Balkonbesuche Rubrik Wildpflanzen

Balkonbesuch: Bei Steffi in Hamburg

Balkonbesuch bei Steffi in Hamburg

„Mein Balkon explodiert gerade“, schrieb mir Steffi vor ein paar Tagen. Diese Blütenexplosion hat auch die Jury des Pflanzwettbewerbs „Wir tun was für Bienen“ im vergangengen Jahr überzeugt, die der Hamburgerin den ersten Preis in der Kategorie Balkone verlieh. Das Titelfoto wurde genau vor einem Jahr aufgenommen. In der Rubrik „Balkonbesuche“ nimmt uns Steffi heute mit auf ihren Südbalkon, berichtet über ihre Erfahrungen, stellt ihre Top 10 Balkonpflanzen vor und gibt viele Tipps, wie auch Sie Ihren Balkon zum Explodieren bringen.

„Für Pflanzen, Vögel und Insekten habe ich mich eigentlich schon immer interessiert. So habe ich als Kind selbstgezeichnete Bestimmungsbücher hergestellt, mit meiner kleinen Pocketkamera mit Vorliebe Blüten fotografiert und meine Eltern auch immer wieder überredet, dass ein Blumenkasten des Balkons nur mir gehört. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich dort ausschließlich Samen gesät und mit Begeisterung den Pflanzen beim Wachsen zugeschaut. Inzwischen kann ich mich aber austoben, mit einem Kleingarten und einem ca. drei Quadratmeter großen Balkon mitten in Hamburg.

Wildbienenhelfer

Für naturnahes Gärtnern interessiere ich mich schon länger, aber mit dem Thema Wildbienen infizierte ich mich erst Anfang 2018, als ich das Buch „Wildbienenhelfer“ von Anja Eder las. Ich wollte immer mehr über diese faszinierende Welt der kleinen Blütenbestäuber wissen und darüber, was wir für sie tun können. Wir gestalteten unseren Garten bienenfreundlich um und waren begeistert, wie schnell Bienenweiden und natürliche Nistmöglichkeiten angenommen wurden.

Im letzten Jahr wollte ich nun wissen, wie ich auch auf dem Balkon die Artenvielfalt unterstützen kann, und was auch auf kleiner Fläche möglich ist. Im April 2019 startete ich mein Balkonprojekt und fing langsam aber kontinuierlich an, im dritten Stock ein kleines Insektenparadies zu schaffen. Hatte ich in den letzten Jahren unseren Balkon etwas stiefmütterlich behandelt, da wir ja einen Garten besitzen, sollte dieses Jahr eine große Pflanzenvielfalt einziehen. Ich hatte zwar immer schon Pflanzen, aber bisher kaufte ich eher nach Angebot und Farben und pflanzte kaum mehrjährige Stauden.

Den Standort beachten

Bevor ich Stauden und Saatgut kaufte, musste ich mich erst mal mit den Gegebenheiten befassen. Wir haben einen Südbalkon, der zu einem Innenhof schaut. Je nach Sonnenstand und Jahreszeit haben wir von früh morgens bis ca. 16 Uhr Sonne. Was ich aber schnell feststellen konnte, nicht überall. Schließlich wirft auch der Balkon über uns Schatten und auch etliche meiner Kübel und Pflanzen selbst. Die Sonnenhungrigsten landeten am Geländer vorne. An den Seiten und auf der Erde standen jene, die auch Halbschatten akzeptierten. Und dann gab es auch noch Plätze, die nur sehr wenig Sonnenlicht abbekamen, was dazu führte, dass ich manche Kübel im Tagesverlauf hin und her schob. Durch die Innenhofsituation ist es teilweise sehr windig auf unserem Balkon.

Wir haben ein Geländer um unseren Balkon, wo man sehr gut Halter für Töpfe und Kästen anbringen kann, sowohl nach außen als auch nach innen. Wenn es auch laut Hausordnung eigentlich nicht erlaubt ist, nach außen Pflanzen aufzuhängen. Ich achte aber darauf, dass die Töpfe gut gesichert sind, nicht zu schwer werden und kein Gießwasser die Nachbarn belästigt.

Durch die Nutzung in beide Richtungen lässt sich aber die Blühfläche enorm vergrößern. Die Stauden, die mit einem Platz auf dem Boden vorlieb nehmen mussten, häufig schon allein wegen der Kübelgroße, nutzen die Möglichkeit durch das Gitter zu wachsen. Sie erhalten so mehr Sonnenstunden, und ich habe einen bunten natürlichen Sichtschutz.

Der Einkauf

Ich kaufte etliche Balkonhalter für Töpfe und Kübel, bekam aber auch von Nachbarn und Familie nicht mehr benötigte Blumentöpfe und Untersetzer in allen Größen geschenkt. Vor einem Kleingarten standen Second-Hand-Töpfe zum Mitnehmen und sogar in einem Blumenladen erhielt ich gegen eine kleine Spende ausrangierte Kübel und Untersetzer. Es lohnt sich also immer, die Augen offen zu halten und mit anderen ins Gespräch zu kommen. Flohmärkte und Nachbarschaftsnetzwerke sind auch kostengünstige Quellen.

