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10 Gründe für einen Wildblumen-Balkon: „Vergessen Sie das Okavango-Delta, gehen Sie auf Ihren Balkon!“

10 Gründe für einen Wildblumen-Balkon - Hummel im Anflug auf Wildblumen

Zum Saisonauftakt: 10 Gründe für einen Wildblumen-Balkon! Zur Inspiration für neue Leser, Abonnenten und Interessierte. Zum Weiterleiten an Bienenfreunde mit Balkon. Zum Wiederlesen für die mit den guten Vorsätzen, die sich noch nicht Aufraffen konnten. Es ist ein Aufruf an alle Balkonbesitzer, die jetzt nur noch auf besseres Wetter warten, bevor sie ins Gartencenter pilgern: Tun Sie es nicht! Es gibt 10 gute Gründe für eine Wildblumenbepflanzung. Und ich verspreche Ihnen: Zur Geranie führt kein Weg zurück!

1. Blütengäste im Frühling, Sommer und Herbst

10 Gründe für einen Wildbienenbalkon: Einheimische Wildpflanzen bieten einheimischen Insekten Pollen und Nektar als Nahrungsquelle.
Wildbiene sammelt Pollen auf einer Kamillenblüte.

Wildblumen-Balkon: Einheimische Wildpflanzen bieten einheimischen Insekten Pollen und Nektar als Nahrungsquelle. Dafür werden die Blüten von den Insekten bestäubt. Man erlebt diese jahrmillionenalte Beziehung direkt vor den eigenen Augen. Auf dem Balkon sind die Tiere viel besser beobachtbar als in einem Garten, wo man sich hinknien muss. Sie fördern mit einem Wildpflanzenbalkon Bienen, Hummeln, Käfer, Fliegen, Schmetterlinge, Vögel und andere Lebewesen, die auf einheimische Pflanzen als Nahrungsquelle angewiesen sind oder auf Tiere, die wiederum auf die Pflanzen angewiesen sind.
Gartencenter-Balkon: Wenn man Glück hat, verirrt sich ein Taubenschwänzchen zu den Geranien. Außerdem landet man manchmal im Gartencenter auch Zufallstreffer: Isländischen Mohn und Löwenmäulchen haben unsere Münchner Hummeln besucht.

2. Winter-Gäste

Stieglitz frisst Skabiosensamen auf dem Wilden Meter.
Stieglitz frisst Skabiosensamen im November.

Wildblumen-Balkon: Die Samenstände mancher Pflanzen bieten unseren Vögeln im Herbst und Winter Nahrung. Die Stieglitze und Grünfinken kommen auch täglich im Juni und Juli, wenn die Kornblumensamen und die Natternkopfsamen reif sind.
Gartencenter-Balkon: Kein Vogelfutter.

3. Safari

Paarung der Rostroten Mauerbiene (Osmia bicornis) auf dem Wilden Meter
Paarung der Rostroten Mauerbiene – im Anflug ein weiterer Interessent

Wildblumen-Balkon: Ihr Balkon wird zum Naturerlebnisraum (siehe die Punkte 1 und 2). Nisthilfen für solitäre Wildbienen und Wespen steigern den Erlebniswert des Wildblumenbalkons noch einmal. Parallel zum Lebenszyklus von Pflanzen beobachtet man die Zyklen dieser nützlichen und liebenswerten wilden Fluginsekten. Spannender als jede TV-Tierdokumentation: Vergessen Sie das Okavango-Delta, gehen Sie auf Safari auf Ihrem Balkon!
Gartencenter-Balkon: Sollten sich Nisthilfen auf einem Geranienbalkon befinden und Insekten ansiedeln, wird man sie nicht beim Sammeln von Pollen und Nektar beobachten können.

4. Balkonsaison

Keimlinge der Wildbienenmischung M12 der Gärtnerei Syringa
Keimlinge der Wildbienenmischung M12 mit einjährigen Pflanzen der Gärtnerei Syringa

Wildblumen-Balkon: Die Begrünung beginnt schon ab Anfang März mit den Aussaaten einjähriger Pflanzen und dem Wachstum der Stauden nach der Winterruhe. Schauen Sie dem Frühling bei seiner Ankunft zu!
Gartencenter-Balkon: Grünes auf dem Balkon erst nach den Eisheiligen ab Mitte Mai.

5. Kälte

Karthäusernelke mit Schnee auf dem Wilden Meter
Karthäusernelke im Schnee

Wildblumen-Balkon: Kälteeinbrüche im Frühjahr und auch der Frost im Winter sind kein Problem, die Pflanzen halten das aus. Die Pflanzgefäße bleiben das ganze Jahr auf dem Balkon.
Gartencenter-Balkon: Empfindliche Pflanzen müssen ins Haus, sonst gehen sie evtl. ein.

6. Naturkunde

Samenstand der Gelben Skabiose auf dem Wilden Meter
Samenstand der Gelben Skabiose

Wildblumen-Balkon: Ein Wildpflanzen-Balkon verändert sich ständig. Man erlebt den ganzen Lebenszyklus der Pflanzen auf Augen- und Nasenhöhe, vom Keimling oder den ersten Trieben bis zur Blüte und der Samenbildung. Das ist Naturkunde aus nächster Nähe.
Gartencenter-Balkon: Man erlebt gar nichts, die Geranie oder Petunie wird einfach nur größer und größer. Ab und zu verblüht eine.

