Balkonbesuche Wilde Tiere Wildpflanzen

Balkonbesuch: Bei Alessandro in Kropp

Als ich Alessandros schönen Naturbalkon auf Instagram entdeckte, war ich sofort begeistert und bot ihm an, sein Balkonprojekt auf der Wilden-Meter-Website vorzustellen. Ich wusste nicht, dass er sich bei dem diesjährigen bundesweiten Wettbewerb „Wir tun was für Bienen“ der Initiative „Deutschland summt“ in der Kategorie Balkone angemeldet hatte. Sein Motto lautete: „Meine Balkon-Wiesion“. Vergangenen Samstag wurde er nun für seine insektenfreundliche Balkongestaltung mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. Ich gratuliere ganz herzlich und hoffe, dass sich viele Leserinnen und Leser zu weiteren Wiesionen inspirieren lassen.

„Mein Name ist Alessandro, ich bin 37 Jahre alt und in Bern in der Schweiz aufgewachsen. Aus privaten Gründen bin ich 2013 nach Berlin gezogen. Dort habe ich meinen jetzigen Ehemann kennen gelernt. Wir hatten eine tolle Zeit in Berlin, doch uns zog es immer mehr raus aus der Stadt. Wir haben kurzerhand beschlossen, nach Kropp in Schleswig-Holstein zu ziehen, wo mein Mann aufgewachsen ist.

Ich war schon von klein auf sehr naturverbunden. Als Kind erzählte mein Großvater mir immer echte „tierische“ Geschichten aus dem Wald und den Wiesen. Ich fand das total spannend und daraus entstand meine Faszination. Leider ist er viel zu früh verstorben.

Auch die Japanischen Seidenhühner unserer Nachbarin habe ich als Kind gerne besucht.

Wildblumen und Wildtiere wie Vögel und Insekten, und vor allem Wildbienen, haben es mir besonders angetan. Selbst als wir eine Zeitlang in der Stadt gelebt haben, habe ich mich immer intensiv mit den Pflanzen und Tieren in meiner Umgebung befasst. In Berlin habe ich die Flora und Fauna in den Grünanlagen, Parks, Wäldern und Wiesen erforscht.

Im Frühling 2017 fing ich an, unseren Balkon wildtier- und insektenfreundlich zu gestalten. Auf einem schmalen Fensterbrett habe ich angefangen, Wildvögel zu füttern. Die ersten Gäste ließen nicht lange auf sich warten. Die Begeisterung war riesengroß. Ich brachte kurze Zeit später einen Nistkasten am Balkon an. Der wurde noch in der selben Woche von Blaumeisen angenommen, die darin erfolgreich gebrütet haben. Es kamen immer mehr Arten zu der Futterstelle. Selbst mein Ehemann, der am Anfang noch skeptisch war, fing an, die Vögel und Insekten zu beobachten. Ich siedelte auf dem Balkon die ersten Wildblumen an. Langsam aber sicher kam das komplette Umdenken. Nach und nach habe ich mich zu der Thematik ausprobiert.

Ein wilder Balkongarten entsteht

Im Frühling 2020 war es dann soweit und der große Umzug stand bevor. Wir zogen in den ersten Stock eines Vierparteien-Hauses am Dorfrand von Kropp in Schleswig-Holstein. Ich weiß noch, wie ich das erste mal auf dem leeren Balkon stand und mir dachte: “So, jetzt aber richtig wild!“

Der leere Balkon – hier entstand die „Wiesion“

Das Einzige, was schon toll war an diesem Balkon, war die Aussicht. Mit dem Blick auf einen dicht bewachsenen Knick (auch Wallhecke gennant, typisch für die Gegend) mit allerlei verschiedenen Baumarten. Darin tummeln sich Wildvögel und Eichhörnchen.

Der Balkon mit Ausrichtung nach Osten hat sieben Quadratmeter. Es gibt sowohl sonnige als auch halbschattige und schattige Bereiche. Die Sonnen-Stunden sind von 9-14 Uhr.

