lesen Sie im Beitrag:
Die Goldmohn-Pest


Die Mischungen im Test

Die Beziehungen meiner Mutter waren die Voraussetzung für unsere Mischung 1.

Mischung 1 | Lieferant: Freunde und Bekannte auf dem Land
1/3 Kompost (von meiner Mutter)
1/3 Sand (von einem Baugeschäft, Freunde meiner Mutter)
1/3 Maulwurferde (von einer landwirtschaftlich genutzten Wiese, Freunde meiner Mutter)

Vorteil: Kostenlos

Nachteile: Beschaffung: Man braucht Beziehungen auf dem Land; man muss die Bestandteile selbst mischen (siehe großes Foto oben); man muss reißfeste Säcke für das Abfüllen und Transportieren der Erde kaufen; die Säcke wiegen sehr schwer.

Hinweis: Die Samen des Persischen Klees in der landwirtschaftlichen Maulwurferde wurden uns zum Verhängnis. Der Klee hatte im Oktober alles überwuchert. Die Erde in allen Pflanzgefäßen musste für das neue Balkonjahr komplett ausgetauscht werden. Das heißt auf einem Balkon: schleppen! Die Alternative, die Erde im Backofen zu sterilisieren, haben wir für unsere Menge niemals in Erwägung gezogen. Der Rest war schon aufwändig und anstrengend genug. Die Blüten des Persischen Klees dufteten außerdem wunderbar und wurden sehr häufig von Hummeln besucht, insofern ein Geben und Nehmen.

Mehr darüber erfahren Sie im Beitrag:
Die richtige Blumenerde (1): Eine Entscheidung von Tragweite


Schon bei der ersten Schaufel Sand spürt man, dass Muskelkraft erforderlich ist.

Mischung 2 | Lieferant: Bodenbörse
1/3 Kompost
1/3 Sand
1/3 Unterboden

Vorteile: Alle drei Bestandteile gab es an einem Ort, in einer sogenannten Bodenbörse. Kostengünstig: Rund 450 Liter haben etwa 30 Euro gekostet. Ein gewisser Erlebniswert: Besuch eines Orts, den man als Münchner in einer OG-Mietwohnung und mit Bürojob sonst nie kennenlernen würde.

Nachteile: Siehe Mischung 1.

Raue Gänsedistel aus der Bodenbörse

Hinweis: Unsere Bodenbörse hatten keinen samenfreien Unterboden. In der Erde waren deshalb Samen von verschiedenen Pflanzen, die wir nicht unbedingt auf dem Balkon haben wollten. Aber es war keine Art dabei, die uns richtige Probleme machte wie der Klee in Mischung 1. Diese durften entweder mit den anderen 25 Arten mitwachsen oder wurden einfach ausgerupft, sobald sie identifiziert waren (z. B. Hirtentäschel oder Raue Gänsedistel).

Information für Münchner: Das Unternehmen heißt „Süderde“ und befindet sich in der „Lochhauser Straße 67“. Das ist in der Nähe vom Gartencenter Kölle im Münchner Westen. Inzwischen haben auch die Münchner Abfallwirtschaftsbetriebe torffreie Erde im Angebot, Kompost kann man dort auch erwerben, dann müsste man sich dazu nur noch Sand beschaffen. Und noch ein Tipp für ein Erdenwerk in der Nähe von Erding: www.wurzer-umwelt.de

Mehr darüber Erfahren Sie im Beitrag:
Die Erde selbst mischen – ein Liebhaber-Projekt


Torffreie Bio-Universalerde aus meinem Bioladen.

Mischung 3 | Lieferant: Gartencenter, Baumarkt
1/2 Spielplatzsand
1/2 torffreie Gartenerde

Vorteil: Beide Zutaten bekommt man in halbwegs handlichen Säcken im Gartencenter oder im Baumarkt mit Gartenabteilung. Torffreie Gartenerde von ökohum gibt es bei mir auch im Bioladen (Vollcorner).

Nachteil: Man muss wieder selbst mischen, aber nur zwei Komponenten.


Dachgartensubstrat von Ökohum

Mischung 4, aktuell im Test: Dachgartensubstrat | Lieferant: Baumarkt oder nettes Naturgarten-Unternehmen
Vorteil: Einfach den Sack aufmachen, einfüllen, fertig. Ein etwa gleich großer Sack Dachgartensubstrat wiegt viel weniger als die selbstgemischte Erde.