Hauptsächlich benutze ich Terrakottatöpfe, für kleine Sämlinge nutze ich überwiegend die viereckigen Plastiktöpfe, in denen ich die meisten meiner Stauden kaufte. Für Pflanzen mit Pfahlwurzeln habe ich die großen Kübel auf der Erde reserviert. Ebenfalls besitze ich noch zwei Plastikblumenkästen, aber ich habe lieber Töpfe am Geländer. Ich kann sie schnell und unkompliziert hochnehmen, wenn zum Beispiel Dauerregen einer Pflanze zu schaffen macht, ich sie schneiden will oder ihr Standort getauscht werden soll. Die Balkonhalter haben einen integrierten Unterteller, trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein zusätzlicher passender Plastikunterteller vorteilhaft ist. Kommt zum Beispiel zu viel Wasser von oben oder aus der Gießkanne, so kann ich es schnell und unkompliziert für einen späteren Einsatz in die Gießkanne schütten. Die meisten meiner Pflanzen mögen lieber einen trockenen Fuß, bis auf den Blutweiderich – aber dazu komme ich später.

Bis die ersten Pflanzenmärkte stattfanden, las ich das Wildpflanzen-Topfbuch von Reinhard Witt, und so konnte ich mit reichlich Vorwissen meine Einkäufe starten. Anfang April ist immer ein großer Pflanzenmarkt auf dem Gut Karlshöhe in Hamburg-Bramfeld. Viele Wildstaudengärtnereien, Naturschutzvereine, Biogärtner und private Anbieter sind mit einem großen Angebot vor Ort. Praktischerweise kann man immer gleich die wichtigsten Informationen zu seinen gekauften Stauden abfotografieren.

Zu Hause habe ich anschließend Holzstäbchen mit den Namen beschriftet und in die entsprechenden Pflanzen gesteckt, da ich sonst ganz sicher schnell den Überblick verloren hätte. Anfangs sehen sich die noch kleinen Stauden oft ähnlich. Zwei weitere Bezugsquellen sind noch eine Biogärtnerin auf unserem Wochenmarkt und ein monatlicher kleiner Pflanzenmarkt im Garten des NABU Hamburg. Außerdem habe ich regionales samenfestes Saatgut von Rieger-Hoffmann, Bingenheimer und Samen aus meinem Garten verwendet.

Jede Staude und jeder Sämling bekommt sein individuell gewünschtes Substrat
Jede Staude und jeder Sämling bekommt sein individuell gewünschtes Substrat.

Balkon Erfahrungsbuch

Sehr hilfreich finde ich das Anlegen eines Balkon-Büchleins. Ich habe mir die wichtigsten Informationen zu meinen Stauden aufgeschrieben; Standort, Blüte, Wuchsform, Winterschutz, gewünschtes Substrat, Besonderheiten und eigene Erfahrungen.

Somit erspart man sich umständliches Recherchieren in Büchern oder im Internet und hat alles immer schnell zur Hand. Erweitert habe ich das Heftchen dann noch mit Erfahrungen zum Biologischen Pflanzenschutz, das Notieren der Insektenbesucher, woher die Samen und Stauden kamen, Keimbedingungen zu den unterschiedlichen Samen, Top und Flops, Wetterbeobachtungen, eine Wunschliste neuer möglicher Pflanzen usw. Bei mir ist es inzwischen ein kleiner Schatz geworden, der mir häufig schnelle Antworten gibt. Und ich freue mich schon auf die Erweiterung in den nächsten Jahren.

Meine Balkonutensilien

– Eine 5-Liter-Gießkanne und eine kleine Kanne mit sehr dünner Tülle (geeignet für Sämlinge und kleinere Töpfe am Außengeländer, um ein Rüberschwappen zu verhindern)
– Eine Sprühflasche (zum Bestäuben der Pflanzen mit Brennesselkaltauszug, Zwiebeltee etc.)
– Eine Gartenschere
– Ein Löffel (hilfreich bei Pflanzung in kleinen Töpfen. Mit dem Stiel pikiere und pflanze ich kleine Sämlinge, lockere ungewollte Beikräuter vor dem Entfernen)
– Eine Gabel (fester Boden lässt sich damit gut lockern)
– Stäbe, Äste und Pflanzklammern
– Kleine Plastiktöpfchen (um unbekannte Sämlinge zu separieren oder schnelle Pflanzengeschenke zu fertigen)

Das Substrat und Düngen

Im Frühjahr mischte ich zu einem Drittel Kompost, ein Drittel torffreie Bio-Gartenerde und ein Drittel Sand. Anfangs kaufte ich Spielsand, bin dann aber zu Quarzsand umgestiegen. Je nach Pflanze wurde die Mischung noch individuell verändert. Einige Stauden bekamen auch eine Schicht Blähton in den Topf. Dies habe ich vor allem bei den besonders Staunässe-Empfindlichen beigemischt.

Nun habe ich das Glück, dass ich wenige Hundert Meter entfernt von meiner Wohnung einen Kleingarten habe, und es ist kein großer Aufwand, die Grünabfälle des Balkons in den Garten mitzunehmen und im Gegenzug immer einen Eimer Komposterde auf dem Balkon vorrätig zu haben. Aber wer keinen Garten besitzt, der hat meist auch Möglichkeiten, günstig an Komposterde zu kommen. In Hamburg erhält man zum Beispiel an allen Recyclinghöfen für 3,50 Euro 30 Liter hochwertige Komposterde. Dieser Kompost ist mit dem Gütesiegel der Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V. ausgezeichnet.

Ich liebe Kompost und bin fasziniert von dem Kreislauf, der unsere biologischen Abfälle in eine kostbare, gut riechende, nährstoffreiche Erde verwandelt. Da in unserer Erde auch sämtliche Samen überleben, haben wir nun auch auf dem Balkon in jedem Topf noch kleine Überraschungspflanzen, was ich sehr spannend finde. So wachsen auch ungefragt zum Beispiel Ringelblumen, Katzenminzen, Dill, Buchweizen, Mutterkraut, Brunnenkressen, Duftsteinrich, Akelei, Margeriten und Vergissmeinnicht. Das führt zu viel Abwechslung in den Pflanzungen und auch noch zu späten Blüten. Dazu kommt noch die Selbstaussaat, zum Beispiel habe ich im Herbst etliche Malvensämlinge entdeckt.