Diese Punkte waren mir wichtig für die Gestaltung des neuen wilden Balkons:

  • heimische Stauden
  • insektenfreundlich
  • wildtierfreundlich
  • vielfältig
  • diverse Strukturen
  • nicht zu viel Gewicht
  • auch für uns Menschen eine Ecke

Auf sieben Quadratmetern war das eine ziemliche Herausforderung. Ich musste zum Beispiel einberechnen, dass der Balkon freischwebend und ohne Stützen ist.

Im Frühling 2022 habe ich mit der Gestaltung des neuen Balkons angefangen. Als erstes hab ich einen Sichtschutz aus Weide am gesamten Balkongeländer angebracht. Links und rechts einen etwas höheren Sicht- und Windschutz aus Holz. Entlang der Brüstung im oberen Bereich habe ich hängende Kästen angebracht, leider eine Variante aus Kunststoff. Eigentlich wollte ich Kunststoff vermeiden, aber ich musste ja auf das Gewicht achten.

In den Zwischenräumen der Kästen habe ich Halterungen für Töpfe angebracht. So konnte ich die Lücken schließen. Bei allen bepflanzten Kästen kann das Wasser abfließen (Drainage). Im unteren Teil des Geländers habe ich entlang der Brüstung einige lange, schmale Kunststoff-Kästen für Schattenbereiche eingerichtet, diese hauptsächlich mit Farn, Efeu und Moos bepflanzt und mit Totholz bestückt.

Balkon von innen mit Aussicht auf den Knick. Der kleine Birnbaum kommt nächstes Jahr in einen Naturgarten.
Farn
Farne gedeihen im vollschattigen Bereich auf dem Balkon.
Altes Obstbaumholz als Totholz. An den Löchern sieht man, dass es bereits von Insekten genutzt wird. Leider habe ich noch nicht gesehen, wer da wohnt, aber vermutlich Käferlarven. Ich habe drei solche Holzblöcke und mehrere kleine im Efeu und Farn versteckt.

Links an dem sonnigen Sichtschutz habe ich diverse Nisthilfen angebracht. Die ersten Brummer ließen nicht lange auf sich warten und einige Nisthilfen wurde direkt von Mauerbienen besiedelt. Später kamen andere Wildbienenarten dazu.

Links: Vertikale Ebene mit Nisthilfen für Wildbienen, direkt darunter ein Blühstreifen. Pflanzen: Gemeiner Efeu (Hedera helix), Färberkamille (Anthemis tinctoria), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Gänseblümchen (Bellis perennis). Rechts: Röhrchen einer Nisthilfe mit einem Mauerbienen-Männchen

Am rechten Sichtschutz lasse ich eine Waldrebe hochwachsen. Außerdem habe ich einen Halbhöhlen-Nistkasten für Vögel in einer Ecke direkt unter einem Blumenkasten versteckt. Es kommt regelmäßig ein Rotkehlchen zu Besuch und ich habe die Hoffnung, dass es die Nistmöglichkeit findet. Bis jetzt leider noch nicht. Zudem habe ich diverse ganzjährige Futterstellen und Nistkästen gegenüber vom Balkon an den Bäumen im Knick angebracht – aus Rücksicht auf unseren Nachbarn, der seine Terrasse direkt unter dem Balkon hat.

Begrünung der dritten Dimension: Die Clematis rankt am Sichtschutz hoch.
Nistkasten
Dieser Nistkasten ist für das freche Rotkehlchen gedacht.

Ein großer Rosmarinbusch, den wir schon viele Jahre im Topf haben, durfte mit auf den Balkon, obwohl er nicht heimisch ist. Die Wildbienen mögen ihn und wir auch. Ich habe mit meinem Mann auch Kompromisse gemacht: Er darf zum Beispiel auch seine geliebten Hortensien behalten. Die sind jetzt zusammen mit meinen Kräutern und seinem Lavendel im Eingangsbereich vor der Haustüre. Mein geliebter großen Buddha musste auch mit auf den Balkon. Der Rosmarin in die eine und der Buddha in die andere Ecke. So haben auch ältere Elemente ihren Platz gefunden.

