Die Krokus-Krise

Normalerweise stürzen sich die Männchen der Gehörnten Mauerbiene kurz nach dem Schlüpfen in meine Krokusse (siehe Beitrag Sie sind da vom 12. März 2017). Nach zehn Monaten im Röhrchen hat Mann Hunger und braucht Flugbenzin für die wilde Jagd auf Weibchen. Aber dieses Jahr gibt es eine kleine Balkonkatastrophe: die Krokusse sind eingegangen. Seit elf Jahren zum ersten Mal.

Vorgestern habe ich die ersten drei Männchen der Gehörnten Mauerbienen gesichtet, als die Sonne eine Zeitlang ganz warm auf die Nisthilfen schien. Bald verzog sich die Sonne wieder und bald dann auch die Bienenmännchen, als die Luft wieder kühl war. Einem kleinen Kerl war es wohl gleich zu kalt. Er kam raus, sah sich um und kroch dann mit dem Hinterteil voraus wieder ins Röhrchen zurück. Sah so aus wie ich am Sonntag, wenn es mir zu kalt in der Wohnung ist, und ich mit dem Kaffee und einem Buch erst noch einmal den Rückzug ins Bett antrete, bis es wärmer ist.

Als Bienenmama war ich erst mal stolz, dass ich strammen Nachwuchs auf dem Wilden Meter hatte, und gleichzeitig besorgt, ob in der Nähe nektarhaltige Blüten zur Verfügung stehen würden. Bei mir auf dem Balkon gab es keine einzige Blüte. Man kann normalerweise zusehen, wie sie trinken, fliegen, trinken, fliegen, trinken. Das spielt sich alles auf dem Balkon ab. Aber der Blumenkasten mit den Krokussen sieht leider gar nicht gut aus.

Der Matsch-Kasten

Ich habe alles so gemacht wie die zehn Jahre vorher. Ich hatte schon Krokusse und Frühblüher, als ich noch nicht einmal wusste, dass es Wildbienen gibt. Mit verschiedensten Methoden, die ich im Wildpflanzen-Topfbuch von Reinhard Witt ausführlich beschreibe, habe ich jedes Jahr reichlich Frühblüher auf kleinstem Raum und verwende die Zwiebeln auch immer wieder. Dieses Jahr sehen viele Töpfe auch sehr gut aus. Die Krokusse im Blumenkasten haben ausgetrieben wie immer, ich hatte sogar schon eine Knospe. Und auf einmal war Schluss.

Eine Blumenverkäuferin meinte, dass die Krokusse nur noch Temperaturen bis höchstens minus ein Grad aushalten, wenn sie mal ausgetrieben haben, aber keine minus zehn, wie wir hatten. Im Internet habe ich in einem Forum die Aussage gefunden, dass nicht zu viel Feuchtigkeit im Topf oder im Kasten sein darf, wenn diese noch einmal richtig durchfrieren, dann würden die Zwiebeln auch matschig. Warum es nun ausgrechnet die Pflanzen in dem Kasten dahingerafft hat – Blausterne und Muscari sehen auch etwas angedätscht aus – wusste ich dann immer noch nicht genau, aber Futter für meine Bienenmänner musste her.

Der Blumenkasten mit den mickrigen Krokussen (links). Wenn man am Blatt zieht, geht es ab und ist unten leicht faulig.

 

Komponist für Krokus-Requiem gesucht

Unter meinem Balkon ist eine Wiese, die wir 2015 in einem Bewohnerprojekt mit Arten angereichert haben. Unter anderem auch mit vielen Frühblüherzwiebeln. Aber mein Rechercheausflug zur Wiese war frustrierend. Um vom Parkplatz zur Eingangstür abzukürzen, gehen meine Mitmenschen quer über die Wiese und zertreten achtlos die Blumen. Es waren nicht nur fast alle Krokusse zertrampelt, sondern auch die Narzissen, die schon viel größer sind. Wahrscheinlich ist Godzilla sensibler als meine Nachbarn. Ein Krokus-Requiem wäre mal ein Auftrag für einen zeitgenössischen Komponisten, das dann vom Münchner Kammerorchester in der Abo-Reihe an einem Donnerstag uraufgeführt werden könnte. (Sehr zu empfehlen übrigens, unser Kammerorchester. Im Oktober 2016 brachte es u. a. den entomologischen Superhit für Streichensemble „Dead Wasps in the Jam-Jar“ von Clara Ianotta zur Premiere! Hier im Internet anhören)

