Vormittag einer Zebra-Springspinne

Diese kleine Zebra-Springspinne (Salticus scenicus) lebt auf meinem Balkon. Gestern, an einem außergewöhnlich warmen Oktobertag – das Thermometer auf dem Wilden Meter zeigte 26 Grad im Schatten – konnte ich sie beim Sonnen und Jagen beobachten und fotografieren. Noch unter dem Eindruck der Oktoberfestatmosphäre in München habe ich sie Zenzi getauft. Zenzi ist ein super Haustier. Sie fängt meine Blattläuse!

Die Zenzi war 2005 die erste Spinne des Jahres der Arachnologischen Gesellschaft und hat deshalb auch eine ausführliche Seite mit Bildern im Forum „Arages“. Da konnte ich auch eindeutig sehen, dass es eine Zenzi und kein Sepp ist. Außerdem taucht sie auf der Liste „Hausspinnen“ in der Rubrik „Gelegentliche Hausgäste und Fassadenspinnen“auf, mit der Erklärung: „Eine große Zahl von Spinnenarten nutzt das mildere Mikroklima an Hauswänden, Fensterrahmen und begrünten Fassaden und wandert von dort regelmäßig in Wohnungen ein. Viele dieser Arten sind im Freiland Bewohner von Felsspalten und Baumrinde. […] Im Siedlungsbereich an Hauswänden, Zäunen und Mauern. Die Art ist dort meist leicht zu finden.“

Alles, was ich in dem Porträt über den Beutefang der Zebra-Springspinne gelesen habe, passte so hervorragend zu dem, was ich beobachet habe, dass ich den Text als Untertitel unter den Bilder verteilt habe. Los geht’s!

Gestern Vormittag, 9:30 Uhr: Die Sonne scheint warm auf meine Ackerglockenblume. Ich entdecke eine dieser niedlichen Zebra-Springspinnen auf einem Blatt: nur fünf Millimeter groß, auffallend gestreifter Zebralook, plüschige „Pedipalpen“, was etwa übersetzt „Fußtaster“ heißt, und die springspinnentypischen großen Front-Kulleraugen. Ich freue mich über das Treffen, denn es ist ja schon recht ruhig geworden auf dem Wilden Meter zu der Jahreszeit, und nehme mir die Zeit, Zenzi ein bisschen zu beobachten. Sie krabbelt, klettert und springt auf der Ackerglockenblume hin und her. Zenzi ist auf Jagd. Schnell hole ich meinen Fotoapparat.

Salticus scenicus kann oft dabei beobachtet werden, wie sie im prallen Sonnenschein an warmen Hauswänden aktiv nach Beute sucht (Roberts M. J. 1995)
Salticus scenicus kann oft dabei beobachtet werden, wie sie im prallen Sonnenschein an warmen Hauswänden aktiv nach Beute sucht (Roberts M. J. 1995)
Nimmt sie ein potentielles Beutetier mithilfe ihrer leistungsfähigen Augen wahr ...
Nimmt sie ein potentielles Beutetier mithilfe ihrer leistungsfähigen Augen wahr …

 

... pirscht sie sich ...
… pirscht sie sich …

 

... auf kurze Distanz heran ...
… auf kurze Distanz heran …

 

 

.. und ergreift es mithilfe eines kurzen Sprungs, der durch hydraulische Streckung des dritten und vierten Beinpaares erfolgt.
.. und ergreift es mithilfe eines kurzen Sprungs. der durch hydraulische Streckung des dritten und vierten Beinpaares erfolgt. Dabei werden die Beine durch eine plötzliche Erhöhung des Hämolymphdruckes, nicht durch Muskelanspannung, ruckartig ausgestreckt. (Foelix R. F. 1996) […] Während des Sprunges ist sie durch einen Sicherheitsfaden mit dem Untergrund verbunden. Die Beute wird anschließend so lange mit den Chelizeren festgehalten, bis die Lähmung eintritt. Danach wird sie ausgesaugt, so dass nur eine leere Hülle zurückbleibt.