Ich habe auch angefangen, dieses Jahr einen kleinen Birnenbaum und einen kleinen Kirschbaum auf dem Balkon zu ziehen. Die kommen aber nächstes Jahr in den Naturgarten, um den ich mich kümmere.

Wilde Ecke am Boden: Der alte Rosmarin (Salvia rosmarinus), Wald-Frauenfarn (Athyrium filix-femina), Gemeiner Efeu (Hedera helix), Gelber Fingerhut (Digitalis lutea), Polster Glockenblume (Campanula portenschlagiana), Gewöhnliche Wiesen-Schafgarbe (Achillea millefolium) und Duftveilchen (Viola odorata). Das Vogelbad dient auch gleichzeitig als Insektentränke.
Um den Buddha herum gedeiht eine wilde Ecke mit Farn, Moos, Efeu und Totholz. Zahlreiche Spinnen, Tausendfüßler, Asseln, Nacktschnecken, Schnegel, Käfer, Falter und viele andere Kleinlebewesen wurden bereits gesichtet.
Auch eine Ecke für mich und meinen Mann habe ich eingeplant.

Rezept für Blumenerde

Für die Wildstauden habe ich meine eigene Erdmischung zusammengemischt. Die Mischung besteht aus:

  • 1/3 ungewaschenem Sand
  • 1/3 torffreie Bio-Erde
  • 1/3 Gartenerde (aus dem Garten meiner Schwiegereltern)

Zudem habe ich jeweils eine Handvoll Komposterde und feuchtigkeitsspeicherndes Bio-Pflanzgranulat, das Feuchtigkeit speichert, dazu gemischt.

Meine Pflanzen

Das Wiesen-Schaumkraut (Cardamine  pratensis) ist eine der ersten Stauden, die zusammen mit den Frühlingsblühern anfangen zu blühen.
Ende Juli und der wilde Balkon blüht in voller Pracht.
Ende Juli und der wilde Balkon blüht in voller Pracht.

Generell bin ich ein Sammler. Auf meinen unzähligen Erkundungen sammle ich gerne mal Saatgut oder nehme mir Ableger mit. Natürlich nur bei reichlichem Vorkommen. Gerne tausche ich auch in meiner Community Saatgut aus. Bei dem Online-Anbieter Olerum habe ich die Stauden bestellt, die ich nirgends sonst gefunden habe. Auch eine tolle echt heimische Saatgut-Mischung für den Bereich Nord habe ich dort erhalten.

Die bestellten heimischen Wildstauden bei Olerum kamen im Frühling 2022 rechtzeitig an und ich habe sie direkt in die oberen Kästen gepflanzt, zusammen mit diversen Frühblühern. Alles ist gut angewachsen.

Pflanzenliste:

  • Acker-Witwenblume (Knautia arvensis)
  • Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare)
  • Wilde Karde (Dipsacus fullonum)
  • Wiesensalbei (Salvia pratensis)
  • Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus)
  • Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea)
  • Weiße Lichtnelke (Silene latifolia)
  • Rote Lichtnelke (Silene dioica)
  • Echte Betonie (Betonica officinalis)
  • Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata)
  • Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)
  • Wilde Möhre (Daucus carota subsp. carota)
  • Moschus-Malve (Malva moschata)
  • Echtes Labkraut (Galium verum)
  • Echtes Leinkraut (Linaria vulgaris)
  • Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare)
  • Färberkamille (Anthemis tinctoria)
  • Acker-Hundskamille (Anthemis arvensis)
  • Kornblume (Centaurea cyanus)
  • Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis)
  • Gewöhnliche Wiesen-Schafgarbe (Achillea millefolium)
  • Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium)
  • Polster Glockenblume (Campanula portenschlagiana)
  • Duftveilchen (Viola odorata)
  • Kleine Braunelle (Prunella vulgaris)
  • Orangerotes Habichtskraut (Hieracium aurantiacum)
  • Gewöhnliche Wegwarte (Cichorium intybus)
  • Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochaeris radicata)
  • Breitblättrige Platterbse (Lathyrus latifolius)
  • Gänseblümchen (Bellis perennis)
  • Gelbe Skabiose (Scabiosa ochroleuca)
  • Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria)
  • Wald-Frauenfarn (Athyrium filix-femina)
  • Gemeiner Efeu (Hedera helix)
  • Gelber Fingerhut (Digitalis lutea)
  • Waldrebe (Clematis)
  • Rosmarin (Salvia rosmarinus)
  • Echter Lavendel (Lavandula angustifolia)
Ende Juli erinnert der Balkon an eine artenreiche Wiese.

