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Wildbiene des Jahres 2024: Die Blauschwarze Holzbiene

Weibchen der Blauschwarzen Holzbiene (Xylocopa violacea) an Muskateller‐Salbei. (c) Manfred Ayasse

Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ hat für 2024 eine Biene gewählt, die durch ihre Größe und ihr lautes Brummen nicht zu übersehen und zu überhören ist: die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea). Auf vielen Balkonen in Deutschland ist diese Wildbiene schon beobachtet worden, auf dem Wilden Meter war sie leider noch nicht zu Gast.

„Pflanzen Sie Muskatellersalbei! Wenn eine Blauschwarze Holzbiene in der Nähe ist, dann kommt sie garantiert“, hat mir Wildbienen-Experte Paul Westrich vor einigen Jahren geraten. So blüht Jahr für Jahr Muskatellersalbei auf dem Balkon – bedauerlicherweise ohne bisher von Xyolocopa violoacea beehrt worden zu sein. Dabei ist die hübsche Biene bereits in München zuhause, zum Beispiel im Botanischen Garten, etwa vier Kilometer Luftlinie vom Wilden Meter entfernt.

Holzbienen (Xylocopa) zeichnen sich durch ihre Größe und die überwiegend schwarze Körperbehaarung aus. In Deutschland wurden bislang drei Arten gefunden, von denen die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea) am häufigsten und am weitesten verbreitet ist. Die Weibchen zählen mit zwei bis drei Zentimetern zu den größten Wildbienen in Deutschland und fallen durch ihre bläulich glänzenden Flügel auf. Deutlich kleiner – mit 14 bis 16 Millimetern – ist ihre Verwandte, die Kleine Holzbiene (Xylocopa iris). Sie tritt vereinzelt im Elsass und in Baden am südlichen Oberrhein auf. Die dritte im Bunde ist die Südliche Holzbiene (Xylocopa valga). Sie ist erst seit 2009 in Deutschland nachgewiesen und breitet sich seitdem in Richtung Norden aus. Die Weibchen sind von denen der Blauschwarzen Holzbiene äußerlich nicht zu unterscheiden.

Lebensweise & Verbreitung

Die Blauschwarze Holzbiene besiedelt unterschiedliche, stets wärmebetonte Lebensräume im Offenland wie auch in Siedlungen. Bei meiner Schwester im Garten in Ingolstadt ist sie seit 2019 am Muskatellersalbei Stammgast.

Streuobstwiesen zählen zu den favorisierten Biotopen. Dabei bestimmt das Angebot an Holzstrukturen zur Nestanlage das Vorkommen des Tieres. Die Weibchen nagen ihre linienförmigen Bauten mit in Reihe angelegten Brutzellen in totes Holz. Das können abgestorbene Bäume, Balken oder Pfähle sein. Das Holz muss noch eine genügende Härte aufweisen und darf noch nicht morsch sein.

Beim Blütenbesuch ist die Blauschwarze Holzbiene nicht sehr wählerisch: Sie bevorzugt zwar Schmetterlings- und Lippenblütler, besucht aber insgesamt Pollenquellen aus über zehn Pflanzenfamilien. Regelmäßig ist sie auch in Dörfern und Städten zu finden, etwa an begrünten Fassaden mit Geißblatt oder Blauregen oder an Beeten mit Muskateller-Salbei oder Großblütigen Platterbsen.

Die Wildbiene des Jahres 2024 kommt mittlerweile deutschlandweit vor, nachdem die wärmeliebende Art in den letzten Jahren ihr Areal im Zuge der Klimaerwärmung aus dem Südwesten in die nördlichen Bundesländer und darüber hinaus bis nach Dänemark ausgedehnt hat.

Muskatellersalbei im Topf im Garten meiner Schwester. (c) Christa Schünemann
Muskatellersalbei (links) gehört zur Lieblingsspeise der Blauschwarzen Holzbiene – hier im Pflanzgefäß im Garten meiner Schwester. Die Blauschwarze Holzbiene ist seit 2019 jedes Jahr zu Besuch in ihrem blütenreichen, insektenfreundlichen Garten in Ingolstadt. Foto: Christa Schünemann

Video: Blauschwarze Holzbiene am Muskatellersalbei im Garten meiner Schwester

 

Die Mutter erlebt das Schlüpfen des Nachwuchs

Die frisch entwickelten Männchen und Weibchen einer Holzbienen-Generation erscheinen im Spätsommer und suchen sich ein Überwinterungsquartier in Hohlräumen von Lehm- und Lößwänden, in Spalten zwischen Mauersteinen oder ähnlichen Substraten. Im kommenden Frühling kommt es zur Paarung der Geschlechtstiere und die frisch begatteten Weibchen beginnen etwa ab Ende April ihre Nester in Holzstämme, -pfähle oder -balken zu nagen.

Die Entwicklung der Larven, die von dem eingetragenen Vorrat aus Pollen und Nektar leben, vollzieht sich in der kurzen Zeit von etwa zwei Monaten. Bei den meisten Solitärbienen verschließt das Weibchen nach der Nestversorgung den Eingang und stirbt. Nicht so die Blauschwarze Holzbiene: Sie bewacht den unverschlossenen Nesteingang und erlebt so das Schlüpfen ihres Nachwuchses – eine Besonderheit in der Fortpflanzungsbiologie von solitären Wildbienen.