Hin und wieder wachsen auch kleine Brennnesselpflanzen, die ich gerne als Tee trinke. Bei der Ernte entferne ich dann auch die Wurzeln, da sie schnell die Kübel durchwurzeln. Im Garten lasse ich natürlich größere Bestände auch für Schmetterlingsraupen stehen, aber auf dem Balkon habe ich dafür einfach zu wenig Platz.

„Düngen heißt nicht, die Pflanzen füttern, sondern den Boden beleben!“ Dr. Fritz Caspari

In meinem ersten Wildpflanzen-Balkonjahr habe ich ausschließlich mit Kompostbeimengungen gedüngt. Die meisten Pflanzen erhielten die Gabe zum Start in der schon beschriebenen Drittel-Mischung. Pflanzen in sehr kleinen Töpfen und manch nährstoffliebende Stauden bekamen je nach Bedarf auch zwischendurch kleine Gaben. Nutzt man Komposterde, muss man auch immer darauf achten, wie gehaltvoll sie gerade ist. Da sie teilweise extrem viel Feuchtigkeit speichern kann, und damit die empfindlichen kleinen Wurzeln der Pflanzen schädigt, muss sie manchmal stark abgemagert werden. Zur Anzucht, habe ich überhaupt keinen Kompost beigemengt, damit die Sämlinge sich gut und langsam entwickeln können. Dafür habe ich nur die Bio-Gartenerde verwendet, teilweise noch mit Sand vermischt.

Sind die Töpfe schon randvoll, funktioniert auch Komposttee sehr gut. Den mögen alle meine Stauden gerne. Eine Vielzahl von Mikroorganismen, die zur Pflanzengesundheit beitragen, landet dann in den Kübeln. Ich fülle Kompost in Teefilter und hänge sie über Nacht in mit Wasser befüllte Gießkannen. Meist verweilt er dort zwischen 16-24 Stunden und wird zwei bis drei Tage hintereinander verwendet. Man findet viele Berichte und Studien zu diesem Thema im Internet. Etliche Bodenlebewesen wie Hundertfüßer, Kompostwürmer und Kellerasseln sind nun als Beigabe vom Kompost in die Kübel umgezogen und scheinen sich dort auch wohl zu fühlen. Manche erwischen auch einen Rücktransport im Eimer mit Grünabfällen, wenn sie nicht vorher von Vögeln entdeckt wurden.

Auch eine Mulchdecke kann die Bodenbelebung unterstützen. Ich habe mit Brennnesseln experimentiert. So konnten die Kübel im Sommer die Feuchtigkeit im Substrat besser halten, wenn Brennesselpflanzen als Mulch die Erdoberfläche bedeckten. Bei der langsamen Zersetzung der Blätter wurden auch noch Nährstoffe freigesetzt und selbst mit bloßem Auge konnte ich das Leben unter ihnen wahrnehmen. Im Herbst habe ich einige Stauden mit einer Kompostgabe versorgt und auch die Oberfläche mit einer Gabel etwas aufgelockert.

Biologischer Pflanzenschutz

Anfang Mai im letzten Jahr hatte ich plötzlich sehr viele Blattläuse. Auch Mehltau entdeckte ich an einigen Pflanzen. Viele Töpfe hingen und standen eng beieinander, was es sicher begünstigte. Nach einiger Recherche entschied ich mich für das Sprühen mit Brennnesselkaltauszug gegen die Vermehrung von Blattläusen. Sie werden dadurch nicht getötet, sondern es wird einfach etwas ungemütlich für die kleinen Läuse. Und die Pflanze wird durch die Inhaltsstoffe gestärkt. Gegen den Mehltau ging ich mit verdünntem Zwiebel-Knoblauchtee vor, der auf betroffene Pflanzenteile gesprüht wurde. (Anm. d. Red.: Die Rezepte für den Brennnesselkaltauszug und den Zwiebel-Knoblauchtee findet man am Ende des Artikels).

Dann kam allerdings ganz von alleine der Einzug einer großen Schar von Marienkäfern, und ihre Larven waren sehr gefräßig. An etlichen Blattunterseiten konnte ich die Eier von Marienkäfern und Schwebfliegen entdecken. Und Anfang Juni gab es keine einzige Blattlaus mehr auf meinem Balkon. Was nun letztendlich zum Erfolg führte, weiß ich nicht. Ich tippe mal auf den Hunger der Larven. Aber es kamen auch noch häufig unterschiedliche Grabwespen und Vögel vorbei, die sich ebenfalls für Blattläuse interessierten.

Auch der Mehltau an Mutterkraut und Eisenkraut verschwand, nachdem ich befallene Stellen mit dem unverdünnten Tee über zwei Wochen eingesprüht hatte. Zusätzlich versorgte ich die Pflanzen mit einer kleinen Kompostgabe und achtete darauf, dass ich beim Gießen nur die Erde und nicht das Blattwerk mit Wasser benetzte. Auch auf dem Balkon regelt die Natur vieles selber. Erst im Oktober zogen wieder ein paar Schwarze Bohnenläuse an der Kapuziner Kresse ein. Der Befall hielt sich aber in Grenzen.