Frühblüher:

  • Frühlings-Krokus (Crocus vernus)
  • Gewöhnliches Schneeglöckchen (Galanthus nivalis)
  • Weinbergs-Traubenhyazinthe (Muscari neglectum)
  • Gelbe Narzisse (Narcissus pseudonarcissus)
  • Gartenhyazinthe (Hyacinthus orientalis)
  • Sibirischer Blaustern (Scilla siberica)
Ende März 2022: Erdhummel steuert eine Weinbergs-Traubenhyazinthe (Muscari neglectum) an. Eine Honigbiene im Hintergrund hat es eilig.
Ende März 2022: Erdhummel steuert eine Weinbergs-Traubenhyazinthe (Muscari neglectum) an. Eine Honigbiene im Hintergrund hat es eilig.

Nisthilfen und Totholz auf dem Balkon:

  • 1 Kugel mit Nistmaterial zum Selberzupfen
  • 1 Halbhöhlen-Nistkasten
  • 1 Meisenkasten
  • 6 Nisthilfen für röhrenbrütende Wildbienen (gekaufte, aber auch selber gemachte)
  • einige Totholz Elemente

Wasserstellen:

Was auf einem Naturbalkon nicht fehlen darf, sind Vogelbäder und Insektentränken. Meinen Miniteich (Zinkwanne), den ich schon hatte, konnte ich wegen des Gewichts leider auch nicht auf dem Balkon platzieren. Ich habe unten neben unserem Carport einen Platz gefunden. Dieses Jahr ist ein Grasfrosch eingezogen als hätte er drauf gewartet. Ich schaue jeden Tag nach ihm und er scheint sich wohl zu fühlen. Ein Sandarium im Kübel direkt daneben habe ich für nächstes Jahr geplant.

Blüten- und Balkongäste

Wiesenhummel im Anflug auf eine Acker-Witwenblume (Knautia arvensis)

Es ist einfach herrlich, wie es hier summt, brummt und flattert. Wir hatten schon viele tierische Besucher, und es kommen immer mehr Arten dazu. Vor allem Insekten und Vögel. Wenn man bedenkt, wie steril es hier vorher war, ist das ein voller Erfolg.

Ich bestimme meine Balkongäste mit Apps, zum Beispiel mit der App ObsIdentify (gleichzeitig ein Register für Biologen) und Büchern und kenne inzwischen schon viele Arten sehr gut. Einige Buchtipps von mir: „Käfer Mittel- und Nordwesteuropas. Ein Bestimmungsbuch für Biologen und Naturfreunde“ von Jiri Zahradnik (das liebe ich), der Kosmos Schmetterlingsführer „Schmetterlinge, Raupen und Nahrungspflanzen“ von Heiko Bellmann und „Die Wildbienen Deutschlands“ von Paul Westrich (leider etwas teuer).