7. Krankheiten und „Schädlinge“

Raupe der Gamma-Eule frisst die Blätter einer Wald-Glockenblume
Raupe der Gamma-Eule frisst den Stängel einer Wald-Glockenblume kahl.

Wildblumen-Balkon: Die Wildpflanzen sind robust und wenig krankheitsanfällig. Raupen, die Blätter futtern, sowie Blattläuse, die an Pflanzen saugen, werden nicht als Schädlinge betrachtet, sondern sind als Teil des kleinen Ökosystems herzlich willkommen. Blattläuse sind wichtige Nahrung für Marienkäfer, Marienkäfer-, Schwebfliegen- oder Florfliegenlarven und andere Insekten.
Gartencenter-Balkon: Geranien, die sind zugegebenermaßen auch extrem robust. Zierpflanzen aus dem Garten-Center werden jedoch in der Regel während ihrer Kultivierung mit einem Cocktail an Pestiziden behandelt, damit sie für den Verkauf so makellos aussehen, wie sie aussehen. Die eingesetzten Stoffe sind schädlich für Insekten, Fische, Säugetiere, Gewässer und Menschen. Mit den Pflanzen holt man sich eine Portion Gift auf den Balkon.

8. Jahreszeiten

Herbstfärbung des Blutweiderichs auf dem Wilden Meter
Herbstfärbung des Blutweiderichs (vorne) und des Wilden Weins

Wildblumen-Balkon: Die einheimischen Wildpflanzen auf dem Balkon entwickeln sich jahreszeitlich wie die natürliche Vegetation im Freiland. Der Gesamteindruck der Bepflanzung verändert sich laufend. Man hat das Gefühl, die Jahreszeiten auch auf dem Balkon mitzuerleben.
Gartencenter-Balkon: Die Blumen wachsen, aber die Gesamtoptik verändert sich nicht jahreszeitentypisch. Zuerst sind die Geranien klein, dann groß, am Ende sind sie sehr groß und landen im schwarzen Sack.

9. Das ganze Leben

Samenstand des Berglauchs, Sorte Glaucum
Samenstände des Berglauchs

Wildblumen-Balkon: Die trockenen Stängel, Blätter und Samenstände im Herbst und Winter sind schöne Naturobjekte, kleine Skulpturen und ebenfalls lehrreich: Das Vergehen gehört in der Natur dazu, auch auf dem Balkon.
Gartencenter-Balkon: Die Gartencenterblumen spiegeln den Jugendwahn unserer Gesellschaft, die Blumen sollen ewig bunt sein, nicht altern und braun werden. Im Herbst werden sie dann in den Sack gesteckt, da haben sie ausgedient.

10. Geld

Kostengünstig: Stauden und Kletterpflanzen gedeihen über mehrere Jahre in ihrem Topf
Dauerhafte und genügsame Topfbewohner: Karthäusernelke und Felsennelke

Wildblumen-Balkon: Kostengünstig: Stauden und Kletterpflanzen gedeihen über mehrere Jahre in ihrem Topf; die Kosten für Saatgut für die kleine Fläche sind gering; die Erde muss auch nicht jedes Jahr erneuert werden.
Gartencenter-Balkon: Im Regelfall werden sowohl die Pflanzen als auch die Erde jedes Jahr erneuert.



Tipp in Corona-Zeiten:
Die Wildstauden-Gärtnereien schicken die Pflanzen nach Hause. Links zu Pflanzpaketen für den Balkon findet man hier >> Wildpflanzen kaufen

Sie wollen gleich loslegen?

Hier sind die drei wichtigsten Artikel auf dieser Website für den Start in ein glückliches und blütenreiches Leben als Wildpflanzen-Balkongärtner, Wildbienen-Forscher und Blattlaus-Freund:

1) Im Bereich „Ratgeber“ auf diesem Blog finden Sie hilfreiche Links zu Websites mit Adressen für die Beschaffung von Wildpflanzen, Saatgut, Nisthilfen und Erde.
Zum Bereich „Ratgeber“

2) Die wichtigsten Gärtner-Tipps für Ihren Naturbalkon – ein Interview mit Wildstaudengärtner Friedhelm Strickler

3) Stauden richtig einpflanzen – eine Anleitung der Wildstaudengärtnerin Susanne Behmenburg


Anmerkung der Redaktion: Den Artikel mit den 10 Gründen für einen Wildblumen-Balkon versende ich leicht überarbeitet und aktualisiert immer am Anfang der Saison.

2 Kommentare zu “10 Gründe für einen Wildblumen-Balkon: „Vergessen Sie das Okavango-Delta, gehen Sie auf Ihren Balkon!“

  1. Wundervoller Beitrag, vielen Dank!

  2. Oh, wie wunderbar, diese Auflistung ist spitze! Lieben Dank dafür 🌸

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