Susannes Stauden-Tipps: Sämlinge richtig pikieren

Susannes Staudentipps: #3 Sämlinge pikieren

Ich schenke gerne Blumen. Sträuße aus dem Blumenladen sind aber häufig mit Pestiziden belastet und haben zudem eine schlechte CO2-Bilanz. Deshalb bin ich umgestiegen auf Töpfchen mit Wildpflanzen vom eigenen Balkon. Die blühen mehrere Jahre, sind nützlich für Bienen und zudem noch kostengünstig. Bisher habe ich den Staudenkindergarten immer im Freestyle ausgegraben und eingepflanzt, oft nicht erfolgreich. Auf meinen Wunsch erklärt Staudengärtnerin Susanne deshalb heute, wie es richtig geht:

„Wildstauden sollen sich aussäen! Und das machen sie meist auch reichlich, oft sogar sehr reichlich! Allerdings nicht immer am gewünschten Ort! Deshalb ist im Mai und Juni Pikieren angesagt.

Pikieren bedeutet das Vereinzeln der Sämlinge. Sobald die Sämlinge ihre ersten richtigen Blätter (die allerersten Blätter werden Keimblätter genannt) bilden, ist der richtige Zeitpunkt gekommen.

Regensburger Gaißklee (Chamaecytisus ratisbonensis)
Sämlinge des Regensburger Gaißklees (Chamaecytisus ratisbonensis) in einem Pflanzgefäß , die pikiert werden müssen.

Oft haben die Samen einen richtigen Teppich an Sämlingen gebildet, sie alle drängen sich dicht an dicht und wachsen dem Licht entgegen.

Campanula rotundifolia
In diesem Pflanzgefäß drängeln sich Kinderchen der Rundblättrigen Glockenblume (Campanula rotundifolia)

In diesem Gewimmel sind die Pflänzchen besonders anfällig für Pilzkrankheiten, welche sich dann ungehindert kreisförmig im Bestand ausbreiten und die Kleinen zum Umfallen und Absterben bringen.

Deshalb rechtzeitig Hand (oder Stab) anlegen und den Sämlingen mehr Platz verschaffen!

So geht’s:

1. Richtiges Wetter. Am besten bei bedecktem oder kühlem Wetter arbeiten, ansonsten in der Früh, wenn es noch nicht so heiß ist.

2. Pflänzchen herausnehmen. Sämlinge vorsichtig mit einem Pikierstab oder Stöckchen oder Stift aus der Erde heben (nächstes Bild links). Ich nehme die Pflanzen immer in Portionen heraus und verarbeite diese dann, bevor die nächste Portion dran kommt. Besonders kleine Sämlinge kann man auch in `Tuffs´ pikieren, das heißt zu mehreren (zwei bis fünf Stück).

3. Wurzeln kürzen. Die zu langen Wurzeln sauber auf ungefähr Daumenbreite einkürzen (nächstes Bild rechts). Weiche Wurzeln kürze ich mit den Fingernägeln, zähe kann man gut mit der Schere kürzen.

Pikieren: Sämlinge ausgraben und Wurzen kürzen
Schritt 1 und 2: ausgraben und Wurzel kürzen

4. Pflanzloch. Loch vorbohren, entweder in kleinen Töpfchen oder, wie wir Gärtner es machen, in sogenannten Quick-Pot-Platten. Eierschachteln tun es übrigens auch. Man könnte auf dem Balkon die Pflänzchen auch gleich direkt an den gewünschten Standplatz setzen.

Pikieren: Loch vorbohren
Loch vorbohren

5. Einsetzen. Pflänzchen vorsichtig ins Loch senken, dabei die Wurzeln nicht umbiegen sondern senkrecht im Loch platzieren.

Pikieren: Pflanze einsetzen
Pflanze einsetzen

6. Festdrücken. Mit dem Pikierstab und dem Finger andrücken

7. Wässern. Gut eingießen

Alle Pflänzchen sind pikiert
Alle Pflänzchen sind pikiert, angedrückt und gegossen.

 

Gewächshaus mit vielen pikierten Pflänzchen.
Wildpflanzen-Kindergarten in der Gärtnerei

8. Umsetzen. Wir topfen die pikierten Pflanzen, sobald der Wurzelballen sich gut entwickelt hat. Meist so nach zwei bis drei Wochen. Im Privathaushalt können sie dann direkt an ihren Platz im Kasten oder Freiland.

9. Noch Hinweis zum Substrat. Als Erde für die Anzucht der kleinen Pflanzen eignet sich am besten Anzuchterde/Aussaaterde, die ist besonders fein und hat nur sehr wenig Nährstoffe, was die Entwicklung der Wurzeln fördert.“

Ackerglockenblumen-Sämlinge auf dem Wilden Meter

Ich werde als nächstes mehrere kleine Plantagen von Acker-Glockenblumen pikieren. Die haben sich teilweise selbst ausgesät, teilweise habe ich die von mir geernteten Samen in andere Pflanzgefäße gestreut, um zu sehen, was passiert, ob es funktioniert mit der eigenen Nachzucht und um vielleicht das ein oder andere Pflänzchen ausgraben zu können. Die Samen haben großflächig gekeimt und ich musste die Sämlinge in einigen Pflanzgefäßen wieder jäten. Die hätten alles zugewachsen. Dieses Jahr mache ich das dann gezielter. In einem Kasten hab ich eine Handvoll wachsen lassen. Die werde ich nun nach Anleitung pikieren und verschenken.

Falsch: Acker-Glockenblumen-Kindergarten auf dem Wilden Meter. Ich habe einige Sämlinge der Acker-Glockenblumen vereinzelt, aber wieder zusammen in einen Topf gepflanzt. Außerdem hab ich auch noch einen Zimbelkraut-Sämling (links vorne) dazu gesetzt.
Ackerglockenblumen, die sich auf dem Wilden Meter in den Blumenkasten darunter ausgesät haben.

Kurz vor Redaktionsschluss habe ich schon mal zwei Pflänzchen für ein Foto pikiert. Wenn sie schön weiterwachsen, kriegt sie meine Schwiegermutter Mitte Juni zum Geburtstag.

Nachhaltiges Blumengeschenk: Pikierte Wildstauden
Nachhaltiges Blumengeschenk für Menschen mit Balkon, Terrasse oder Garten: pikierte Wildstauden im Töpfchen.

 

Gärtner-Wissen für Leser des Wilden-Meter-Blogs

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Die Staudengärtnerin und Landschaftsarchitektin (Dipl.-Ing.) Susanne Spatz-Behmenburg betreibt die Bioland-Staudengärtnerei Spatz & Frank in Kreilhof bei Peißenberg, etwa 60 Kilometer südlich von München.  Momentan werden ca. 700 verschiedene Arten von heimischen Wildstauden und deren Sorten direkt in der Gärtnerei vermehrt. Über den Naturgartenverein haben Susanne und ich uns kennengelernt.

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