Meine Besucher: Honigbiene, Rostrote Mauerbiene, Gehörnte Mauerbiene, Glockenblumen-Sägehornbiene, Hosenbiene, Furchenbiene, Löcherbiene, Zottelbiene, Pelzbiene, Schmalbiene, Blattschneiderbiene, Maskenbiene, Zweifarbige Sandbiene, Ackerhummel, Gartenhummel, Erdhummel, Steinhummel, Wiesenhummel, Baumhummel, Schwalbenschwanz, Tagpfauenauge, Admiral, Feuerfalter, Zitronenfalter, Kleines Ochsenauge, Hauhechel-Bläuling, Kohlweißling, Großer Kohlweißling, Kleiner Fuchs, Hausmutter, Waldbrettspiel, Dickkopffalter, Pflanzenwespe, Hornisse, Wespe, Blaue Goldwespe, Grabwespe, Bienenwolf, Feldwespe, Pelzmotte, Marienkäfer, Minzkäfer, Schmalkäfer , Rothalsbock, Schmalbock, Gartenlaubkäfer, Streifwanze, Stinkwanze, Dickmaulrüssler, Zweifleckiger Zipfelkäfer, Himmelblauer Blattkäfer, Weichkäfer, Libelle, Schwebfliege, Hainschwebfliege, Mistbiene, Gemeine Waldschwebefliege, Schmeißfliege, Grüne Fliege, Schnake, Stechmücke, Kriebelmücken, Grünes Heupferd, Kreuzspinne, Hauswinkelspinne, Springspinne, Weberknecht, Kellerassel, Tausendfüßler, Nacktschnecken, Tigerschnegel, Regenwurm, Amsel, Feldsperling, Rotkehlchen, Kohlmeise, Blaumeise, Weidenmeise, Tannenmeise, Zaunkönig, Stieglitz, Ringeltaube, Grünfink, Star, Elster, Rabenkrähe, Sperber, Buchfink, Bergfink, Bachstelze, Hausrotschwanz.

Der erste Sommer auf dem Balkon war ein voller Erfolg. Alle Stauden sind gut angewachsen, alles was blühen kann, blühte. Es ist einfach herrlich dieser bunte und friedvolle Anblick. Es fühlt sich auf dem Balkon an, als würde man in einer Wiese stehen. Es ist an der Tagesordnung, dass Insekten und Vögel vorbeischauen.

Die fast zame Amseldame Gisela, wie ich Sie liebevoll nenne, holt sich jeden Morgen ihre Haferflocken ab. Es stört sie nicht, wenn wir gleichzeitig auf dem Balkon sind.

Ich sitze oft einfach stundenlang lang da und beobachte alles. Man kann gut entspannen und meditieren. Ein schöner Ausgleich zum doch manchmal stressigen Alltag. Ich bin dadurch leidenschaftlicher Hobby- Fotograf geworden. Am liebsten fotografiere ich Blumen und Insekten. Ein paar Beispiele:

Zweifarbige Sandbiene auf Blaustern
Wiesenhummel im Anflug auf Gewöhnlichen Natternkopf (Echium vulgare)
Löcherbienen sammeln auf Ackerhundskamille.
Hauhechelbläuling bei der Eiablage auf dem Gewöhnlichen Hornklee (Lotus corniculatus)
Zitronenfalter, Männchen
Ein Zitronenfalter-Männchen trinkt an einer Tauben-Skabiose.
Ein Kleiner Fuchs besucht eine Tauben-Skabiose.
Schwebfliege auf Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)

Meine Aktivitäten auf Facebook und Instagram

Ich durfte in zwei tollen Facebook-Gruppen “Wildvögel im Garten” und die “Wilde Ecken im Garten (Balkon)” als Admin mit einsteigen. Dort konnte ich meine bisherigen Erfahrungen und die Leidenschaft für Wildpflanzen und Wildtiere mit einbringen. Wir beraten unsere Mitglieder rund um die Uhr zum Thema “Wildvögel” und auch wie sie ihre Gärten und Balkone wildtierfreundlich gestalten können. Wir bieten viele Informationen rund um diese Thematik und machen auch Artenbestimmung. Das Mitwirken in diesen Gruppen hat mich enorm bereichert und tut es aktuell immer noch. Diese Aufgabe erfüllt mich mit viel Freude.

Auf Instagram zeige ich unter dem Namen aladdin_wildbluemchen welche Wildpflanzen, Insekten und andere Tiere mir in meinen Alltag begegnen. Alles mit Namen natürlich.

Ich habe parallel zu meinem Projekt bei dem bundesweiten Wettbewerb Wir tun was für Bienen!“ der Initiative “Deutschland summt” in der Kategorie „Balkon“ mitgemacht. Kurze Zeit später konnte ich mein Glück kaum fassen, denn ich wurde benachrichtigt, dass ich unter die ersten drei gekommen bin. Am 17. September war die Prämierung in Berlin: stolzer zweiter Platz!