Bewässerung

Ich nutze eine 5-Liter-Gießkanne ohne Tülle und eine kleine Kanne mit sehr schmaler Öffnung. Bevorzugt gieße ich mit abgestandenem Wasser, deswegen stehen die Kannen eigentlich immer gefüllt auf dem Balkon. Zusätzlich habe ich noch einen Krug in der Küche, wo ich das Wasser meiner häufig genutzten Wärmflasche abgießen kann, und natürlich fange ich auch das Wasser beim Kartoffel- und Gemüsewaschen auf.

Ich habe sehr viele Pflanzen, die es lieber trocken mögen, und manchmal habe ich mit dem Gießen auch gewartet, bis sie mir ihren Durst anzeigen. Natürlich will ich sie nicht dauernd in Stress versetzen, aber ich brauchte erst mal ein Gefühl fürs Gießen, und zu trocken ist meist besser als zu feucht.

Die Pflanze an der Brüstung habe ich eigentlich nur in den Sommermonaten gegossen oder bei Bedarf. Alle anderen Kübel, die kein Regenwasser abbekommen, gieße ich ca. zweimal die Woche. Im Sommer auch mal häufiger, im Herbst eher weniger. An sehr heißen Tagen habe ich alle Pflanzen täglich gegossen, allerdings mit unterschiedlichen Mengen. Die Malven waren zum Beispiel sehr durstig und forderten teilweise sogar eine zweite Gabe. Der Teufelsabbiss und vor allem der Blutweiderich mochten es immer gerne feucht, so dass auch noch der Untersetzer zusätzlich mit Wasser gefüllt wurde. Die meisten bei mir bevorzugen aber die Trockenheit.

Der Vorteil bei der seltenen Wassergabe ist, dass sich Pilzkrankheiten nicht so schnell ausbreiten, wenn dann auch noch zusätzlich darauf geachtet wird, dass nur die Erde begossen wird und die Blätter dabei trocken bleiben. Außerdem können sich wohl die Wurzeln besser ausbilden. Die heimischen Pflanzen sind ja darauf eingestellt, dass es nicht täglich regnet. Auch wenn sie sich in einem Kübel befinden, sind sie sehr genügsam, und außerdem haben wir als Balkongärtner durch die Nähe zu unseren Pflanzen ja alles im Blick.

Bepflanzung

Ziemlich schnell wuchs die Anzahl der Kübel und Töpfe auf meinem Balkon. Im Mai zählte ich 80! Fast die Hälfte hing an der Brüstung. Der Balkonboden glich eher einer Wiese, da kaum Lücken zwischen den Kübeln zu erkennen waren, und der Tisch wurde auch umfunktioniert und mit etlichen Töpfen bestückt, da von morgens bis nachmittags die Sonne so schön darauf schien. Geplant hatte ich diese Menge eigentlich nicht. Aber die anfangs noch sehr kleinen Stauden wurden langsam aber kontinuierlich immer größer, und auch meine Aussaat ging gut auf und brachte etliche Pflanzen hervor. (Anm. d. Red.: Die aktuelle Pflanzliste befindet sich am Ende des Artikels als PDF zum Herunterladen.)

März 2019 – Das Projekt Wildpflanzenbalkon kann beginnen
März 2019 – Das Projekt Wildpflanzenbalkon kann beginnen.
Juni 2019 - Balkonwiese
Juni 2019 – Balkonwiese

Hier kommen die TOP 10 unserer Balkonpflanzen:

Wir haben versucht, die Blühdauer, das Nektar- und Pollenangebot, den Pflegeaufwand sowie die Vielfalt der Blütenbesucher in die Entscheidung mit einzubeziehen.

1. Malven:
Ich habe Wilde Malven, Rosenmalve und Mauretanische Malve. Alle sind wunderbar kübelgeeignet, kommen auch gut mit Trockenheit zurecht. Wenn der Kübel groß ist, wird auch die Pflanze sehr groß. Ist es ein kleiner Topf, so wächst sie nicht ganz so in die Höhe, bildet aber trotzdem über Monate immer wieder neue Blüten. Die Staude produziert reichlich Nektar und Pollen. Deshalb sind die Blüten immer von vielen Bienen umschwärmt. Honigbienen, unterschiedliche Hummelarten, Sandbienen, Scherenbienen Schmal- und Furchenbienen konnten wir entdecken, mit vielen Pollenkörnern bestäubt verlassen sie wieder die Blüte Außerdem suchen viele Insekten die Blüten regelmäßig als Schlafplatz auf, was wir auch beobachten konnten.

Die Mauretanische Malve blüht von Mai bis zum Herbst. Bei mir ist sie über zwei Meter hoch und wächst in alle Richtungen, auch durch das Geländer.
Die Mauretanische Malve blüht von Mai bis zum Herbst. Bei mir ist sie über zwei Meter hoch und wächst in alle Richtungen, auch durch das Geländer.
Honigbiene im Anflug
Honigbiene im Anflug

 

2. Skabiosen:
Mehrere Taubenskabiosen und eine Gelbe Skabiose gibt es auf unserem Balkon. Sie haben ebenfalls eine lange Blühdauer und reichlich Nektar und Pollen. Die hübschen Blüten werden von unterschiedlichen Hummelarten, Maskenbienen, Furchenbienen, Sandbienen, Schwebfliegen und Schmetterlingen besucht. An der Gelben Skabiose haben wir auch sehr viele Honigbienen gesichtet. Gerne schlafen Hummeln an den Blüten. Bei Regen suchten öfter Honigbienen Schutz unter den Blüten. Auch die trockenen Blütenköpfe sehen interessant aus.

