Fliegen: Bunte Blütenbestäuber und echte Kotzbrocken

Fliegen werden in unserem Haushalt als „Vogelfutter“ bezeichnet. Finden wir Exemplare in der Wohnung, werden sie eingefangen und mit dem Kommentar „Raus und lass dich fressen!“ an die frische Luft befördert. Ein Wunsch, der aus dem Herzen kommt. Die Fangmethode ihrerseits ist völlig gewaltfrei.

Wenn ich meinen Helden Dave Goulson, Insektenforscher und Umweltaktivist, richtig verstanden habe, dann ist es eine der Hauptaufgaben der erwachsenen Fliegen, Nahrung zu sein (siehe Kapitel Schmutzige Fliegen im Buch Wenn der Nagekäfer zweimal klopft, Hanser 2016). In unserer Wohnung sind es in der Regel grauschwarze Stuben- und Fleischfliegen, die an der Fensterscheibe herumkrabbeln. Draußen auf dem Balkon gibt es noch buntgestreifte Schwebfliegen und schillernden Schmeißfliegen, die sich sonnen und in Blüten klettern. Die Goldfliege auf dem Kornblumenblatt (oben im Bild) war am letzten warmen Tag auf dem Wilden Meter zu Besuch.

Goulson hebt auch die schöne Färbung mancher Fliegen hervor, beispielsweise den metallisch grünen oder blauen Schimmer der Schmeißfliegen. Von allen interessanten Fakten und Fliegen-Anekdoten des Kapitels ist bei mir jedoch in erster Linie hängen geblieben, dass Stubenfliegen auf seinen französischen Käse kotzen. Der wäre ihnen zu trocken. Das Erbrochene verteilen sie dann mit ihren Mundwerkzeugen und dann saugen sie alles zusammen wieder auf. In den Magensäften der Fliegen wimmelt es von Bakterien und Viren, weil sie gerade Kot oder Tierleichen gefressen haben, und diese gefährlichen Keime sind dann auch auf dem Käse. Mehr braucht man als Mensch eigentlich nicht zu wissen.

Fliegen – Bestäuber der Zukunft?

Blaue Schmeißfliege in einer Blüte auf dem Wilden Meter.

Fliegen sind aber natürlich auch Bestäuber, sie ernähren sich von Nektar, Pollen und Honigtau. Und den bestäubten Blumen ist unser Käse-Kotz-Konflikt mit den Fliegen sicher egal. Heute habe ich zufällig eine Studie entdeckt, in der Wissenschaftler an der Uni in Zürich Pflanzen mit Hummeln, Schwebfliegen und per Hand bestäubten. Ein Ergebnis war, dass bestäubende Insekten die Evolution von Pflanzen beschleunigen. In puncto Fliegen fand ich bemerkenswert, dass sie bald in der menschlichen Beliebtheitsskala steigen könnten, weil sie nützlich werden, „da bestimmte Bestäuberinsekten, beispielsweise Bienen, durch starken Pestizideinsatz und Verarmung der Landschaft in den letzten Jahrzehnten massiv dezimiert worden sind. Es wäre laut Forscher Florian Schiestl denkbar, dass Pflanzen daher vermehrt auf Fliegen als Bestäuber angewiesen sind.“ (Quelle: Pressemeldung UZH vom 14.3.2017)

Schnappi – der Insektenfänger

Schnappi
Schnappi

Das ist unser Schnappi, der Markenname ist Snapy, aber Schnappi spricht sich mit süddeutscher Zunge leichter. Ich bekomme für diese Werbung kein Geld, möchte aber den Erfinder dieses Geräts für einen Innovations-Preis vorschlagen. Funktioniert immer, auch bei ganz kleinen Fliegen (siehe Bild). Und viel besser als die Methode „Glas + Karton“, weil die Hand nicht vom Insekt gesehen wird und die zweite Hand zum Fenster- oder Türenöffnen frei ist. Wir haben allen Freunden und Familienglieder zum Geburtstag und zu Weihnachten einen Schnappi geschenkt. Hier geht es zur Produktseite www.snapy.de

Eine gelb-schwarz gestreifte Schwebfliege farblich passend auf einer gelben Ackersenfblüte. Hier sieht man gut, dass Fliegen nur zwei Flügel haben.

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