Nachteil: Beschaffung.
Nachtrag (14:00) – Beschaffungstipps: Ich habe für das Dachgartensubstrat endlich einen Online-Shop bei einer Wildkräutergärtnerei gefunden: www.naturgartenwelt.de/shop/boden
Aber jeder Sack muss einzeln verschickt werden, d. h., zu jedem Sack kommen die Vesandkosten dazu. Einen weiteren Tipp erhielt die Redaktion von einem Münchner Leser, Lieferung frei Haus aus Geretsried: Isartaler Erden – Torffreie und biologische Erden für Münchens Hausgärten www.isartaler-erden.de

Hinweis: Dachgartensubstrat kann man finden, wenn man länger sucht und eventuell ein paar Kilometer fährt, wurde mir gesagt. Wir waren nicht erfolgreich. Bei Obi gibt es eines, das nicht ganz torffrei ist, das wollten wir aber nicht. Wir wollten torffreie Bio-Dacherde. Ansonsten habe ich im Internet nur Angebote für Gewerbetreibende gefunden, nicht für Endkunden. Schließlich haben wir über einen freundlichen Naturgärtner ökohum-Dachgartensubstrat mitbestellt. Vielleicht stellt sich der Handel aber bald darauf ein.

Deutlich zu sehen: der Größenunterschied. Die kleinen Sämlinge mit zwei Keimblättern stammen aus der zweiten Aussaat in die Lücken. Eventuell ist die zeitlich versetzte Nachsaat gar nicht schlecht und wir verlängern so das Blühangebot auf dem Balkon um ein paar Wochen. Wir werden berichten.

Tipp für die Ansaaten einjähriger Wildblumen, die wir jedes Jahr direkt in die Blumenkästen säen: In manchen Kästen sind fleckenweise keine Samen aufgegangen. Die Mischung war ähnlich wie die Jahre vorher, das hatten wir noch nie beobachtet. Wir hatten die Vermutung, dass die Samen, durch den geringeren Feinanteil der Erde, der durch das Wässern auch noch nach unten gespült wurde, vielleicht nicht genügend Kontakt mit der Erde hatten. Wir haben dann nachträglich ganz vorsichtig mit den Fingern fein zerriebene Universalerde von ökohum in die Hohlräume der Lücken gestreut und noch einmal nachgesät. Dann haben die Samen haben wie die Jahre vorher gekeimt. Am besten also noch eine Schicht Erde auf das Dachsubstrat geben. Wahrscheinlich ist Anzuchterde noch besser, die hatten wir aber nicht zur Verfügung und wir wollten schnell handeln. Die Universalerde gab es im Bioladen.

Mehr darüber erfahren Sie im Beitrag:
Erstes Grün nach 12 Tagen

Fazit: Sollte die Fertigmischung 4 ein blüten- und insektenreiches Balkonjahr bringen, wäre das in Zukunft auf jeden Fall unsere erste Wahl und die Empfehlung für alle Balkongärtnerinnen und –gärtner in der Stadt.

WICHTIG. Nachtrag vom 17. Mai: Mit der Dachgartenerde läuft es bei uns auf dem Balkon nicht optimal. Die Pflanzen wachsen nicht so wie die Jahre zuvor. Ich werde bald ausführlich in einem eigenen Beitrag berichten. Die besorgte Redaktion.

9 Kommentare zu “Für Sie geschleppt: Erde – Erfahrungen und Experimente

  1. Hallo,

    eine schöne und informative Seite 🙂

    Ich benutze auch intensives Dachgartensubstrat (Vulkatec Vulkaplus Intensiv) für meine Balkonkästen, die mit Wildblumen besetzt sind. Bisher wachsen die Pflanzen recht gut in diesem Substrat, Aussaaterfahrungen habe ich allerdings noch keine – die Pflanzen wurden als fertige Stauden eingesetzt.

    Reinhard Witt gibt den Tipp, ca. 2 cm hygienisierten Grünschnittkompost in die oberen 2-3 cm vom mineralischen Substrat einzuarbeiten, damit auch Aussaaten gut anwachsen können. Vielleicht funktioniert es ja auch in ihren Kästen?

    Hier noch eine Liste der Pflanzen, die meine Balkonkästen besiedeln:

    – Sandnelke (Dianthus arenarius)
    – Spinnwebenhauswurz (Sempervivum arachnoideum)
    – Berglauch (Allium montanum)
    – Wiesenmargerite (Leucanthemum vulgare)
    – Wiesenflockenblume (Centaurea jacea)
    – Taubenskabiose (Scabiosa columbaria)
    – Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum)
    – Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia)
    – Aufrechter Ehrenpreis (Veronica teucrium)
    – Färberkamille (Anthemis tinctoria)
    – Wiesensalbei (Salvia pratensis)
    – Natternkopf (Echium vulgare)
    – Frühlingsfingerkraut (Potentilla neumanniana)
    – Schmalblättriger Alant (Inula ensifolia)
    – Heidenelke (Dianthus deltoides)

    • Redaktion

      Vielen Dank für den schönen Tipp mit dem Dachgartensubstrat von Vulkatec. Ich freue mich sehr, dass es noch andere Wildblumen-Balkongärtner gibt! Für alle Interessierten hätte ich noch ein paar Fragen: Wo kann man das Substrat als Endkunde kaufen? Kann man sich das auch schicken lassen? Dann könnte ich die Adresse bei den Links ergänzen. Und wieviele Jahre sind die Pflanzen schon in der Erde in den Kästen (Größe) und wie werden sie gepflegt und evtl. gedüngt? Welche Kriterien haben für die Auswahl der Pflanzen eine Rolle gespielt?

