Bienchen, wie heißt du?

Ein neuer kleiner Schwarm von Bienenmännern saust auf den beiden Balkonen herum. Sie sind klein, sehr klein. Sie machen das, was die Mauerbienen-Männchen auch gemacht haben, sie suchen wie die Wilden nach Weibchen. Rein ins Röhrchen, raus, rein ins nächste Röhrchen, nebenbei die Kollegen wegschubsen, mit Vollgas zu einer anderen Nisthilfe düsen, schnell mal futtern usw. Wie soll man so quirlig herumfliegende kleine schwarze Fussel bestimmen?

Jede Wildbienenart macht einen für sie typischen Nestverschluss. Ich bin hinaufgestiegen zu den Nisthilfen und habe die Verschlüsse untersucht. Welche haben ein Loch? Daraus müsste man doch schließen können, welche Art geschlüpft ist, dachte ich mir. Aber die Nestverschlüsse sehen leider auch nicht immer so aus wie das eine Beispielfoto auf der Bestimmungshilfe. Dennoch, nach allem, was ich mir so zusammenreime, sind es die Männchen der Gewöhnlichen Löcherbiene (Osmia truncorum). Laut Paul Westrich ist sie häufig und regelmäßig auch im Siedlungsbereich anzutreffen. Sie besiedelt auch Nisthilfen. Die Flugzeit stimmt, ab Mitte Juni, und es gibt auch schon Weibchen, die sammeln. Löcherbienen sind Bauchsammlerinnen, das würde auch stimmen. (Steckbrief der Gewöhnlichen Löcherbiene bei Paul Westrich).

Unsere Micros

Ansonsten haben wir in unserem Haushalt diese klitzekleinen Bienen zur Sammelart „Micros“ zusammengefasst, nach dem Namen eines Modelbausatzes für Miniflieger, den mein Neffe vor einigen Jahren zusammengebastelt hat. Eine solche Klassifizierung ist nach stundenlangen mühsamen und erfolglosen Recherchen im Sinne des Broterwerbs – zurück zur Arbeit! – manchmal einfach eine ganz sinnvolle Lösung.

Beispiele für offene Nestverschlüsse

Sind das Nestverschlüsse von Löcherbienen? Ist das Harz mit Steinchen, Erdbröckchen und Holzstückchen, wie Paul Westrich die Verschlüsse dieser Art beschreibt? Ich vermute es. Der Durchmesser würde stimmen: drei bis vier Millimeter. Falls es jemand genau weiß, freue ich mich über eine Rückmeldung.

Beispiel 1: Offener Nestverschluss – da sieht man noch eine Biene drin
Beispiel 2: Offener Nestverschluss
Beispiel: Offener Nestverschluss 3

Ich glaube, diese Biene ist eine weibliche Löcherbiene, die schon früher geschlüpft ist und bereits ihr Nest verschließt:

Könnte schon Harz sein im Mundwerkzeug. Das würde auf eine Löcherbiene hinweisen. Ebenso die Bauchbürste zum Sammeln von Pollen.

PS: The Making-of. Bei meinen Versuchen, anhand der Nestverschlüsse die Identität der neuen Bienenmänner herauszufinden, bin ich mit dem Hocker umgekippt – den Fotoapparat in der Hand. Alles gut gegangen – nur der Hocker war kaputt. Voller Einsatz im Dienste der Balkonwissenschaften 🙂

 

4 Kommentare zu “Bienchen, wie heißt du?

  1. Lill The Thrill of Schrill

    Wow, das sind aber tolle Aufnahmen 😀 😀 😀

  2. Sehr schön, dieser Blog – ich freue mich über den Zufalls-Webstolperer hierher und komme gern wieder!

  3. Hier findet sich eine Bestimmungshilfe für Wildbienenarten:

    http://www.naturspaziergang.de/Nebenseiten/Bienen-Bestimmungshilfe.htm

    Vielleicht ist es hilfreich.

    • Redaktion

      Danke! Die Seite kenne ich noch nicht. Ich werde sie gleich auf die Linkseite setzen!

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