Bäumchen wechsle dich

Wer macht da frühmorgens solchen Lärm am Wilden Meter? Es sind Arbeiter des Gartenbaureferats, die zu einer Baumpflanzaktion unterm Balkon angerückt sind.

Vor drei Jahren waren sie schon einmal da und haben vier Spitzahorne eingepflanzt. Sie ersetzten vier alte, die gefällt wurden. Ich habe darüber 2014 in dem Blogbeitrag „Unter dem Balkon: Baumpflanzarbeiten“ (am 12. März 2014) ausführlich berichtet.

Vier quadratische Flächen im Straßenbegleitgrün, in die neue Bäume gepflanzt werden.

Der Grund für den erneuten Austausch ist der schwierige Standort auf der Südseite des Gebäudes. Die eine Hälfte des Baumstammes wird durch Sonneneinstrahlung sehr stark erhitzt, die andere bleibt viel kühler, die Rinde reißt, quasi das Todesurteil für den Baum. Vor einiger Zeit wurden die jungen Bäumchen erneut ausgerissen und hinterließen vier Erdquadrate im sogenannten Straßenbegleitgrün (siehe Bild). „Vier schöne Beete für Wildblumen“, dachte ich mir und wollte eigentlich in den nächsten Tagen mit dem Gartenbaureferat Kontakt aufnehmen. „Aus deinem Plan wird wohl nichts“, sagte mein Mann gestern und deutete auf die Schilder, die 2014 auch schon dort standen und das Bäumepflanzen ankündigten.

 

Ortstermin: Unter dem Balkon

Heute Morgen um 8:00 Uhr war es dann soweit, der erste Spitzahorn wurde gesetzt. Die Redaktion hat sich flugs nach unten in die Marlene-Dietrich-Straße begeben, um die Mitarbeiter des Bau- und Gartenreferats wegen der neuerlichen Baumaustausch-Maßnahmen zu befragen. Ein sehr netter junger Mitarbeiter nahm sich für mich Zeit.

Wilder Meter: Warum werden die Bäume schon wieder ausgetauscht?

Gartenbaureferat: In diesem Fall weiß ich es nicht genau, aber typische Ursachen sind Rindenverletzungen beispielsweise durch Angefahrenwerden. In München muss laut Verordnung stets ersetzt werden. Nur im Extremfall, wenn ein Baum an einem Standort wirklich überhaupt nicht wächst, wird er nicht ersetzt.

Rote Knospen verraten die Art: Spitzahorn.

Haben Sie wieder Spitzahorne gepflanzt? Moment (Schaut die Knospen an). Ja, Spitzahorn. Erkennt man an den roten Knospen. Feldahorn hat braune und Bergahorn grüne.

 

 

Warum zwicken Sie noch Äste ab? Weil das dem Baum gut tut.

Zweige, die nach innen wachsen, werden vor dem Pflanzen noch abgeschnitten.

Weiß der Baum nicht selbst, was ihm gut tut? Ja schon, aber wir helfen ihm. Die Triebe, die nach innen wachsen und andere Zweige beim Wachstum stören würden, schneiden wir ab. So bekommt der Baum auch eine schöne Krone.

 

Wievieviel Bäume müssen Sie normalerweise pro Saison ersetzen? Jetzt ist gerade Pflanzzeit. Wir sind in unserem Einsatzbereich Neuhausen/Nymphenburg für rund 12 000 Alleebäume, also Bäume in Seitenstreifen, zuständig.  Wir werden rund 80 ersetzen.

Wieviel kostet so ein Baum? Die hier sind relativ klein, die kosten jeweils unter 1 000 Euro. Mit Arbeitszeit und Materialkosten kommt ein Baum wohl so auf 800 bis 1 000 Euro. Große Bäume können sehr teuer sein. Am Platz der Freiheit wurden zwei Bäume gepflanzt, von denen einer 500 000 Euro kostet.

Ich danke Ihnen für Ihre Zeit und hoffe, dass wir uns in drei Jahren nicht wieder hier treffen müssen.

Zwei der Spitzahorne unter unserem Balkon, die heute durch neue ersetzt wurden, im Herbst 2016.

Spitzahorne (Acer plantanoides) sind einheimisch und Bienenweiden, das freut unsere Balkonbienchen sicher auch.

Informationen zum Spitzahorn als Bienenweide im Internet: www.die-honigmacher.de

 

1 Kommentar zu “Bäumchen wechsle dich

  1. Sondlomat

    Sehr interessantes Interview!
    Wenn man sich das mal durch den Kopf gehen lässt, ist das schon echt viel Geld, das für das Stadtbild ausgegeben wird. Aber wenigstens ist es gut zu wissen, dass sich so um das Aussehen der Stadt gekümmert wird.

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