      • Das Vulkatec-Substrat habe ich hier bestellt:
        http://www.vulkatec-onlineshop.de/Dachbegruenung/Vulkaplus_Intensiv/530000003.html

        Die Pflanzen stehen das erste Jahr in diesem Substrat – ich habe (nachdem die Pflanzen gesetzt waren) zusätzlich ca. 2 g gedämpftes Horngrießgranulat pro Liter Topfinhalt auf die Substratoberfläche gestreut. Den Pflanzen scheint es gefallen zu haben.
        Diese Düngung plane ich einmalig jeweils im Frühjahr zu wiederholen.

        Die Kästen haben eine Größe von 100 x 20 x 20 cm und sind meinerseits mit zusätzlichen Abflußlöchern ausgestattet worden – zuunterst befindet sich eine Drainageschicht aus Blähton unter dem Pflanzsubstrat.

        An sehr heißen Tagen (>25 °C) gieße ich täglich, ansonsten je nach Witterung alle 2 bis 6 Tage (die Kästen bekommen auch Regen ab).

        Als Kriterien für die Pflanzenauswahl wurden der sonnige Standort auf meinem Südbalkon sowie die Wuchs- bzw. Verdrängungsfreudigkeit der Pflanzen herangezogen, zudem sollten die Pflanzen möglichst insektenfreundlich sein.

        Ich habe die Pflanzen je nach Verdrängungsfreudigkeit auf die einzelnen Kästen verteilt, d.h. die Pflanzen wurden nach Wüchsigkeit miteinander kombiniert.

        Derzeit sehen die Kombinationen so aus:

        Berglauch (Allium montanum), Spinnwebhauswurzen (Sempervivum arachnoideum) und Sandnelken (Dianthus arenarius).

        Wiesenmargerite (Leucanthemum vulgare), Wiesenflockenblume (Centaurea jacea), Taubenskabiose (Scabiosa columbaria), Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum) und Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia).

        Wiesensalbei (Salvia pratensis), Frühlingsfingerkraut (Potentilla neumanniana), Schmalblättriger Alant (Inula ensifolia) und Heidenelke (Dianthus deltoides).

        Aufrechter Ehrenpreis (Veronica teucrium), Färberkamille (Anthemis tinctoria), Natternkopf (Echium vulgare) und Frühlingsfingerkraut (Potentilla neumanniana).

        Ich bin selbst gespannt, wie sich die Kästen im Laufe der Zeit entwickeln werden, welche Pflanzen sich durchsetzen werden und welche nicht.

        • Redaktion

          Hallo Lars, wo findet man Informationen zur Verdrängungsfreudigkeit von Pflanzen? In den Beschreibungen der Gärtnereien finden sich in der Regel Informationen zum bevorzugten Standort (Boden und Licht), zur Wuchshöhe und Blütezeit. Zur Verdrängung habe ich noch nie etwas gesehen. Meine Ackerglockenblume hat zum Beispiel den Ährigen Ehrenpreis fast vollständig verdrängt. So tendiere ich momentan zur Ein-Arten-Lösung im Topf oder Kasten. Aber du hast die Pflanzen ja gezielt ausgewählt. Vielleicht kannst du uns Tipps geben.

          • Das Wildpflanzen-Topfbuch von Reinhard Witt gibt für viele Arten auch die Konkurrenzstärke an (Tabellen auf den Seiten 126-137, 3. Auflage 2014), sodass man danach ganz gut kombinieren könnte, wenn man mehrere Arten in einen Topf setzen möchte.

            Die Ein-Arten-Lösung ist vermutlich immer besser, allerdings für kleinere Balkone ggf. auch ein „Platzproblem“ aufgrund der Vielzahl der benötigten Töpfe.

            Die Ackerglockenblume besitzt bspw. hohe „Verdrängungskünste“ … 😉

            • Redaktion

              Danke für den wichtigen Hinweis! Ich habe das Buch, aber dieses Kriterium habe ich bisher übersehen.

  2. Pingback: Von den Sorgen des Säens – Wilder Meter

  3. Redaktion

    Das ist ein super Tipp! Danke vielmals!

  4. Hallo,

    ich bin ganz begeistert von http://isartaler-erden.de. Lieferung frei haus, Bio und 100% Torffrei. Leider ist die Webseite nicht sehr aussagekräftig. Sie liefern u.a. Bio Mischkompost, Garten und Blumenerde, Universal- Tomaten und Gemüsedünger, Rasenerde und Dünger, etc.

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