10 Gründe für einen Wildblumen-Balkon: „Vergessen Sie das Okavango-Delta, gehen Sie auf Ihren Balkon!“

Letzter Aufruf an alle Balkonbesitzer, die jetzt nur noch auf besseres Wetter warten, bevor sie ins Gartencenter pilgern: Tun Sie es nicht! Es gibt 10 gute Gründe für eine Wildblumenbepflanzung. Und ich verspreche Ihnen: Zur Geranie führt kein Weg zurück!

1. Balkonsaison

Wildblumen-Balkon: Die Begrünung beginnt schon ab Anfang März. Die Aussaaten einjähriger Pflanzen und die Stauden beginnen zu wachsen. Schauen Sie dem Frühling bei seiner Ankunft zu!
Gartencenter-Balkon: Grünes auf dem Balkon erst nach den Eisheiligen ab Mitte Mai.

2. Kälte

Wildblumen-Balkon: Kälteeinbrüche sind kein Problem, die Pflanzen halten das aus.
Gartencenter-Balkon: Empfindliche Pflanzen gehen evtl. ein.

3. Jahreszeiten

Wildblumen-Balkon: Die einheimischen Wildpflanzen auf dem Balkon entwickeln sich jahreszeitlich wie die natürliche Vegetation im Freiland. Der Gesamteindruck der Bepflanzung verändert sich laufend. Man hat das Gefühl, die Jahreszeiten auch auf dem Balkon mitzuerleben.
Gartencenter-Balkon: Die Blumen wachsen, aber die Gesamtoptik verändert sich nicht jahreszeitentypisch. Zuerst sind die Geranien klein, dann groß, am Ende sind sie sehr groß und landen im schwarzen Sack.

4. Naturkunde

Wildblumen-Balkon: Man erlebt den ganzen Lebenszyklus einer Pflanze auf Augen- und Nasenhöhe. Bei Einjährigen vom Keimling zur (oft duftenden) Blüte bis zur Samenbildung. Das ist Naturkunde aus nächster Nähe.
Gartencenter-Balkon: Man erlebt gar nichts, die Geranie oder Petunie wird einfach nur größer und größer. Ab und zu verblüht eine.

5. Krankheiten und Schädlinge

Wildblumen-Balkon: Die Wildpflanzen sind robust und wenig krankheitsanfällig.
Gartencenter-Balkon: Läuse aller Art, Spinnmilben, Mehltau, krüppeliges Wachstum, Absterben: Nichts, was uns nicht heimgesucht hätte. Ausnahme: Geranien, die sind zugegebenermaßen extrem robust.

6. Das ganze Leben

Wildblumen-Balkon: Die trockenen Stängel, Blätter und Samenstände im Herbst und Winter sind schöne Naturobjekte, kleine Skulpturen und ebenfalls lehrreich: Das Vergehen gehört in der Natur dazu, auch auf dem Balkon.
Gartencenter-Balkon: Die Gartencenterblumen spiegeln den Jugendwahn unserer Gesellschaft, die Blumen sollen ewig bunt sein, nicht altern und braun werden. Im Herbst werden sie dann in den Sack gesteckt, da haben sie ausgedient.

7. Sommer-Gäste

Wildblumen-Balkon: Insekten besuchen die Blüten und sammeln Pollen und Nektar. Sie fördern mit einem Wildpflanzenbalkon Bienen, Hummeln, Käfer, Schmetterlinge, Fliegen, Vögel und andere Lebewesen, die auf diese Pflanzen angewiesen sind. Man erlebt eine jahrmillionenalte Beziehung direkt vor den eigenen Augen. Auf dem Balkon sind die Tierchen in den Blüten viel besser beobachtbar als in einem Garten, wo man sich hinknien muss.
Gartencenter-Balkon: Wenn man Glück hat, verirrt sich ein Taubenschwänzchen zu den Geranien. Außerdem landet man manchmal im Gartencenter auch Zufallstreffer: Isländischen Mohn und Löwenmäulchen haben unsere Münchner Hummeln besucht.

8. Winter-Gäste

Wildblumen-Balkon: Die Samenstände mancher Pflanzen bieten unseren Vögeln im Herbst und Winter Nahrung.
Gartencenter-Balkon: Kein Vogelfutter.