Ein Rotendige Sandbiene
Rotendige Sandbiene auf einer Tauben-Skabiose

3. Glockenblumen:
Es gibt bei uns Polsterglockenblume, Ackerglockenblume, Rapunzelglockenblume, Pfirsichtblättrige und Rundblättrige Glockenblume. An ihren Blüten waren die meisten unterschiedlichen Wildbienen zu finden. Zum Beispiel Große und Kleine Glockenblumenscherenbiene, Gartenblattschneiderbiene, Furchenbienen, Zweifarbige Sandbiene, unterschiedliche Hummelarten. Die kleinen Stauden benötigen keine großen Töpfe und bilden trotzdem immer wieder neue Blütenstängel mit neuen Blüten. Auch mit Halbschatten kommen sie gut zurecht. Durch die unterschiedlichen Sorten haben wir eine lange Blühdauer vom Frühjahr bis in den Herbst.

Acker-Glockenblume
Acker-Glockenblume mit einer Wildbiene.

4. Fetthennen:
Ich habe eine gelbe Bodendecker-Fetthenne, Niedrige und Hohe Fetthennen. In ihren Blühzeiten wechseln sie sich ab. Da sie gut Wasser speichern können, kommen sie gut mit Trockenheit zurecht und begnügen sich auch mit kleineren Kübeln. Die Blüten haben immer reichlich Besuch uuner anderem von Maskenbienen im Dutzend, Furchenbienen, unterschiedlichen Hummeln, Honigbienen und Schwebfliegen.

Maskenbiene auf der Blüte einer Fetthenne
Fetthenne und Maskenbienen-Gäste

5. Thymian:
Eigentlich gehören sämtliche Küchenkräuter in die Hitliste. Aber der Thymian, bei uns vor allem ein weißblühender Thymian, ist der absolute Insektenmagnet. Von morgens bis abends ist er gleichzeitig von unterschiedlichen Hummeln, Furchenbienen, Honigbienen, Maskenbienen und Schwebfliegen belagert. Wir haben noch Feld-, Zitronen- und Frühblühenden Thymian, welche sich auch sehr wohl im Topf fühlen und ebenfalls Insektenbesuch bekommen. Sie wachsen alle kompakt, duften gut und lassen sich vielseitig in der Küche verwenden.

Thymian
Steinhummel erfreut sich am Nektarangebot des Thymians.

6. Zwerg-Ysop:
Ysop zieht bei uns viele Hummeln, Furchenbienen und Schmetterlinge an. Außerdem ‚wohnt‘ ein Nachtfalter in unserer Staude. Die Pflanze duftet gut, ist in der Küche zu verwenden und soll auch Schädlinge fernhalten. Die blaulila Blüten sind sehr hübsch, das Nektarangebot wird als sehr hoch angegeben.

Zwerg-Ysop
Zwerg-Ysop – und eine klitzekleine Furchenbiene

7. Katzenminze:
Wir haben die weiße und lila Katzenminzen. Wuchs und Wasserbedarf sind unterschiedlich, trotzdem kommen beide im Kübel gut zurecht. Die weiße mag es gerne etwas feuchter und nahrhafter. Durch Rückschnitt der Blüten kommen sie zur zweiten oder sogar dritten Blüte. Alle Katzenmimzen blühen auch noch im Herbst bei uns. In sämtlichen Töpfen finde ich inzwischen kleine Sämlinge. Viele Mauerbienen, Hummeln, Furchenbienen, Maskenbienen und Honigbienen konnten wir beobachten.

Furchenbienchen besucht Katzenminze
Ein Furchenbienchen besucht die Katzenminze.

8. Duftnessel:
Die Duftnessel ist vor allem ein Hummelmagnet. Aber auch Sandbienen und Furchenbienen konnte ich an den Blüten beobachten. Die Pflanze ist riesig geworden, ein schöner Sichtschutz mit unzähligen Blüten. Hummeln schlafen gerne an den Blüten. Das habe ich häufig beobachten können. Die Pflanze sieht auch im Winter sehr attraktiv aus. Es ist eine der wenigen Stauden, die von mir einen Winterschutz erhalten hat.

Die Duftnessel (Agastache) ist im Spätsommer eine beliebte Bienenweide
Die Duftnessel (Agastache) ist im Spätsommer eine beliebte Bienenweide.

9. Minze:
Wir haben unter anderem Pfefferminze, Bergminze und Erdbeerminze. Alle unsere Minzen sind beliebt bei unterschiedlichen Hummeln, Furchenbienen, Maskenbienen und Honigbienen. Die Bergminze hat eine besonders lange Blühdauer und hat auch am meisten Insektenbesuch.

Ackerhummel erfreut sich an der Bergminze
Eine Ackerhummel nimmt Kurs auf die Kleine Bergminze.

10. Mutterkraut:
Das Mutterkraut ist durch Selbstaussaat in etlichen Kübeln. Es kommen immer neue Pflanzen und Blüten und es zieht vor allem Schmalbienen und Löcherbienen an. Diese Pflanze erhält sich vom Frühjahr bis in den Winter und benötigt nur wenig Erde.

Mutterkraut mit Schmetterling
Das Mutterkraut lockt einen Schmetterling an.

Auch etliche andere, wie zum Beispiel Natternkopf, Ringelblumen, Kornblumen und etliche Kräuter hätten es verdient. Aber es zeigt auch, dass man eine gute Auswahl hatte.

Was hat nicht so gut funktioniert?