Nach dem kleinen Frühstück saß Zenzi erst mal wieder in der Sonne, die überlebenden Blattläuse weiter am abgeknickten Stängel des Kugellauchs (siehe Foto) und ich im Büro. Den Sicherheitsfaden habe ich nicht gesehen, aber auf einem Bild sieht man, dass sie ihr Hinterteil aufs Blatt drückt. Das könnte der Moment sein, wo sie den „Sicherungsknoten“ mit der Spinndrüse auf dem Blatt verankert.

Zenzi ist übrigens nicht nur effizient bei der Blattlausbekämpfung, sondern auch voll ökologisch und kostengünstig. Sie hat ihr Gift genau in der richtigen Dosis für so eine kleine Blattlaus selbst dabei, versprüht es also nicht flächendeckend auf die arme Pflanze und bringt dabei auch noch andere Balkonbewohner um. Auf dem Anti-Blattlausgift von „Compo Triathlon Universal insektenfrei“ hingegen steht zum Beispiel:

  • Giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung
  • Enthält Substanzen, die allergische Reaktionen hervorrufen können.
  • Zur Vermeidung von Risiken für Mensch und Umwelt die Gebrauchsanleitung einhalten
  • Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Davor gruselt sich der Mensch erstaunlicherweise nicht, wenn er mit Kanonen auf Spatzen schießt, vor der kleinen Spinne aber schon.

Ich habe Zenzi versprochen, dass ich diesen kleinen Sympahtiewerbungsartikel für sie schreibe. Denn Zenzi überlebt die Compo-Attacke vermutlich auch nicht, wenn sie sich gerade auf der Ackerglockenblume auf die Lauer legt. Legen Sie Ihre Blattläuse also vertrauensvoll in die Pedipalpen von Zenzi und freuen Sie sich, wenn Sie bei Ihnen wohnt!


Quelle für den Text, der als wörtliches Zitat portionsweise unter den Bildern steht:
Zebraspringspinne im Spinnenforum der Arachnologischen Gesellschaft e. V. , Absatz „Beutefang“

Aus unerfindlichen Gründen funktioniert die Verlinkung nicht, aber wenn man den Link kopiert, dann funktioniert es: http://wiki.arages.de/index.php?title=Salticus_scenicus

Hier noch der Link zu den Hausspinnen:
https://wiki.arages.de/index.php?title=Hausspinnen


Kurzes wissenschftliches Arten-Porträt auf der Website „Naturspaziergang“ von Andreas Haselböck: Salticus scenicus / Zebra-Springspinne

Ein weiteres, sehr schönes Artenporträt der Zebraspringspinne auf der Website www.natur-lexikon.com


Video-Empfehlung: Die Zebra-Springspinne – ein entspanntes Artporträt

Ein Beitrag von Werner David, dem Naturbalkonbesitzer, Naturgarten-Buchautor, Blogger und YouTuber. Dieser Beitrag ist aber eigentlich eine Lesung aus einem seiner Bücher, also eher ein Podcast. 10 Minuten aus dem und über das Leben der Zebraspringspinne – humorvoll und kurzweilig wie immer.

 

2 Kommentare zu “Vormittag einer Zebra-Springspinne

  1. Sehr hübsches Tier. Man sollte es tatsächlich mal zum Helden eines Kinderbuches machen. Zenzi die Zebraspringspinne. Sehr sympathisch auch die Sache mit dem Sicherungsfaden.

  2. Dieser besonders persönliche Beitrag über Zenzi – sehr sympathisch – gefällt mir sehr gut 🙂 Erstaunlich, was diese kleinen Spinnen so alles können. Mir kommt sie gar nicht so winzig vor, 5mm, wow! Die Zebraspringspinnen sind besonders schön finde ich. Und ja, deine Vergleiche sind absolut zutreffend. Die schlimmsten Gifte werden hemmungslos versprüht, aber kleine, harmlose Spinnen und andere Insekten werden mal eben gekillt wegen „Igittigitt! Umso wichtiger, die kleinsten Tierchen dem Publikum näher zu bringen. Was man erst mal kennt, tötet man nicht mehr so schnell. Eine schöne Foto-Love-Story 🙂

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