9. Safari

Wildblumen-Balkon: Nisthilfen für solitäre Bienen und Wespen steigern den Erlebniswert des Wildblumenbalkons noch einmal. Parallel zum Lebenszyklus von Pflanzen beobachtet man die Zyklen dieser nützlichen und liebenswerten wilden Fluginsekten. Spannender als jede TV-Tierdokumentation: Vergessen Sie das Okavango-Delta, gehen Sie auf Wildtiersafari auf Ihrem Balkon!
Gartencenter-Balkon: Sollten sich Nisthilfen auf einem Geranienbalkon befinden und Insekten ansiedeln, wird man sie nicht beim Sammeln von Pollen und Nektar beobachten können.

10. Geld

Wildblumen-Balkon: Kostengünstig: Stauden und Kletterpflanzen gedeihen über mehrere Jahre in ihrem Topf; die Kosten für Saatgut für die kleine Fläche sind gering; die Erde muss auch nicht jedes Jahr erneuert werden.
Gartencenter-Balkon: Im Regelfall werden sowohl die Pflanzen als auch die Erde jedes Jahr erneuert.

In der Linksammlung des Blogs finden Sie hilfreiche Links zu Websites mit Adressen für die Beschaffung von Wildpflanzen, Saatgut, Nisthilfen und Erde. Dann können Sie gleich loslegen!
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11 Kommentare zu “10 Gründe für einen Wildblumen-Balkon: „Vergessen Sie das Okavango-Delta, gehen Sie auf Ihren Balkon!“

  1. Heinrich Faber

    Toller Beitrag und ein sehr gelungenes Plädoyer für eine Balkonbepflanzung mit heimischen Wildblumen! Wer nicht nur Schauwert, sondern auch ökologischen Beobachtungs- und Schutzwert (bzgl. Wildbienen und anderen Insekten) auf seinem Balkon haben möchte, kommt an solchen Pflanzen nicht vorbei. Diese Motivation der Autorin haben einige der Vorkommentatoren anscheinend übersehen. Lesen hilft! 😉

    Geranien (ursprünglich aus Südafrika) sind leider höchstens für Nachtfalter wie das Taubenschwänzchen mit extrem langen Rüssel einen Besuch wert. Für Hummeln und andere Bienen sind sie wie ein Stück Wüste. Ähnliches gilt für sehr viele Gartencenter-Blumen, die entweder exotischer Herkunft sind (und sich damit nicht in Koevolution mit den heimischen Insekten entwickelt haben) und/oder denen von den Saatgutherstellern alle bienentaugliche Eigenschaften abgezüchtet wurden.

  2. turbohausfrau

    Seit 19 Jahren bin ich jetzt Balkongärtnerin und liebe die Vielfalt von Gemüse, Obst und Blumen auf dem Balkon. Sehr viel ziehe ich aus meist selbst gewonnenem Saatgut selbst. Was ihr hier über gekaufte Pflanzen schreibt, ist Blödsinn. Nichts blüht so zuverlässig wie Pelargonien (die ihr Geranien nennt). Die kaufe ich allerdings beim Gärtner, der die selber zieht, weil sie lange Transportwege schlecht aushalten. Vielleicht habt ihr deswegen keine Freude an gekauften Pflanzen, weil ihr den billigsten Weg ins Gartencenter geht?

    • Ich glaube persönlich, die Autorin meint mit „Gartencenter(-blumen” womöglich Monokultur aus dem Discounter und hat schlicht und einfach die falsche Begriffe gewählt?

      Gartencenter sind hier bei uns meistens Familienbetriebe mit eigenen Baum- bzw. Pflanzenschulen – eben von Gärtnern betrieben. Sie produzieren selbst mit Liebe vom Samen über Ableger kräftige Pflanzen. Sie beraten höchst professionell – und tauschen übrigens Pflanzen auch um, wenn sie nicht gedeihen.

      Ich habe nicht verstanden, warum hier der Begriff Gartencenter so diskreditiert wurde. (Und Pflanzenauswahl hat sehr viel mit subjektiver Pflanzenliebe zu tun.)