Es gibt einige wenige Pflanzen, die in den Garten umgezogen sind, da sie sich dort besser entwickeln konnten. Zum Beispiel wurde die Alant-Staude schnell sehr groß, und die riesigen Blätter überdeckten sämtliche Kübel. Die rosa Königskerze blühte sehr hübsch und wurde auch von vielen Insekten besucht, aber sie hatte eine relativ kurze Blühdauer. Im Garten steht sie nun an einem trocknen sonnigen Magerrasenhang und konnte sich dort gut aussähen.

Den Teufelsabbiss habe ich im Herbst auch in den Garten gepflanzt, obwohl ich ihn auch für den Balkon für geeignet halte. Er blühte bei mir ab August bis in den Herbst und war eine super Nahrungsquelle für die Wildbienen und Schmetterlinge in einer Zeit, wo Nektar- und Pollenquellen langsam abnehmen. Auf meinem Balkon ist nun aber nicht sehr viel Platz, und deshalb habe ich am liebsten Stauden, die eine lange Blühdauer haben, und nicht einen Kübel bis zum Spätsommer ‚blockieren‘. Und als eine gefährdete Wildstaude kann der Teufelsabbiss sich nun wunderbar im Gärtlein vermehren.

Mehrere Brombeerstängel wurden von mir am Geländer und Tischbeinen befestigt und anschließend auch von Wildbienen entdeckt, die darin Niströhren anlegten. Man sollte aber vorher die Dornen abschneiden, denn ich habe mich häufig daran geratscht oder bin mit der Kleidung hängengeblieben.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich zu viele Sonnenliebhaber gepflanzt habe und die Auswahl der Stauden, die auch Halbschatten mögen, zu gering war. Auch bei einem heißen Südbalkon hat man unterschiedliche Standorte, wenn man vorhat, jeden freien Fleck zu nutzen. Zwar tolerieren die meisten Sonnenanbeter auch Halbschatten, aber sie entwickeln sich dann nicht ganz so gut, und es werden weniger Blüten gebildet.

Nistmöglichkeiten und Insektentränken

Auf der Fensterbank steht regengeschützt eine kleine Nisthilfe mit Pappröhrchen. Aus hohlen Pflanzenstängeln habe ich zusätzlich noch eine Dose damit befüllt. Zu Weihnachten bekam ich nun noch einen gebrannten Insektenstein aus Ton. Die Länge der Röhren betragen ca. zehn Zentimeter und die Durchmesser variieren von drei bis ca. neun Millimetern. Am Geländer und an den Tischbeinen sind senkrecht noch Brombeerranken und Stängel vom Waldgeißbart befestigt.

Ich muss zugeben, dass ich eigentlich lieber die natürlichen Nistmöglichkeiten in unserem Garten fördere und die Stängel und Röhrchen auf dem Balkon eher aus egoistischen Gründen zur Beobachtung habe. Mauerbienen, Maskenbienen, Löcherbienen und Grabwespen konnte ich beim Anlegen ihrer Niströhren zuschauen. Inzwischen sind auch vier der markhaltigen Stängel bezogen. Einer sogar von oben und unten, eine Brombeerrute interessanterweise von der Seite.

Und was mich sehr freut, dass nicht nur von mir vorbereitete, sondern auch natürliche Nistorte gefunden wurden. So sind zum Beispiel letztes Jahr im Spätsommer in den Stängeln von Sonnenblume, Dill und Ackerwitwenblume Niströhren angelegt worden, was zeigt, wie wichtig es ist, die trockenen Pflanzenstängel über den Winter stehen zu lassen. Manch Insekt wird vielleicht auch einfach in einem der vielen hohlen Stängeln überwintern. Nach den Frühlings-Schnittmaßnahmen habe ich die Stängel gebündelt in eine Ecke gestellt und habe darauf gewartet, bis (hoffentlich) alle Insekten ausgezogen sind.

Besonders in den Sommermonaten sind auch Tränken für die Insekten wichtig. Ich habe unterschiedliche angelegt und beobachtet, welche am beliebtesten war. Der Gewinner war ganz klar eine Moostränke, immer feucht und mit guten Landebedingungen. Zwei Austernschalen mit seichtem Einstieg im Kübel des Muskatellersalbeis kamen auf Platz zwei. Auf Platz drei folgten die gefüllten Unterteller einiger Kübel, die von mir eigentlich nicht als Tränken geplant waren. Und auf dem letzten Platz, nämlich so gut wie gar nicht angeflogen, waren Schälchen gefüllt mit Steinen. Natürlich sitze ich nicht den ganzen Tag auf dem Balkon und kann nur von meinen Beobachtungen berichten. Also für Studienzwecke nicht geeignet.

Unsere Balkon-Wildbienenbesucher 2019:
(Die Wildbienen habe ich mit Hilfe von Büchern und Internetrecherche selber bestimmt.)
• Rote Mauerbiene
• Gehörnte Mauerbiene
• Rotendige Sandbiene
• Fuchsrote Sandbiene
• Graue Sandbiene
• Zweifarbige Sandbiene
• Große Glockenblumenscherenbiene
• Kleine Glockenblumenscherenbiene
• Maskenbienen
• Löcherbiene
• Unterschiedliche Furchenbienen ( z.B. Rotbeinige Furchenbiene)
• Unterschiedliche Schmalbienen ( z.B. Gemeine Schmalbiene)
• Blattschneiderbiene (Garten-)
• Dunkle Erdhummel
• Helle Erdhummel
• Ackerhummel
• Wiesenhummel
• Steinhummel
• Gartenhummel
• Baumhummel

Und weitere Besucher (nicht genauer bestimmt):

Honigbiene, unterschiedliche Schwebfliegen, Fliegen, Heuschrecken, Ameisen, unterschiedliche  Grabwespen, Wespen, Blattläuse, Florfliegen, unterschiedliche Marienkäfer, Raupen und Larven, Spinnen, Distelfalter, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge,Gamma Eule, Sperling, Dompfaff, Blaumeise, Kohlmeise, Blaumeise, Eichelhäher, Ringeltaube, Amsel, Heckenbraunelle, Zaunkönig

Interessante Beobachtungen

Eine Glockenblumenscherenbiene hat sich ihren Schlafplatz in der Rosenmalve gesucht, kurz bevor sich die Blüte zur Nacht schließt
Eine Glockenblumenscherenbiene hat sich ihren Schlafplatz in der Rosenmalve gesucht, kurz bevor sich die Blüte zur Nacht schließt.

