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6 Tipps vom Vogelphilipp: So werden Sie Vogelstimmen-Kenner auf dem Balkon

Vogelstimmenhotline: Tipps für den Balkon

Im Frühling zwitschert und flötet es von Bäumen und Dächern– auch in den Städten. Das Vogelkonzert lässt sich auch auf dem Balkon oder am Fenster genießen. Exklusiv für alle Wilden-Meter-Leserinnen und -Leser, die wissen möchten, wer da singt, gibt es heute sechs Tipps von Vogelkundler Philipp Herrmann, besser bekannt als „Der Vogelphilipp“. Er verrät, wie Sie die Balkonsänger bestimmen und sich einprägen können. Außerdem hat der Experte auch noch extra für die Wilden-Meter-Leser Vogelstimmen-Übungsvideos für die Top 10 der Balkonvögel zusammengestellt. Danke Philipp!

Tipp 1: Nutzen Sie die Vogestimmenhotline im April!

Vogelstimmenhotline
Vogelstimmenhotline: Der Vogelphilipp hört sich alle Aufnahmen persönlich an und bestimmt die Sänger. Foto: Christoph Kolberg

Nachweislich besser als jede App – die Vogelstimmehotline vom Vogelphilipp. Der Ornithologe bestimmt Vogelstimmen, die man ihm als Sprachnachricht per WhatsApp über die Mobilnummer +49 (0)160 4424450 zuschickt. „Hören Sie sich die eigenen Aufnahmen immer wieder an und vergleichen Sie diese dann vielleicht auch noch mit Aufnahmen im Internet – da lernt man am meisten“, rät der Experte, der die Aktion aktuell zum sechsten Mal durchführt. Sie läuft in diesem Jahr vom 1. April bis zum 30. April.

Die Aktion in Kooperation mit dem BUND Naturschutz in Bayern ist kostenlos. Weitere Informationen zu der Vogelstimmenhotline 2021 findet man hier auf der Website im Artikel „Artenkenner werden: Der direkte Draht zum Vogelstimmen-Experten“.

Anm. d. Red.: Mein Mann und ich sowie weitere Familienmitglieder haben mit der Hotline 2020 zu üben begonnen und wir sind alle absolut begeistert, und dieses Jahr wieder dabei!

Tipp 2: Üben Sie mit den Video-Aufnahmen der Top-10-Balkonsänger!

Blaumeise. Vogelstimmenhotline von Philipp Herrmann.
„Die Blaumeise singt mit zwei bis drei hohen Einleitungselementen und anschließend einem tieferen Triller („tii-ti-ti-tirrrr”)“, schreibt der Landesbund für Vogelschutz in Bayern auf seiner Internetseite. Finden Sie das auch sehr abstrakt? Dann klicken Sie am besten ins Blaumeisen-Video vom Vogelphilipp! Foto: Philipp Herrmann

„Es hilft, sich die Stimme eines Vogels einzuprägen, wenn man den Vogel beim Singen sieht“, weiß der Vogelphilipp. Nachdem die Vögel aber oft außer Sichtweite oder vom Laub verdeckt im Baum sitzen, könne man sehr gut mit Videos üben.

Auf seiner Internetseite hat Philipp deshalb Videos speziell für  Vogelstimmenforscher auf dem Balkon zusammengestellt. Die Top-10-Balkonsänger sind (in alphabetischer Reihenfolge): Amsel, Blaumeise, Buchfink, Buntspecht, Grünfink, Hausrotschwanz, Kohlmeise, Mönchsgrasmücke, Rotkehlchen und Zilpzalp.

Alle Übungsvideos auf einen Blick: Die Top 10 der Balkonsänger

Tipp 3: Legen Sie ein Fernglas auf die Fensterbank!

Grundausstattung für Vogelforscher: ein Fernglas
Grundausstattung für Vogelforscher im Wald und auf dem Balkon: ein Fernglas

„Falls Sie ein Fernglas besitzen, legen Sie es in die Nähe des Fensters oder des Balkons!“ So hat man es schnell zur Hand, wenn ein Vogel in der Nähe singt. Herrmann schränkt diese Option allerdings etwas ein: „Das Fernglas könnte evtentuell zu Problemen mit Nachbarn führen, die sich beobachtet fühlen.“ Hier müsse man im Einzelfall abwägen.

[Anm. d. Red.: Auf t-online.de gibt es einen Artikel vom 16. April 2020, der das Verwenden von Ferngläsern juristisch beleuchtet. Prinzipiell sei es unter bestimmten Voraussetzungen kein Problem, ein Fernglas auf dem Balkon zu verwenden. Mehr Informationen: Das sagt der Anwalt: Darf man seine Nachbarn beobachten]

Tipp 4: Üben Sie mit Audio-Aufnahmen mit Anmoderation!

