Die richtige Blumenerde (2): Blinde Passagiere an Bord

Die Erde, die wir im Februar 2014 selbst gemischt haben, hat wunderbar funktioniert, wie man im Bild oben sieht. Wir hatten im Juni eine üppige, bunt blühende und gut besuchte Wildblumenwiese auf dem Balkon. Leider hatten wir nicht mit der Wucherkraft eines blinden Passagiers gerechnet.

In der verwendeten Maulwurferde waren (für mich unsichtbar) Samen von Pflanzen, die zusammen mit meiner eigenen Blumensaat aufgingen. Einer dieser heimlichen Mitreisenden war der Persische Klee (Trifolium resupinatum). In Südwestasien gehört diese Kleeart zu den ältesten Futterpflanzen. Bei uns baut man ihn seit den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts an, vor allem als Gründüngungspflanze und Bienenweide*.

Zunächst das Positive am blinden Passagier: Die kleinen halbkugeligen Köpfchen beduften den ganzen Balkon, die Hummeln mochten ihn sehr gerne, Blüte und Blätter sehen dekorativ aus. Aber: Der Klee ist sehr expansiv, katastrophal expansiv. Wir mussten im nächsten Frühjahr die komplette Erde austauschen, weil wir nur noch Persischen Klee in den Kästen hatten, der die Erde sehr stark durchwurzelt hatte.

Hummeln lieben und brauchen Klee, das zeigt die Studie britischer Wissenschaftler „Causes of rarity in bumblebees“, die auf dem Blog www.aktion-hummelschutz.de kurz und gut verständlich aufbereitet ist. Im Balkonkasten wird er aber zur Monokultur.

Hier die Geschichte im Bild:

12. Juni 2014: Persischer Klee, eine Pflanze von vielen im Blumenkasten. Die Kleeblätter fand ich sehr hübsch.
28. Juni 2014: Der Persische Klee blüht rosa neben den blauen Kornblumen und dem gelben Dill. Der Dill war ebenfalls ein blinder Passagier in der Gartenerde. Er war aber problemlos. Die Bienen mochten die Blüten und wir die Blätter im Salat. Dill wird ja oft Bienenweiden-Saatgutmischungen beigegeben.
9. Oktober 2014: Und hier die Katastrophe in unsere Blumenkästen am Ende der Saison. Der Persische Klee hat in allen Blumenkästen alle anderen Pflanzen überwuchert. Hier wäre im folgende Jahr nur Klee gewachsen.

Weitere Überraschungsgäste:

Ackergauchheil (Anagallis arvensis). Ein kleines, häufig vorkommendes Blümchen. Die Pflanze galt früher als Heilpflanze gegen Geisteskrankheiten und Dummheit (Gauch = Narr, Tor). Diese „eingeschleppte“ Blume hat problemos vor sich hingeblüht. Ich finde die roten Blüten sehr hübsch.
Ich glaube, dies ist ein Weißer Gänsefuß (Chenopodium album), verbreitet auf nährstoffreichen Böden aller Art. Das Kosmos-Bestimmungbuch sagt, man könne ihn leicht mit einer Spreizenden Melde verwechseln. Ich habe die Pflanze wachsen lassen und gewartet und gewartet, dass die knäueligen winzigen Blüten noch auffälliger blühen und sich evtl. noch als Insektenmagnet entpuppen. Aber die Pflanze stand einfach nur so rum. Angeblich könnte man junge Blätter und Stängel essen. Als Hypochonder habe ich das natürlich unterlassen.

* Die Informationen über die Pflanzen stammen alle aus dem Kosmos-Naturführer-Bestimmungsbuch: Was blüht denn da? Der Fotoband. Sicher nach Farbe bestimmen. Stuttgart 2010

Wie wir die Erde gemischt haben, erfährt man in diesem Beitrag:
Die richtige Blumenerde (1): Eine Entscheidung von Tragweite

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