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Wildbiene des Jahres 2021: die Mai-Langhornbiene

Männchen der Mai-Langhornbiene

Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ hat für 2021 eine Biene gewählt, deren Männchen sich durch enorm lange Antennen auszeichnen und die sich im Frühling sehr auffällig benehmen: die Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens). Sie ist etwas größer als die Honigbiene, wirkt ein wenig plump und ist pelzig orange-braun behaart.

Die Mai-Langhornbiene hat besondere Ansprüche an ihre Nahrungspflanzen, denn sie besucht ausschließlich Schmetterlingsblütler. Das ist bei uns vor allem die Zaun-Wicke, die zur Flugzeit der Mai-Langhornbiene in Wiesen, an Wegrändern und Waldsäumen blüht. Die Männchen der Mai-Langhornbiene erscheinen deutlich vor den Weibchen meist ab Mitte April bis Anfang Mai und patrouillieren in rasantem Flug bevorzugt an Beständen der Zaun-Wicke. Dabei folgen sie auffällig stets den Flugbahnen, die von ihnen durch Duftmarken festgelegt wurden, und erwarten die Weibchen.

Das Nest legen die Weibchen in der Erde an vegetationsfreien oder nur spärlich bewachsenen Stellen an. Das sind ebene Flächen oder Böschungen bevorzugt mit lehmigen oder sandigen Böden. Die Weibchen häufen im hinteren Teil der Brutkammern den Pollenvorrat einfach an und formen ihn nicht, wie bei anderen Wildbienen üblich, zu einer Kugel. Nach Fertigstellung der Nester stirbt das Weibchen etwa Mitte Juni.

Gefährdung

Der Schlüssel für das Vorkommen der Mai-Langhornbiene sind ergiebige Bestände der Zaun-Wicke. Diese Pflanze ist zwar nicht gefährdet, doch musste vielfältiges Grünland hierzulande seit vielen Jahrzehnten einer stetig intensivierten Landwirtschaft weichen. Das blieb auch für vermeintlich „robuste“ Arten wie Eucera nigrescens nicht ohne negative Folgen.

Noch ist unsere Wildbiene des Jahres 2021 bundesweit betrachtet nicht gefährdet, doch wird sie teilweise in der Vorwarnliste geführt (Bayern, Sachsen-Anhalt), in Nordrhein-Westfalen gilt sie als gefährdet, in Sachsen als vom Aussterben bedroht. In Berlin ist die Art ausgestorben. Die Perspektiven sind also nicht gut, was eng mit dem mangelnden Angebot blütenreicher Wiesen zusammenhängt.

Das Anlegen blütenreichen Grünlandes, am besten aus dem Saatgut intakter Wiesen der Region, ist zur Förderung der Art ein guter Weg. In der Ackerflur liefern geeignete Blühmischungen mit hohem Anteil heimischer Schmetterlingsblütler eine Verbesserung des Nahrungsangebotes. Zum Schutz der Bodennester sollten die Flächen dort unbedingt mehrjährig bestehen. Zudem ist der Bestandsschutz der noch verbliebenen Wiesen und deren schonende Bewirtschaftung mit einem ersten Schnitt nicht vor Anfang Juni das Gebot der Stunde.

Lebensräume im Siedlungsraum

Auch Gärten und öffentliche Grünflächen in den Siedlungen bieten viele Möglichkeiten, Lebensräume für Eucera nigrescens zu schaffen. Es kommt auf das Angebot passender Nahrungspflanzen und offener Bodenstellen zur Nestanlage an. Der Mai-Langhornbiene kann also auch in unserem unmittelbaren Wohnumfeld wirksam geholfen werden!

Auf dem folgenden Bild sieht man eine blühende Zaun-Wicke direkt auf einer Grünfläche unter dem Wilden Meter mitten in München. Sie gehört zu einem Wildblumen-Projekt zur Förderung von Insekten im urbanen Raum, das ich zusammen mit dem „Nachbarschaftstreff im Arnulfpark“ initiiert habe. Auf dieser Fläche haben wir nicht das Substrat ausgetauscht, sondern Stauden zur Artenanreicherung eingepflanzt und die Pflege auf zweimalige Mahd mit der Sense umgestellt. Die Zaunwicke kann nun zur Blüte kommen.