  3. So sehr ich das Plädoyer für die Wildblumen schätze – aber die allermeisten Gegenargumente hinsichtlich der Gartencenterflora stimmen so einfach nicht:

    1. Gartencenter-Balkon: Grünes auf dem Balkon erst nach den Eisheiligen ab Mitte Mai.

    Nein, Gartencenter verkaufen durchaus zu dieser Zeit Pflanzen, die die Eisheiligen aushalten würden. (Sie hätten sonst nämlich selbst ein Problem, diese in Freilandhaltung vorrätig zu halten.) Ergo: die Auswahl dort ist zu dieser Jahreszeit noch zurückhaltender aber die allermeisten schon zu erwerbenden Pflanzen sind durchaus robust. Wenn nicht, erhält man normalerweise dazu einen Hinweis.

    2. Gartencenter-Balkon: Empfindliche Pflanzen gehen evtl. ein.

    Empfindliche Pflanzen gehen bei Neusaat auch bei den Wildblumen ein – zumal wenn eben in Kübeln und in Höhe gepflanzt wird. So richtig robust sind die nämlich auch erst in den Folgejahren. Ansonsten holt man empfindliche Pflanzen eben noch mal rein in die Wohnung/Treppenhaus. Das macht jeder Gärtner, auch Balkongärtner bei echtem Frost mit seinen Pflanzen. Vor allem sind es Kübelpflanzen, die bei Frost auch schon bei Neutrieb einfach Schutz brauchen.

    3. Gartencenter-Balkon: Die Blumen wachsen, aber die Gesamtoptik verändert sich nicht jahreszeitentypisch. Zuerst sind die Geranien klein, dann groß, am Ende sind sie sehr groß und landen im schwarzen Sack.

    Äh nein. NEIN! Ich kann durchaus mit einem guten Gartencenterblumenmix meinen Balkon durchgängig über das Jahr sehr vielfältig und ausgewogen in der Blüte gestalten. Wer behauptet so einen Quatsch, dass das nicht ginge? Gartencenterblumen sind nicht ausschließlich Geranien & Co. Gartencenterblumen sind sehr große Vielfalt und man kann sie durchaus für das Jahr vorgeplant ohne Blüte als Setzling erwerben.

    4. Gartencenter-Balkon: Man erlebt gar nichts, die Geranie oder Petunie wird einfach nur größer und größer. Ab und zu verblüht eine.

    Nochmal: wer glaubt, man könne in einem Gartencenter nur die üblichen Oma-Blumen kaufen, hat noch nie einen ordentlichen Gartencenter besucht. Dort gibt es wundervolle kleine vorgezogene Setzlinge aller unterschiedlichen Pflanzenarten oder Wildkräuter etc., die sich sehr über das ganze Jahr beim Wachsen und Gedeihen bis hin zur Samenbildung und Blattabfall (und im nächsten Jahr zum Neuaustrieb). Mir ist das wirklich viel zu eindimensional argumentiert hier.

    5. Gartencenter-Balkon: Läuse aller Art, Spinnmilben, Mehltau, krüppeliges Wachstum, Absterben: Nichts, was uns nicht heimgesucht hätte. Ausnahme: Geranien, die sind zugegebenermaßen extrem robust.

    Hat nichts mit der Pflanzencenterblume alleine zu tun, sondern ist abhängig von der verwendeten Erde, Balkonlage, Düngung, Pflege (also Überdüngung, Überwässerung, Austrocknung.) Wer vor Läusen Angst hat, kann durchaus Pflanzen aus dem Gartencenter kaufen und auf eine ausgewogenen Mischpflanzung achten. Zum Beispiel Tomaten, Lavendel, Kräuter mittenmang – sogar Duftgeranien (und ich kaufe selber nie welche) können großen Einfluss darauf haben, ob sich die fiesen Biester auf dem Balkon niederlassen oder nicht. Marienkäfer freundlich pflanzen. Hier gilt: Monokultur ist immer sch…!

    6. Gartencenter-Balkon: Die Gartencenterblumen spiegeln den Jugendwahn unserer Gesellschaft, die Blumen sollen ewig bunt sein, nicht altern und braun werden. Im Herbst werden sie dann in den Sack gesteckt, da haben sie ausgedient.

