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Mitmachaktion: Dawn Chorus – bis 31. Mai verlängert

Dawn Chorus

Vor Sonnenaufgang singen viele Vogelarten am lautesten: Auf der Wiese, im Wald, aber auch mitten in der Stadt, im Garten, auf dem Balkon oder vor dem Fenster. Das Münchner Naturkundemuseum Biotopia und die Stiftung Nantesbuch rufen aktuell Menschen in aller Welt dazu auf, das morgendliche Vogelkonzert aufzunehmen und für das Citizen Science-Projekt Dawn Chorus auf eine Website hochzuladen. Die Mitmachaktion läuft bis zum 31. Mai.

Die Vogelstimmen können einfach mit dem Mobiltelefon vom eigenen Fenster aus, auf dem Balkon, im eigenen Garten, in der Stadt oder in der freien Natur aufgenommen werden. Jeder ist eingeladen hinzuhören und mitzumachen.

Auf der Dawn-Chorus-Website werden die Aufnahmen in einer globalen Soundmap zusammengeführt. Die Datensammlung soll jährlich wachsen, um so Erkenntnisse über die Biodiversitätsentwicklung zu liefern. Sie wird in Kooperation mit der Max Planck-Gesellschaft ausgewertet.

“Mit dem Citizen Science-Projekt Dawn Chorus möchten wir das Bewusstsein für die bedrohte Artenvielfalt stärken sowie den Naturbezug der Menschen fördern, indem wir sie dazu einladen, der uns umgebenden Natur zu lauschen und an einem mehrjähriges Forschungsprojekt rund um das bemerkenswerte Alltagsphänomen des morgendlichen Vogelkonzerts mitzuwirken“, erläutert Michael John Gorman, Gründungsdirektor des Biotopia-Naturkundemuseums Bayern.

Über die Dawn-Chorus-Website lassen sich diese Erlebnisse mit Menschen auf der ganzen Welt teilen. Zugleich leisten die Teilnehmer mit ihren lokalen Tonaufnahmen einen persönlichen Beitrag zu einem wissenschaftlichen Datensammlungsvorhaben und werden Teil eines weltumspannenden künstlerischen Projekts.

Die erste konzentrierte Sammelphase von Audio-Daten wurde aufgrund des großen Erfolgs nun bis zum 31. Mai 2020 verlängert. Das gemeinschaftliche Sammeln von Vogelstimmen soll künftig jedes Jahr im gleichen Zeitraum wiederholt werden.

Zur Projekt-Website: www.dawn-chorus.org

Dawn Chorus auf instagram
@dawnchorus_stopandlisten
#DawnChorus2020

Quelle: Pressemeldung des Biotopia-Naturkundemuseums Bayern vom 24. April 2020
Titelbild: Jan Haft, Nautilusfilm


Soundscaping als Inspiration

 Bernie Krause, Soundscaping Pioneer
Soundscaping Pionier Bernie Krause mit Mitarbeitern beim Soundscaping in Nantesbuch. Foto: Thomas Dashuber

„Soundscaping“ bezeichnet zunächst die Dokumentation von Naturlauten. Mit dieser Methode lassen sich erstaunliche Erkenntnisse über die Biodiversität eines Lebensraumes gewinnen, die über das bloße Auge weit hinaus gehen. Einer der Väter dieser akustischen Annäherung an die Natur ist der amerikanische Musiker (“The Doors”, Frank Zappa, George Harrison, “The Weavers”) und Bioakustiker Bernie Krause, geboren 1938 in Detroit.

Er begann 1975 mit dem Sammeln von Field Recordings auf der ganzen Welt: Der Abbildung von Natur-Habitaten mit akustischen Aufnahmen. Die Gesamtheit von Lauten aus bestimmten Lebensräumen lässt erstaunliche Rückschlüsse auf deren Zustand zu. Aus den Veränderungen des Klangbilds über die Zeit lassen sich Erkenntnisse über die Diversitätsentwicklung ziehen. Vielerorts lassen die Aufnahmenwiederholungen einen drastischen Verlust an Artenvielfalt erkennen: Mit dem Vordringen der Zivilisation verstummen die Naturklänge mehr und mehr.