Sehr interessant fand ich, dass sich viele Insekten auch Schlafplätze auf unserem Balkon suchten. Bei Regenwetter oder Sturm konnte ich auch viele Insekten beobachten, die Schutz auf dem Balkon suchten. Viele Vögel kamen vorbei, pickten nach Samen oder Insekten, ließen sich kleine Wildkräuter schmecken (zum Beispiel Vogelmiere) und wühlten in den Kübeln und im mit Komposterde gefüllten Eimer auf der Suche nach kleinen Bodenlebewesen. Dabei machten sie meist ganz schön Unordnung. Besonders in der Winterzeit war viel los, obwohl ich kein spezielles Vogelfutter anbot. Es ist ein Garten im Miniformat. Aber trotzdem spielen sich ähnliche Vorgänge ab.

Reaktionen der Nachbarn

Ein betagter alter Herr von gegenüber fing im Sommer an, mir zu winken, wenn ich auf dem Balkon herumwerkelte. Als ich ihn im Bus traf, sprach ich ihn an und erfuhr, dass er jede Pflanze auf meinem Balkon kannte und sich daran erfreute. Als pensionierter Lehrer und Mitglied des Botanischen Vereins Hamburg besitzt er reichlich Wissen zum Thema der heimischen Wildpflanzen. So ist nun eine kleine E-Mail-Freundschaft entstanden, wir tauschen Fotos und Erfahrungen aus, geben uns gegenseitig Buchtipps.

Auch mit anderen Nachbarn bin ich ins Gespräch gekommen, und es wird klar, dass viele sich mehr Natur auf den Balkon holen wollen, aber nicht wissen, wie sie anfangen sollen. Mitte April meines zweiten Wildpflanzenbalkonjahres meinte eine Nachbarin zu mir, dieses Jahr hätte ich ja nicht soviel. Ich glaube, ich war etwas sprachlos und schaute über meine 80 Kübel; alle Stauden waren durch den Winter gekommen, viele Sämlinge gleich mit dazu. Es blühte auch schon in etlichen Töpfen, sämtliche Wildbienen schwirrten von Blüte zu Blüte und die Mauerbienen füllten fleißig ihre Niströhren. Soviel Grün und Leben hatte ich ursprünglich zu dieser Zeit noch gar nicht erwartet. Aber mein Schräggegenüber fand es wenig. So unterschiedlich kann die Wahrnehmung sein. Wenn man nun die Balkone ringsherum betrachtet, sieht man im April hauptsächlich Stiefmütterchen, die zwar bunt leuchten, aber in ein paar Wochen weichen müssen und auch in dieser Zeit nicht viel für Insekten geboten haben.

Bei vielen Balkongärtnern muss es bei der Pflanzung bereits üppig blühen. Dabei ist gerade die langsame stetige Veränderung besonders spannend.

Bunte Vielfalt auf kleinem Raum

Erfahrungen des ersten Jahres mit einem Wildpflanzenbalkon

Meine Erwartungen wurden um ein Vielfaches übertroffen. Das Gärtnern und Beobachten hat mir auch auf dieser kleinen Fläche unheimlich viel Spaß gemacht und mir eine große Zufriedenheit und Entspannung geschenkt. Erstaunlicherweise ist der Arbeitsaufwand trotz der vielen Pflanzen eher gering.

Ohne großes Zutun hat sich der Wildpflanzenbalkon von Woche zu Woche verändert und eine stetig wechselnde Blütenpracht hervorgebracht. Viele Gäste waren überrascht, dass der Balkon bei jedem Besuch anders aussah.

Besonders spannend finde ich die Sämlinge, die durch Selbstaussaat entstehen. Sie suchen sich selber die für sie geeigneten Standorte und schließen noch bestehende Lücken. So sieht alles immer sehr natürlich aus.

Einen Balkon mit Wildstauden zu bepflanzen, ist auf Dauer gesehen kostengünstig. Die Stauden sind unempfindlich und kommen gut durch den Winter oder erhalten sich durch Selbstaussaat. Man erhält Unmengen von Samen, die man für das nächste Jahr nutzt, tauscht oder verschenkt. Kleine selbstgebastelte Samentütchen oder Sämlinge sind schöne Geschenke und Mitbringsel.

Auch kleine Töpfe funktionieren gut, da es viele Pflanzen gibt, die mit wenig Erde auskommen.
Ich war erstaunt, wie früh im Jahr manche Wildbienen schon unterwegs sind. Aber Wildpflanzen sind auch früh. Und so ist es ein schönes Gefühl, den Bienen bereits im Spätwinter Nektar und Pollen anbieten zu können. Ich habe beobachtet, dass sich das Klima auf dem Balkon verändert hat. Es ist eine kleine eigene Welt, in der man es zu jeder Jahreszeit und Tageszeit gut aushalten kann.