Zaunwicke (Vicia sepium)
Liebste Pollenquelle der Mai-Langhornbiene: die Zaunwicke (Vicia sepium)

Der Wildbienenexperte Paul Westrich schreibt dazu auf seiner Website: „Die Zaun-Wicke als wichtigste Pollenquelle der Mai-Langhornbiene verträgt häufiges Mähen nicht. Mit ihrem Verschwinden erlöscht auch der lokale Bestand der Langhornbiene. Wiesen, die noch eine Funktion als Lebensraum dieser Wildbienenart haben sollen, dürfen nicht mehr als zweimal im Jahr gemäht werden, wobei der erste Mahdtermin nicht vor Mitte Juni liegen sollte. Leicht kann dieser Schmetterlingsblütler auch im Garten angesiedelt werden. Er lockt dann die Mai-Langhornbiene und ihre Kuckucksbiene sogar in den eigenen Garten, wie ich das seit vielen Jahren bei mir beobachte. Geeignete Nistplätze suchen sich die Weibchen selbst.“

Auf unserer kleinen Wildblumenfläche im Arnulfpark konnte ich die Mai-Langhornbiene an den Zaun-Wicken bisher noch nicht beobachten. Aber sie ist in München im rund vier Kilometer Luftlinie entfernten Botanischen Garten zuhause. Vielleicht kommt sie ja doch einmal vorbei.

Hintergrund

Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ wählt seit 2013 jährlich eine besonders interessante Wildbienenart aus, um an ihrem Beispiel die spannende Welt dieser Tiere bekannter zu machen. Zugleich soll die Wildbiene des Jahres dazu ermuntern, „in die Natur“ zu gehen und das Tier in seinem Lebensraum aufzusuchen. Damit wirkt die Initiative auch im Sinne einer Wissenschaft für alle (Citizen Science) und bringt mehr Klarheit über das aktuelle Vorkommen der Wildbiene des Jahres. Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ ist beim Arbeitskreis Wildbienen-Kataster angesiedelt, einer Sektion des Entomologischen Vereins Stuttgart 1869 e.V.

Der NABU Baden-Württemberg unterstützt die Initiative „Wildbiene des Jahres“

Weitere Informationen zur Mai-Langhornbiene:

Flyer Wildbiene des Jahres 2021

Die Flyer zu den Wildbienen der Jahre 2013 bis 2020 können auf der Website des Wildbienen-Katasters heruntergeladen werden:  www.wildbienen-kataster.de

Informationen zu Mai-Langhornbienen auf der Website des Wildbienen-Experten Paul Westrich

Wildbienen im Botanischen Garten München

Wildblumenwiesen im Arnulfpark

Wildbiene des Jahres 2020: die Auen-Schenkelbiene


Quelle: Pressemeldung des Wildbienen-Katasters Baden-Württemberg und eigene Ergänzungen
Titelfoto Mai-Langhornbiene: Felix Fornoff

4 Kommentare zu “Wildbiene des Jahres 2021: die Mai-Langhornbiene

  1. Schon erschreckend, dass sogar einst so häufige Arten mehr und mehr veschwinden! Auf meiner Wiese hinter’m Haus sind etliche Vogelwicken drin. da werde ich mich die nächste Zeit mal „auf die Lauer legen“ ;-).

  2. Zaunwicken habe ich im Garten. Da müsste die Biene nicht weit sein …. Werde in der nächsten Saison ein Auge auf sie haben. So schön, das kleine Tierchen.

    Alles Gute zum Jahreswechsel wünsche ich dir

    Regula

  3. Oh, ich danke Dir, dass Du wieder einmal so wunderbar umfassend zu einem Thema blogst. Ich lerne bei Dir so viel und möchte mich für Deine Mühe bedanken. Ne Zaumwicke hab ich leider nicht. Staudenwicke versuche ich seit letzten Jahr in einem großen Topf zu etablieren. Ach, ich muss dringend ein Stückchen Grün zur Adoption finden. Am Besten noch einen größeren Fleck, damit wir unsre eigenen Blumen anbauen können. Ich hab noch Mitte Dezember 250 Blumenzwiebeln in unsere Töpfe vergesellschaftet. Ich bin ja soooo gespannt… Hab einen geschmeidigen Rutsch in ein fabelhafte 2021!

  4. Interessant, die kenne ich noch nicht! Sieht hübsch aus. Ich bin etwas verwirrt mit den vielen Wicken. Steht diese Art nur auf die Zaunwicken? Es gibt ja noch andere Arten, die man eher mal sieht, so wie die Vogelwicke. Ich bin gespannt. Dieses Jahr „lief“ mir erstmalig die Auen-Schenkelbiene über den Weg, wenn ich das so sagen darf. Da wußte ich noch nicht, daß sie die Wildbiene des Jahres 2020 ist. Wäre also schön, wenn ich diese nächstes Jahr entdecken dürfte. Auf der Baumscheibe wächst auch eine Wickenart, allerdings mit sehr kleinen rosa Blüten. Zeitweilig nahm die so überhand, daß ich etwas zurückschneiden mußte. Wenn das die richtige Wicke wäre, gäbe es ein reichhaltiges Angebot. Fast ist es schon wieder unglaublich, daß eine einstmals so häufige Blume am Verschwinden ist. Danke fürs Aufmerksam machen! Nachträglich wünsche ich noch schöne Weihnachtsfeiertage gehabt zu haben. Ich wollte mich melden…Komm gut rüber, falls wir uns nicht mehr hören. LG von Balkon zu Balkon!

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