    Quatsch mit Soße. Im Herbst werden Kübel mit Gartencenterblumen eingepackt, vor Frost geschützt, alternativ im Keller/Gewächshaus geschützt untergestellt und kommen im nächsten Jahr fröhlich wieder. Im übrigen sind auch Geranien mehrjährig, können gut im Keller überwintern. Genauso wie Fuchsien, Petunien, Stiefmütterchen etc. Warum sollte da irgendwas in den Sack wandern?

    7. Gartencenter-Balkon: Wenn man Glück hat, verirrt sich ein Taubenschwänzchen zu den Geranien. Außerdem landet man manchmal im Gartencenter auch Zufallstreffer: Isländischen Mohn und Löwenmäulchen haben unsere Münchner Hummeln besucht.

    Vielleicht mögen Euch die anderen Insekten persönlich nicht? Ich habe hier diverse Pflanzen aus dem Gartencenter und habe ständig Besuch von Schmetterlingen, Bienen, Hummeln u.v.m.

    8. Gartencenter-Balkon: Kein Vogelfutter.

    Schlicht und einfach unwahr!

    9. Gartencenter-Balkon: Sollten sich Nisthilfen auf einem Geranienbalkon befinden und Insekten ansiedeln, wird man sie nicht beim Sammeln von Pollen und Nektar beobachten können.

    Seufz! Nochmal: Gartencenterblumen sind mitnichten nur Geranien! Der richtige Tipp wäre zu empfehlen eher KEINE gefüllten Blumen zu setzen. Und nichtgefüllt blühende Blumen erhält man zu Hauf auch im Gartencenter!

    10. Gartencenter-Balkon: Im Regelfall werden sowohl die Pflanzen als auch die Erde jedes Jahr erneuert.

    Was unter Umständen – je nach Gefäß und Bepflanzung und verwendeter Erde – sinnvoll sein kann. Auch eine mehrjährige aus der Saat gezogene Akelei freut sich ab und an über neue Erde. Ansonsten ist in meinen Blumenkästen mit den mehrjährigen Gartencenterblumen seit zwei Jahre die gleiche Erde, die mit etwas Kompost und gutem Dinger angereichert wird.

    Das hätte ein netter Artikel werden können, würde hier nicht jemand glauben die Balkonbepflanzung vom Gartencenter stünde alleine für Geranienbalkone. Davon abgesehen kann man sich auch Geranien setzen und dazwischen den Bienenfreund säen.

  4. Danke für die Inspiration! Neulich dachte ich noch, dass eine Blumenmischung nach Wiesenvorbild toll wäre, aber wo man so was ungebeizt wohl her bekäme. Nun weiß ich es. Habe bisher nur allerlei Kräuter und essbare Wildpflanzen auf dem Balkon stationiert. Paar Blumen fehlen noch.

    • Redaktion

      Das freut mich! Über Berichte freue ich mich – was hat gut funkioniert und was nicht. Ich bin gerade mit der Erde, die dieses Jahr bei mir im Test ist, ganz unglücklich. Dazu schreibe ich noch einen Beitrag. Falls es zu deinen Wildblumen auf dem Balkon später einen Blogeintrag gäbe, könnte ich auch darauf verlinken. Mir schwebt da so eine Rubrik vor: Blick auf andere Balkone.

  5. Hallo Katharina Heuberger,
    ich finde Deinen Artikel informativ, vor allem die Gegenüberstellung mit Gartencenter-Pflanzen. Vielen Dank! Ich habe Dich hier verlinkt:
    http://penelopeschreibt.blogspot.com/2017/05/leute-leute-so-viel-zu-tun-ich-habe.html
    Liebe Grüße aus dem Rheinland!
    Penelope

    • Redaktion

      Hallo Penelope, dankeschön fürs Verlinken! Wirst du es auch ausprobieren? Dann würden mich auch Deine Erfahungen interessieren. Falls es dazu später einen Blogeintrag gäbe, könnte ich auch darauf verlinken. Mir schwebt da so eine Rubrik vor: Blick auf andere Balkone. Blumige Grüße von Katharina

  6. Sehr schöner Artikel, ich kann mich allen Punkten voll anschließen. Teile ich total gern.

  7. Pingback: Wildblumen-Balkon

  8. Genial geschrieben, liebe Katharina Heuberger. Vielen Dank. Das poste ich gleich wertschätzend weiter über die http://www.bienenbude.de. Liebe Grüße … Sabine Mairiedl

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