Besonders liebe ich es, bei Hitze auf einem Kissen inmitten der Pflanzenkübel zu sitzen, es duftet, summt, und man befindet sich Dank der ganzen Pflanzen meist im Halbschatten. Und auf dem ‚Präsentierteller‘ sitzt man auch nicht mehr. Andere haben einen Sichtschutz aus Stoff und ich halt aus lebendigem Grün, welcher auch noch über die Brüstung hinaus geht.“

Stefanie auf ihrem Wildbienenbalkon
Steffi auf ihrem Wildbienenbalkon

Kontakt: wildbienenreich@web.de
Pflanzliste Steffis Balkon: Pflanzliste als PDF herunterladen

Weitere Bilder und Informationen zu dem Projekt „Wildbienenbalkon in Hamburg“ findet man auf ihren Wettbewerbsseiten zur Teilnahme am Pflanzwettbewerb „Deutschland summt. Wir tun was für Bienen“ im Jahr 2019:

Teil 1: Hier ist die Entwicklung und Veränderung des Balkons zwischen April und Juli 2019 dargestellt.
https://wettbewerb.wir-tun-was-fuer-bienen.de/eintrag/wildbienenbalkon/

Teil 2: Hier sind hauptsächlich Wildbienenbesucher abgebildet.
https://wettbewerb.wir-tun-was-fuer-bienen.de/eintrag/wildbienenbalkon-teil-2/

Steffis Rezept für Brennesselkaltauszug gegen Blattläuse:
Ca. 500 g frische Brennesseln (ohne Samen)
in einer Gießkanne mit 5 Litern Wasser ca. 24 Stunden ziehen lassen.
Anschließend kann man die eingeweichten Brennesseln noch als Mulch verwenden.
Den Kaltauszug unverdünnt auf Pflanzen und Boden sprühen bzw. gießen.

Steffis Rezept für Zwiebel-Knoblauchtee gegen Mehltau:
Ca. 10 g gehackte Zwiebeln und Knoblauchzehen
mit 1 Liter nicht mehr kochendem Wasser überbrühen.
Mindestens 5 Stunden abgedeckt durchziehen lassen,
anschließend abseihen.
Im Verhältnis 1:2 alle 4 Tage auf Pflanzen und Boden sprühen.
Der Tee hält sich in abgefüllter Flasche im Kühlschrank drei Wochen.

 

7 Kommentare zu “Balkonbesuch: Bei Steffi in Hamburg

  1. Wunderschön. Natur pur ist auch in der Stadt möglich. Und der Brennesselkaltauszug wird sofort angesetzt.

  2. Unglaublich schön und vielfältig. Eine wundervolle Reportage mit Herz !

  3. Schön und beeindruckend zu sehen, in wie kurzer Zeit du dem Naturbalkon verfallen bist 🙂 Ich habe zwar eine ähnliche Topfanzahl, aber bei mir hat es sich über etliche Jahre hingezogen. Das sieht wunderschön aus bei dir. Den Tip mit dem Kompost im Gießwasser finde ich spannend. Ich muß ihn mir erst organisieren, aber nächstes Mal werde ich das ausprobieren. Die Mauretanischen Malven sind so gefräßig, wenn ich die nicht alle zwei Jahre umtopfe, mickern sie. Sehr schöne Fotos und weiterhin viel Spaß mit Blumen und Insekten! Und hoffentlich ahmen dich bald ein paar mehr Nachbarn nach 🙂

    • Komposttee kann man auch als fertige Teebeutel käuflich erwerben. Damit habe ich aber keine Erfahrung, und er ist auch vergleichsweise teuer.
      Inzwischen gieße ich den Komposttee übrigens nicht nur, sondern sprühe ihn auch auf einige Pflanzen und das Erdreich um sie herum, und es scheint sich positiv auf ihre Gesundheit auszuwirken. Meine Pfefferminzen hatten sonst zum Beispiel um diese Zeit immer Läuse und so kleine Zikaden, was man dann an den Blattverfärbungen sehen konnte. Bisher sind sie wunderbar grün und stabil.

      • Das ist das richtige Stichwort: meine Minze hat auch gerade diese Zikaden. Das wäre ja toll! Ich hatte schon versucht, sie abzuspülen, aber da komme ich bei der Trockenheit nicht hinterher. Schön wäre, frischen Kompost zu bekommen. Die Stadt bietet hier welchen kostenlos an, aber der ist recht grob, aber vielleicht besser als gar nicht. Wieviel Kompost nimmst du auf einen Liter – oder sonstige Menge? Oder hattest du das erwähnt? Ich kanns gerade nicht finden. LG Almuth

        • Für den Komposttee ist eigentlich nicht ausschlaggebend, ob der Kompost grob oder fein ist, er sollte nur den „Kressetest“ bestehen und frei von schädlichen Stoffen sein.
          Ich nehme auf eine 5 Liter Kanne einen locker gefüllten länglichen Teefilter (für Teekannen). Das reicht dann natürlich immer nur für einen kleinen Teil meiner Pflanzen, aber jede Pflanze kommt dann ca. alle 14 Tage mal dran.
          Ich hatte letztens eine völlig verlauste und vergreiste Pfefferminze meiner Nachbarin für zwei Wochen in Pflege und peppelte sie mit Komposttee im Gießwasser und in Sprühform auf. Es war spannend und beeindruckend zu sehen, wie schnell sie kräftig und gesund ausschaute und auch frei von Läusen war.

          • Vielen Dank dür die Anleitung! Das werde ich bald mal angehen. Deine Pflegeaktion hört sich richtig toll an und macht Hoffnung 🙂

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