Wohnraum gesucht

Ein gutes Angebot an Alt- und Totholz ist für die Wildbiene des Jahres 2024 ein zentrales Requisit im Lebensraum. Die Holzbiene nagt ihr Nest in ausreichend mürbes, aber nicht morsches, Altholz. Das kann in ganz oder teilweise abgestorbenen Obstbäumen, in alten Holzbalken von Gebäuden oder in Zaunpfosten verfügbar sein. Auch aufgeschichtetes Brennholz ist geeignet, sofern das Holz die geeignete Härte aufweist. Abgestorbene Obstbäume sollten als stehendes Totholz möglichst lange in der Landschaft belassen werden, um der Holzbiene einen Nistplatz zu bieten.

Alte und teilweise abgestorbene Obstbäume können von Holzbienen als Nistplatz genutzt werden. (c) Martin Klatt
Alte und teilweise abgestorbene Obstbäume können von Holzbienen als Nistplatz genutzt werden. Foto: Martin Klatt

Auch bei Wildbienen-Nisthilfen können wir an die Blauschwarze Holzbiene denken: Neben dem üblichen Angebot an Bambusröhren und Hartholzblöcken bietet sich an, einen alten Baumstamm aufzustellen. Es ist wichtig, die Nisthilfe in die Sonne zu stellen, um dem Wärmeanspruch der Tiere gerecht zu werden. Natürlich kann man einen solchen Holzstamm auch separat aufstellen.

Falls sich die Wildbiene in unserem Wohnumfeld ein Nest baut, sind spannende Beobachtungen gewiss. Dabei ist das Tier harmlos, auch wenn die imposante Erscheinung und das laute Brummen Respekt einflößen können.

Blauschwarze Holzbiene auf einem Feld-Rittersporn. Fotografiert von Dorothea Kämpfert auf ihrem Balkon in Erlangen
Blauschwarze Holzbiene besucht den Feld-Rittersporn auf einem Balkon in Erlangen. Foto: Dorothea Kämpf
Blauschwarze Holzbiene auf einer Kokardenblume. Fotografiert von Dorothea Kämpfert auf ihrem Balkon in Erlangen
Auf dem Erlanger Balkon wurde die Blauschwarze Holzbiene auch auf einer Kokardenblume beobachtet. Foto: Dorothea Kämpf
Blauschwarze Holzbiene im Anflug auf Muskateller-Salbei. Fotografiert von Dorothea Kämpfert auf ihrem Balkon in Erlangen
Ebenso wurde auch der Muskateller-Salbei im Blumentopf angeflogen. Foto: Dorothea Kämpf

Der Mehl-Salbei und die Mohnblume waren weitere Pflanzen, auf deren Blüten Dorothea Kämpf die Holzbbiene in Erlangen beobachten konnte.

Holzbiene auf dem Balkon von Gabi (@a1gabi1)
Holzbiene beim Blütenbesuch auf dem Balkon einer Instagram-Kollegin (@a1gabi1)

Initiative „Wildbiene des Jahres“

Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ wählt seit 2013 jährlich eine besonders interessante Wildbienenart aus, um an ihrem Beispiel die spannende Welt dieser Tiere bekannter zu machen. Zugleich soll die Wildbiene des Jahres dazu ermuntern, in die Natur zu gehen und das Tier in seinem Lebensraum zu beobachten. Damit wirkt die Initiative auch im Sinne einer Wissenschaft für alle (Citizen Science) und bringt mehr Klarheit über das aktuelle Vorkommen der Wildbiene des Jahres. Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ ist beim Arbeitskreis Wildbienen-Kataster Baden-Württemberg angesiedelt, einer Sektion des Entomologischen Vereins Stuttgart 1869 e.V. am Naturkundemuseum Stuttgart.

Mit der Blauschwarzen Holzbiene wurde zum zwölften Mal die Wildbiene des Jahres gewählt. Dem Kuratorium war es stets ein Anliegen, mit der „Jahresbiene“ einen Einblick in die spannende Welt dieser wichtigen Blütenbestäuber zu gewähren.

Blauschwarze Holzbiene beim Nektarraub an einer Akelei im Garten meiner Schwester. Foto: Christa Schünemann
Blauschwarze Holzbiene beim Nektarraub an einer Akelei. Foto: Christa Schünemann

Mehr Informationen zum Wildbienen-Kataster:
www.wildbienen-kataster.de

Weitere Informationen zur Blauschwarzen Holzbiene:
Flyer Wildbiene des Jahres 2024
Steckbrief Blauschwarze Holzbiene auf der Website des Wildbienen-Experten Dr. Paul Westrich


Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung des Naturkundemuseums Stuttgart, NABU Baden-Württemberg und des Arbeitskreises Wildbienen-Kataster vom 18. Dezember 2023.