Die Rettung

Das Ende der Geschichte ist schnell erzählt. Ich hab im Blumenladen Traubenhyazinthen aus holländischen Treibhäusern gekauft, über Nacht neben die Heizung gestellt, damit die Blüten schneller aufgehen, und dann auf den Balkon. Ich hoffe, sie sind nicht allzusehr mit Pestiziden behandelt. Der Nektar scheint auf jeden Fall zu schmecken. Heute war die Sonne wieder zwei Stunden draußen und die Muscari wurden fleißig angeflogen.

Jetzt wird es erst mal wieder eisig kalt. Hoffentlich gibt es dann nicht noch mehr Opfer.

Eine von den Blumenladen-Muscari habe ich auch im Internet gefunden, falls es jemanden interessiert: Muscari Big Smile. Die andere heißt Muscari Blue Magic.

Und hier noch ein paar Bienen-und-Blüten-Fotos zur Eröffnung der Saison

Drei von den vier Jungs habe ich quasi als Gruppenfoto erwischt.
Ein Männchen am Muscari Big Smile.

 

 

 

 

 

4 Kommentare zu “Die Krokus-Krise

  1. Die drei Mauerbienen auf dem oberen Foto hatten bestimmt gewaltigen Hunger.

  2. Rettung in letzter Minute! LG von Regula

  3. Guten Tag und Danke für den Einblick.
    Wir hatten das Problem auch mit der Wiese und habe darum einen rasenmäherbreiten Pfad mitten durch die Wiese gemäht. Und das Problem mit dem Betreten/Zertreten der Blumenwiese war vom Tisch.
    Auch das Krokus-Problem kenne ich, jedoch anders. Die in unseren Töpfen gesetzten Krokusse sind nur Bonsais und werden kaum Pollen liefern. Die Anderen in der Wiese (geleiche Zwiebeln) sind jedoch und zum Glück richtig toll am Blühen und ich konnte schon eine Erd- und Wiesenhummel Königin daran beobachten. Bei den Mauerbienen gibts noch nichts zu sehen. Die spüren wohl das kommende kalte Wetter.
    Lg aus der Schweiz
    Claude Salafia

  4. Die Fotos sind schön geworden 🙂 Man merkt, daß es in München wärmer ist. Ich bin froh, daß die Mauerbienen hier noch nicht raus sind, obwohl es heute bei der Sonne auf dem Balkon ebenfalls muckelig warm war. Aber die nächsten kalten Nächte sollen die Bienchen doch bitte noch drinnen bleiben! – Das ist ja was mit deinen Krokussen, aber ich glaube, das ist einfach Natur. 10 Jahre kanns gut gehen und dann ist irgendwas anders…Die Krokusse können eine Menge ab. Bei meinen Eltern haben sie die harten Frostnächte mit minus 5 oder minus 8 Grad so einigermaßen überstanden. –

    Das mit der Wiese ist gemein. Blöd, wenn die Leute so unsensibel sind (deine Idee mit dem Requiem ist gut, haha 😉 Vielleicht müßt ihr im Frühjahr so ein paar Windmühlen am Stiel dort aufstellen oder irgendwelche Stelen, die darauf aufmerksam machen. Oder Infoschilder (hab ich hier schon überlegt, auch um die Leute zu informieren, worum es mir geht) Ich bin ja auch immer wieder erstaunt, wie die Leute es hier hinbekommen, meine „Umzäunung“ umzureißen, grumpf!! Ja, vermutlich wäre Godzilla sensibler 😉 ich drück die Daumen für die neuen Mauerbienen und für die Muscari!!! Wird schon alles gut werden. LG, Almuth

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