Vogelstimmen erkennen mit dem Vogelphilipp auf dem Balkon
Bei Audio-Aufnahmen von Vogelstimmen ist es wichtig, dass auch der Name angesagt wird. Foto: Carl Schünemann

Philipp Herrmann hat Vogelstimmen bereits als Kind geliebt: Zum Einschlafen hörte er Vogelstimmen-CDs. Mit 15 konnte er alle heimischen Vogelstimmen identifizieren. Er rät: „Wer das Erkennen von Vogelstimmen mit Audio-Aufnahmen per CD oder MP3-Audio-Files trainieren möchte, sollte unbedingt auf den Hinweis ‚mit Anmoderation‘ achten“. Das heißt, bevor man die Vogelstimme hört, wird angesagt, welcher Vogel singt. So müsse man nicht auf einer CD-Hülle oder auf dem Mobiltelefon den Titel der jeweiligen Audiodatei mitlesen.

Wichtig sei auch, dass neben dem Namen nicht zu viele weitere Informationen zum jeweiligen Vogel angesagt werden, wie beispielsweise die Flügelspannweite, der lateinische Name oder Ähnliches. „Wenn man sich einen bestimmten Vogel zum Lernen öfter anhören möchte, dann nervt das irgendwann.“

Tipp 5: Fangen Sie nicht mit den Meisen an!

Die Kohlmeise legt sogar den Vogelphilipp rein.

„Meisen singen so unglaublich variabel, sie eigenen sich nicht für Einsteiger. Gerade die Kohlmeise legt mich auch immer noch rein! Sie macht zum Beispiel auch das „Fink fink“, das eigentlich der Buchfink macht.“ Für Anfänger eigne sich hingegen der Zilpzalp, sagt Herrmann, denn der singt seinen Namen, ähnlich dem Kuckuck.

Auch bei Vogelstimmenwanderungen ist es didaktisch nicht gut, wenn die Kohlmeise singt, berichtet der engagierte Artenkenner. Denn zuhause hören die Teilnehmer dann einen Vogel, der ganz anders singt und das ist dann auch die Kohlmeise. Das ist natürlich frustrierend und man gibt vielleicht zu schnell wieder auf. Wenn man den Zilpzalp bei der ersten Vogelwanderung lernt, ist das super, denn der ist leicht wiederzuerkennen.

Tipp 6: Sie müssen nicht früh aufstehen!

NABU-Vogeluhr
NABU-Vogeluhr für das Projekt „Vogelgesang bestimmen“. Illustration: NABU-Bundesverband

Der Vogelphilipp gibt Entwarnung für Morgenmuffel und Langschläfer: „Man muss nicht um vier Uhr in der Früh aufstehen. Das ist nur der Gesangsbeginn. Die Vögel singen später auch noch. Am Anfang ist es sowieso besser eher mittags rauszugehen, denn da singen weniger Vögel“. Wenn man um sieben Uhr morgens auf den Balkon, in den Park oder in den Wald geht, da werde man als Anfänger wahnsinnig. Gerade im April und Mai.

Viele Vogelstimmen-Einsteiger kennen die Vogeluhr und meinen deshalb, man muss auf den Balkon zu der Uhrzeit raus, wo der Vogel auf der Vogeluhr abgebildet ist. Das sei aber ein prinzipielles Missverständnis. „Die Vogeluhr zeigt, wann der Vogel am Tag anfängt zu singen“, erklärt der Vogelphilipp. Um einen bestimmten Vogel zu hören, müsse man aber nicht zu einer bestimmten Uhrzeit aufstehen.

Außerdem erzeuge die Vogeluhr ein weiteres Missverständnis. „Auf der Vogeluhr sieht man viele Vögel auf einem Haufen, die aber in der Wirklichkeit nicht alle auf einem Haufen sind. Man müsste schon an einem besonderen Platz stehen, dass man die Vögel so nacheinander singen hört, wie sie auf der Vogeluhr abgebildet sind. Die kommen teilweise gar nicht miteinander vor.“ Die Vogeluhr sei aber dennoch eine nette Information. Man sieht, dass manche Vögel sehr früh anfangen und andere später, wie die Menschen auch.