Titelfoto: Weibchen der Blauschwarzen Holzbiene (Xylocopa violacea) an Muskateller‐Salbei. Foto: Manfred Ayasse

 

8 Kommentare zu “Wildbiene des Jahres 2024: Die Blauschwarze Holzbiene

  1. Dieses Jahr fliegt wieder eine Holzbiene bei uns im Garten umher. Wie haben vielleicht vor 3 oder 4 Jahren so einen schwarzen Brummer zum ersten Mal hier gesehen. Die Akelei hat es ihr besonders angetan. Davon kann sie nicht genug bekommen.
    Unser Garten ist in Oelsnitz im Erzgebirge.

  2. Liebe Katharina,
    seit ca. 6 Jahren ist sie bei mir im Garten. Zumindest habe ich seitdem darauf geachtet. Sie kommt relativ häufig südlich von München vor. In der Mangfallgegend und um den Chiemsee (Grassau) etc. sehe ich sie im Frühjahr sehr oft. Auch in der Oberpfalz hat sie meine Schwester gestern das erste Mal entdeckt. Vielleicht breitet sie sich ein bisschen mehr aus. Ich habe hier zwar keinen Muskatellersalbei und ich wüsste auch nicht, wer in den Nachbarsgärten welche hat, aber ich habe sie angelockt, in dem ich viel Totholz bei der Gartenumgestaltung genutzt habe. Das waren z.B. Stöcke, die ich wie eine Pallisade zusammengebaut habe. Oder ein Baumstämme und große Äste als Beetumrandungen oder Sitzplatz im Sandarium.

    Liebe Grüße

    Stefanie

    • Redaktion

      Liebe Stefanie, wie schön, danke für Deinen Bericht! Ich hab sie tatsächlich auch noch nicht anderswo in München rumfliegen sehen, so zufällig. Ich weiß, dass sie im Botanischen Garten lebt. Und du hast eine Schwester in der Oberpfalz? Darf ich fragen, wo das ist? Meine Mutter wohnt ja auch in der Oberpfalz, in der Gemeinde Hirschau, in der Nähe von Amberg. Da hab ich die Holzbiene nämlich leider auch noch nicht gesehen.
      Ich wünsche Dir ein wunderbares Gartenjahr und viele spannende Besucher – für die Holzbiene hast du ja wohl mit deinem Holz alles richtig gemacht! Herzliche Grüße, Katharina

  3. Didiberlin

    Didiberlin

    Im Sommer 2023 besuchte mich auch eine blauschwarze Holzbiene auf meiner wilden Balkonmeile. Ich wurde durch das laute tiefe brummen auf sie Aufmerksam. Wegen ihrer Größe ist sie schon königlich, wie sie am blauen Ehrenpreis und Wiesensalbei nach Nahrung suchte. Vieleicht ist die blauschwarze Holzbiene in diesem Jahr auch wieder ein Gast auf meiner Wildnis.
    Lg. Dietmar

  4. Ich hatte einige Zeit so ein Tierchen zu Gast, das sich einen dicken Balken der Balkonbrüstung zur Wohnung ausgesucht hatte. Anschließend hatten sich dort Ameisen angesiedelt. Und ein Kreuzspinnen-Kindergarten hing auch mal an der Stelle. Im Garten und in den Balkonkästen gedeihen Salbei und andere Kräuter.

  5. In deinem Film sieht man gut, wie wunderbar Muskateller-Salbei und Holzbiene zusammen passen. Die Blüten sind ja so groß, das sieht perfekt aus 🙂 Diese Holzbienenart fliegt den Sommer über gerne an unserer Hauswand entlang, ich glaube, sie interessiert sich für die Belüftungsschlitze, aber leider landet sie nie bei mir auf dem Balkon. Ich habe wohl nicht die richtigen Blüten zur richtigen Zeit. Wo kriege ich jetzt Muskateller-Salbei her 😉 LG, ein Frohes Neues Jahr 2024 und auf ein schönes und gutes und insektenreiches Balkonjahr!
    Almuth

  6. Anonymous

    Liebe Katharina,
    bei uns sind mehrere Holzbienen zu Gast – ganz wild sind sie übrigens auf meine Amerikanische Sumpf-Schwertlilie. Wenn die blüht, geben sich die Holzbienen die Mandibeln in die Beine :-).
    Und noch viele Lippenblütler werden von ihr besucht. Auch der Echte Eibisch ist ein Besuchermagnet für die hübschen großen Brummer.
    LG Bettina

  7. Beatrice Rieger

    Auf meinem Balkon hat es tatsächlich gleich im ersten Jahr mit dem Muskatellersalbei und der Holzbiene funktioniert. Vielleicht auch wegen der Obstwiesen in Sichtweite. Ich habe mich auf jeden Fall sehr darüber gefreut und werde den Salbei dieses Jahr wieder säen. Viel Glück für deinem wilden Meter! Vielleicht klappt es ja dieses Jahr.

Hinweis: Ich freue mich über alle Kommentare und den Austausch mit Leserinnen und Lesern. Leider verschluckt das System aber die Kommentare manchmal und ich muss diese erst nachträglich online stellen. Ich bitte deshalb um Geduld und Verständnis!