“Eine gesunde Landschaft erkennt man am besten mit den Ohren.” Bernie Krause, Soundscaping Pionier

Soundscaping verarbeitet die Töne gemeinsam mit deren grafischer Darstellung zu ganz neuen Naturdarstellungen. Aus Krauses Ideen hat sich zwischenzeitlich ein ganze Szene an der Grenze von Naturwissenschaft und Kunst entwickelt. Krause selbst hat er es sich heute zur wichtigsten Aufgabe gemacht, mit seiner Arbeit auf dieses durch Menschen verursachte Verschwinden von Artenvielfalt aufmerksam zu machen.

Um seinem Appell noch mehr Deutlichkeit zu verleihen, sucht er heute über die Zusammenarbeit mit Bio-Akustikern in aller Welt hinaus den Kontakt zur Kunst. „Über die Kunst können wir unsere Botschaft einem breiten Publikum zugänglich machen.“

Hintergrundinformation: Vögel als singende Botschafter der Artenvielfalt

Die Welt der Vögel sticht aus den Klanglandschaften hervor und eignet sich deshalb besonders für die bioakustische Forschung und das Soundscaping. Gleichzeitig sind Vögel wichtige Biodiversitätsindikatoren. Keine andere Tiergruppe wird global so stark erforscht und spiegelt so genau den „Gesundheitszustand“ eines Habitats, also den Zustand auch der anderen in einem Ökosystem vorkommenden Arten, wider wie die Vögel.

Die Erde befindet sich in einer Biodiversitätskrise gewaltigen Ausmaßes. Wissenschaftler bezeichnen sie als das 6. Massenaussterben-Ereignis der Erdgeschichte. Durch den Menschen verursacht sterben jedes Jahr 100-1000 mal mehr Arten aus als unter natürlichen Bedingungen. Die Landwirbeltierbestände, also Vogelbestände eingeschlossen, sind seit 1970 um 60 Prozent zurückgegangen.

Die Vögel sind davon besonders betroffen: 13 Prozent der ca. 11.000 bekannten Vogelarten weltweit sind vom Aussterben bedroht und die Bestände gehen gerade in Deutschland und Europa so massiv zurück, dass man von einem alarmierenden Vogelschwund spricht. Im Morgenkonzert, so schön es auch immer noch klingen mag, schlägt sich dies nieder. Diese Entwicklungen will das Dawn-Chorus-Projekt untersuchen, dokumentieren und für den Artenschutz nutzbar machen.

Über das Biotopia-Naturkundemuseum Bayern

Biotopia ist ein neues Museum des Freistaates Bayern für Biowissenschaften und Umwelt, das in München neben dem Schloss Nymphenburg entsteht. Mehr Informationen: www.biotopia.net

Über die Stiftung Nantesbuch

Die Stiftung Nantesbuch bietet Räume und interdisziplinäre Programme für die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur sowie Natur und Landschaft. Die Kultureinrichtung wurde 2012 von der Unternehmerin Susanne Klatten gegründet. Mehr Informationen: www.stiftung-nantesbuch.de

1 Kommentar zu “Mitmachaktion: Dawn Chorus – bis 31. Mai verlängert

  1. Das ist ja eine tolle Sache! Ich würde gerne ältere Aufnahmen hören, als die Vogelwelt noch etwas mehr in Ordnung war, so zum Vergleich. Man kann sich das gar nicht richtig vorstellen, wie sich dieser Schwund anhört! Ich werde mir das gleich mal näher ansehen. Danke für den Tip! Die Zahlen sind wirklich dramatisch. Es muß sich endlich etwas tun.

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