Cornelis Hemmer, Stiftung Mensch und Umwelt, übergibt mir die Gewinner-Urkunde und eine Bienen-Skulptur.

Engagement gegen Schottergärten in meinem Dorf

Nebenbei kümmere ich mich mit viel Herzblut um den Naturgarten meiner Schwiegereltern, die nicht weit von uns wohnen. Dort kann ich mein Erlerntes umsetzen und immer wieder an neuen Projekten tüftelt. Hier im Dorf und vor allem in unserer Neubausiedlung sind leider Lorbeerhecken, Schottergärten, Mähroboter und englische Rasen an der Tagesordnung. Ich habe mich aus diesem Grund entschieden, einen Bericht im Ortsblatt zu veröffentlichen, um auf diese Thematik aufmerksam zu machen. Ich hatte die Hoffnung, einige Leute damit zu erreichen. Mein Bericht wurde in der Juli-Ausgabe 2022 veröffentlicht.

In der Angelegenheit habe ich mich zweimal mit dem Bürgermeister getroffen. Ich durfte ihm meine Ideen vorstellen. Die kamen gut an. Ich konnte zum Beispiel erreichen, dass zukünftig die Ausgleichsflächen im Dorf vielfältiger angelegt werden. Geplant ist außerdem eine Schutzzone am Dorfrand. Ich bleibe auf jeden Fall am Ball.

In meinem Bekannten-, Familien- und Freundeskreis habe ich schon viele dazu inspiriert, ihre Gärten und Balkone wildtier- und insektenfreundlich zu gestalten. Ich kann nur jedem raten: Probiert Euch einfach aus, man wächst mit der Aufgabe! Mir war es immer schon ein großes Anliegen, etwas für unsere Umwelt zu tun. Ich bin der Meinung, Naturschutz geht uns alle was an und wir können direkt vor unserer eigenen Haustür einiges bewirken. Mein Motto: “Viele kleine Dinge können Großes bewirken”.

Ich werde auf jeden Fall weiter machen.
Es erfüllt mein Herz mit Freude.
Ihr Alessandro Di Mauro“

Alessandro

Kontakt
E-Mail: a.dimauro85@bluewin.ch
Facebook: Alessandro Di Mauro
Facebookgruppe: Wilde Ecken im Garten (Balkon)
Facebookgruppe: Wildvögel im Garten
Instagram: aladdin_wildbluemchen
Wettbewerbsseite „Wir tun was für Bienen“: Meine Balkon-Wiesion (mit weiteren Fotos)

Eine Geschichte zum Schluss:
Ich spaziere und wandere gerne umher und erkunde neue Gebiete rund um unseren Wohnort. Da ich mich auch gerne mal nackig sonne, suche ich immer abgelegene Orte, wo ich möglichst niemandem begegne. Meist nehme ich ein Buch, Kamera und was zu Trinken mit und eine Decke, damit ich es mir gemütlich machen kann.

Es war sehr heiß an diesem Juli Tag und ich packte meine sieben Sachen und ging raus in die Natur. Ich stieg auf mein Rad und fuhr einfach mal aus dem Dorf raus, entlang endloser Maisfelder. Am Rande von einem Kieswerk habe ich mein Rad abgestellt und bin zu Fuß weiter. Ich habe mich entschlossen, weg vom Weg zu gehen und bin ein Stück durch die Wildnis marschiert unter einer Baumreihe durch.

An einer kleinen Lichtung an einer Wiese habe ich halt gemacht. Schön geschützt und weit weg vom allem habe ich es mir gemütlich gemacht.Nach einer Weile, als ich ins Buch vertieft war, nahm ich neben mir im Augenwinkel etwas wahr. Es waren 2 große schwarze Käfer die übereinander her fielen. “Kämpfen die? Aah…nee, Moment die paaren sich nur.” Etwas irritiert, aber trotzdem fasziniert, sah ich dem Geschehen zu. Ich hatte bisher noch nie so große Käfer in natura gesehen und konnte gar nicht sagen, was das für welche sind. Die beiden haben sich dann verzogen und ich konnte in Ruhe weiter lesen.

