Sie sind da

Sie gehören mit zu meinen Lieblingen, die treuherzig drein blickenden Männchen der Gehörnten Mauerbienen mit ihrem weißen Schopf im Gesicht.

Auf meinem Balkon sind sie die ersten Bienen, die nach der Winterpause aus den Nisthilfen krabbeln und sich an den ersten Blüten stärken. Bei mir war der Schlüpftermin der ersten Männchen, die ich beobachtet habe, der 11. März. Im vergangenen Jahr 2016 kam der erste Drohn am 18. März und im Jahr zuvor am 17. März. Wie weiß die kleine Biene, die seit zehn Monaten als fertiges Tier in ihrem engen Röhrchen sitzt, dass es jetzt März ist? Dass sie die kleine Mörtelwand, die ihre Mutter zu ihrem Schutz gebaut hat, jetzt durchbeißen soll, um endlich an die frische Luft zu kommen und sich fortzupflanzen? Wildbienenexperte Paul Westrich kennt bestimmt die Antwort, für mich ist es ein Wunder. Es ist doch wahrscheinlich ganz dunkel da drin. Das Licht kann es nicht sein. Die Temperatur auch nicht, denn es gibt auch sehr warme Tage im Januar, da bleiben sie auch in ihrem Nest sitzen. Sie warten bis zum 11. März. Und dann schlüpft nicht nur einer, sondern mehrere, in verschiedenen Nisthilfen. Wie verabredet: „Du Alter, wie wär’s mit dem 11. März?“ „Ok, geht klar, Mann.“

Ich habe für diese frühen Bienchen frühe Krokusse im Herbst gepflanzt. Wenn der kleine Bienenmann von Blüte zu Blüte krabbelt und ausgiebig Nektar trinkt, freue ich mich, dass sich die Mühe des Zwiebelpflanzens gelohnt hat. Bald blühen auch die Blausterne, Traubenhyanzinthen und Wildtulpen, die ebenso fleißig besucht werden. Ich würde sagen, am beliebtesten von allen Blüten sind die Traubenhyazinthen. Aber die allererste Gelegenheit zum Fressen sind die ersten Krokusse. Dieses Jahr blühte zuerst der weiße zweiblütige Krokus (Crocus biflorus) „Miss Vain“, der lila Elfenkrokus (Crocus tommasinianus) und der gelbe Krokus (Crocus chrysanthus) „Cream Beauty“ (siehe Foto).

Männchen der Gehörten Mauerbiene stärkt sich im Blaustern.
Männchen an einer Trauebnhyazinthe

Nachtrag vom 7.12.2017: Tipps zum Kaufen von Blumenzwiebeln

Ich habe bei den Zwiebeln keinen festen Lieferanten, ich bevorzuge Bio-Gärtnereien, aber auch da steht manchmal bei den Zwiebeln „aus konventionellem Anbau zugekauft“. Die Gärtnerei Gaißmayer hat für die insektenfreundliche Auswahl der Zwiebeln eine sehr gute Faustregel auf der Website: „Wildarten und Sorten mit einfachen oder wenig gefüllten Blüten liefern am sichersten Nähr- und Treibstoff für die summende und brummende Fauna.“ In manchen Online-Shops gibt es sogar dafür eine eigene Kategorie oder einen Hinweis: „Insektenweide“ oder ähnliches. Zusätzlich gehe ich noch nach meiner eigenen Beobachtung: Ich kaufe nach, was von den Insekten auf meinem Balkon gut besucht wurde. Hier eine Auswahl von Anbietern, bei denen ich schon gekauft habe:

Staudengärtnerei Gaißmayer: Insektenweiden aus Zwiebeln und Knollen
Kräuter- und Wildpflanzen-Gärtnerei Strickler: Blumenzwiebeln
Wildpflanzen-Gärtnerei Hof Berg-Garten: Blumenzwiebeln
Raimund Biogartenbedarf: Blumenzwiebeln
Gewiehs Blumenzwiebeln: www.gewiehs-blumenzwiebeln.de 
Manufactum: www.manufactum.de/herbstpflanzung
(Hinweis: Manufactum strukturiert die Website und das Produktangebot öfter um, deshalb kann es sein, dass der Link irgendwann wieder nicht funktioniert. Stand: 7.12.2017)

 


Vierte Auflage: Mit ausführlicher Beschreibung des mobilen Zwiebelsystems auf meinem Balkon.

Nachtrag vom 7.12.2017: „Mobile Zwiebelerkenntnisse“ in der Neuauflage des Topf-Buchs

Reinhard Witt, den Gründer und Präsidenten des Naturgartenvereins, habe ich zuerst über seine Bücher und 2015 später auch persönlich kennengelernt. Er hat zwei Wildblumenwiesen im Arnulfpark geplant, die ich initiiert und mit dem Nachbarschaftstreff im Arnulfpark, eine Einrichtung der Stadt München, als Bewohnerprojekt angelegt habe. Ich erzählte ihm bei der Begegnung auch von meinem Wildblumenbalkon und er interessierte sich für meine Blumenzwiebel-Experimente. Er bat mich, diese in Wort und Bild zu dokumentieren. In die vierte Auflage des Wildpflanzen-Topf-Buchs sind meine Zwiebel-Erfahrungen nun eingegangen. Es ist Ende Oktober 2017 erschienen. Wer daran interessiert ist, findet meine bebilderten Ausführungen im Kapitel „Zwiebeln und Knollen“ (ab Seite 213) von Seite 225 bis 234. In dem Kapitel gibt es außer meinen bescheidenen empirischen Erkenntnissen die gärtnerischen Profi-Tipps zur Zwiebelkultur von Reinhard Witt und noch andere sehr interessante Praxisbeispiele. Das Buch gibt es direkt beim Autor; es kostet 24,95 EUR: www.naturgartenplaner.de/wildpflanzen-topfbuch.

PS: Die Buchempfehlung ist frei von kommerziellen Interessen. Ich verdiene nichts an dem Buchverkauf.

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