Die interaktive Version der NABU-Vogeluhr mit kurzen Hörproben der Vogelstimmen finden Sie hier: NABU: Die Vogeluhr


Über den „Vogelphilipp“

Philipp Herrmann. © Alexey Testov
Philipp Herrmann. © Alexey Testov

Philipp Herrmann ist Ornithologe, Verhaltensforscher und Artenkenner. Da er sich seit seinem 11. Lebensjahr intensiv mit der Vogelkunde beschäftigt, wird er auch „Vogelphilipp“ genannt. Sein Hauptinteresse gilt den Vogelstimmen. Schon in jungen Jahren hat er sich auf diesem Gebiet umfassende Kenntnisse angeeignet – die Vogelstimmen-CD lief bei ihm sogar zum Einschlafen. Bereits mit 15 konnte er alle heimischen Vogelstimmen identifizieren.

Herrmann hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Nach dem Zivildienst auf der Vogelstation in der Wedeler Marsch bei Hamburg und zahlreichen Praktika im Naturschutz studierte er „Naturschutz und Landschaftsplanung“ an der Hochschule Anhalt in Bernburg. Nach dem Studium verbrachte er ein knappes Jahr in Südengland am Biodiversity Lab der Universität von Bath. Dort forschte er in Projekten zur Biologie von Regenpfeifern auf den Falklandinseln und in Makronesien. Zurück in Deutschland arbeitete er an der Bayerischen Vogelschutzwarte, als freiberuflicher Vogelkartierer und neun Jahre als Gebietsbetreuer für das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz Landshut“. Seit zwei Jahren ist er hauptberuflich an der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Niederbayern tätig und zuständig für „Naturschutz und Digitales“.

Mit dem „Vogelphilipp“, der „Vogelstimmenhotline“ und dem Citizen-Science-Winterprojekt „Landshuter Lachmöwen“ möchte Herrmann die Menschen auf modernen und innovativen Wegen für die Natur begeistern. Im Jahr 2020 war der Vogelphilipp Preisträger im Wettbewerb zur UN-Dekade „Biologische Vielfalt“.

Da ihm die Vermittlung von Artenkenntnis besonders am Herzen liegt, veröffentlichte er außerdem zwei Jahre lang zusammen mit der Journalistin Claudia Hagn und dem Naturfotografen Christoph Sieradzki in der Landshuter Abendzeitung seine wöchentliche Naturkolumne „Wilde Heimat“ über die Tierwelt vor der Haustür. Er lebt mit Frau und Kindern in Landshut.

Mehr Informationen über Philipp Herrmann:
www.dervogelphilipp.de
Der Vogelphilipp auf Facebook
Der Vogelphilipp auf Instagram
Preisträger UN-Dekade Biologische Viefalt

Vogelstimmen kennenlernen:
Informationen zur Vogelstimmen-Hotline 2021
Übungsvideos: Die Top 10 der Balkonsänger


 

Beispiele für Aufnahmen von Balkonsängern auf dem Wilden Meter

Balkonsänger Amsel:
Amsel in München auf dem Dach gegenüber vom Wilden Meter

Balkonsänger Stieglitz:
Stieglitze auf dem Wilden Meter

4 Kommentare zu “6 Tipps vom Vogelphilipp: So werden Sie Vogelstimmen-Kenner auf dem Balkon

  1. Dein Artikel hat das bestätigt, was ich mich schon oft fragte: können die Meisen mehr als „ein“ Lied? Jedes Jahr im Frühling passiert es mir wieder, daß ich denke, DEN Vogel habe ich ja noch nie gehört! Ich sehe mich um und wer ist es? Eine Kohlmeise. Also sind die Vögel tatsächlich kniffliger zu erkennen, als andere. Gut zu wissen! LG vom Balkon

  2. Der Hausrotschwanz setzt sich auf unseren Giebel. Er ist tatsächlich der erste am Morgen. Frohe Ostern! Regula

  3. 18Westend60

    Vielen Dank für diesen bereichernden Artikel! Besonders für mich als absoluter Laie, der noch nicht mal den Gesang von Meise und Spatz auseinanderhalten kann….
    Die Nummer vom Vogel-Philipp hab ich mir auch gleich eingespeichert.

    Besonders motiviert hat mich übrigens, dass ich nicht früh aufstehen muss 🙂

  4. Rotkehlchen

    Toller Beitrag! Gerade jetzt zu dieser Jahreszeit.
    Ich werde einige Tipps gleich beim nächsten Kaffee auf dem Balkon oder im Garten nutzen. 🙂
    Die Übungsvideos sind auch spitze! Danke!

Hinweis: Ich freue mich über alle Kommentare und den Austausch mit Leserinnen und Lesern. Leider verschluckt das System aber die Kommentare manchmal und ich muss diese erst nachträglich online stellen. Ich bitte deshalb um Geduld und Verständnis!