Zuhause angekommen habe ich erstmal recherchiert, welche Käfer das waren. Das hatte mich nämlich beschäftigt. Zu meinem Erstaunen war es eine Art, die in Deutschland als stark gefährdet gelistet ist. Es handelte sich um den Goldpunkt-Puppenräuber (Calosoma auropunctatum). Ich konnte es kaum glauben und zeitgleich habe mich über den Fund gefreut. Den Fund und den Standort habe ich bei einem Entomologen gemeldet und es wurde in die Datenbank der Gesellschaft für Angewandte Carabidologie eingetragen.

Goldpunkt- Puppenräuber (Calosoma auropunctatum)
Goldpunkt-Puppenräuber (Calosoma auropunctatum) – Paarung im Juli

4 Kommentare zu “Balkonbesuch: Bei Alessandro in Kropp

  1. Sehr schön! 🙂

  2. Moin Alessandro
    – ich bin beeindruckt! In so kurzer Zeit hast du so einen ästhetisch- schönen wie vielfältigen Naturgartenbalkon angelegt. Man merkt deine Vorarbeit/ Vorwissen! Summ, summ, summ, und Käfer krabbelt rum. Da geht einem das Herz auf…Ich hab nicht die Energie, all die Tierchen zu bestimmen…. In deiner Region gibt es übrigens noch mehr tapfere Naturgärtner in unwirtlichem Umfeld, wie du beschriebst… vielleicht Lust auf Naturgartenverein und Vernetzung? Dann wüsstest du auch, daß du Glückspilz die einzige schleswig-holsteinische Wildpflanzengärtnerei: Arche-Gärtnerei (vormals Eggebek)/ Blütenmeer gmbH – ganz in deiner Nähe vorfindest – alle Pflanzen regional nur aus SH- hättest Olerum nicht bemühen müssen… Seit diesem Jahr verkaufen sie öffentlich, befinden sich auf Gelände von Ulla Hasbach Kräuter, Klappholz-Westscheide. Habe gehört, sie machen grad Herbstabverkauf. Täglich wochentags bis 16 Uhr ( nicht irritieren lassen, haben z.Zt. noch keine Webseite). Ganz viel Erfolg weiterhin, Gruß von Maren/ Geltinger Birk

  3. Anita Penkert

    Vielen Dank für den schönen Bericht! Es tut gut zu lesen, dass sich in allen Ecken Deutschlands etwas tut. Je mehr Leute man „anstecken“ kann mit der Freude an Naturerlebnissen, umso besser.
    Viele Grüße aus dem Süden, Anita

  4. Wally Witte-Ries

    Hallo Alessandro (ich hoffe ich darf sie einfach mal so nennen 😉), ich ziehe meinen Hut vor ihrem grünen Daumen 👍. Sie haben etwas einmaliges aus ihrem Balkon gemacht, ein wunderbares Refugium für Mensch und Natur. Außerdem, was sie noch vorhaben finde ich bemerkenswert. Ihr Beitrag ist übrigens wunderbar beschrieben und ich habe ihn mir gespeichert, damit ich ihn hin und wieder noch mal durchlesen kann. Es sind viele interessante Tipps für mich dabei. Ich muss sagen ich bin ein bisschen neidisch dass ich nicht ihre Nachbarin sein kann da ich weit ab in Unterfranken wohne. Aber vielleicht komme ich ja mal in ihre Gegend und auf einen Sprung vorbei. 😉 Aber erstmal freue ich mich wieder über Beiträge von ihnen und wünsche ihnen und ihrem Mann weiterhin alles Gute. LG von wally aus Bad Kissingen. 🙋🏻‍♀️

Hinweis: Ich freue mich über alle Kommentare und den Austausch mit Leserinnen und Lesern. Leider verschluckt das System aber die Kommentare manchmal und ich muss diese erst nachträglich online stellen. Ich bitte deshalb um Geduld und Verständnis!

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