Paarungszeit

Auch die Wespensommerstaaten lösen sich auf. Die jungen Königinnen verlassen das Nest, paaren sich mit Drohnen aus anderen Staaten und verkriechen sich dann – wie begattete Hummeljungköniginnen – in der Erde, um zu überwintern. Im nächsten Frühjahr gründen sie einen neuen Wespenstaat. Diese Wespenpaarung fand letzten Dienstag auf einer weißen Malve aus dem Garten meiner Mutter auf unserem Balkon statt.

Die Drohnen haben schöne lange gebogene – nicht geknickte – Fühler, wenn sie nicht gerade wie bei der Paarung nach unten hängen. Das Männchen auf der roten Blüte unten gehört zu den Deutschen Wespen. Die Deutsche Wespe erkennt man an drei Punkten auf dem Kopfschild. Die Gemeine Wespe hat eine ankerförmige Zeichnung. Die Wespenmännchen kommen erst im Herbst zur Welt und dienen allein der Fortpflanzung. Sie haben keinen Stachel und sind total friedlich.

Drohn der Deutschen Wespe

 

 

 

 

 

 

 

Eine weiteres Liebespaar auf der Balkontür.

 

 

 

 

 

 

 

Warum Wespen im Spätsommer unsere Zwetschgendatschis mögen

Von den insgesamt acht heimischen Wespenarten werden nur die deutsche- und die gemeine Wespe im Spätsommer, ab etwa August / September, als lästige Besucher auf der Kaffeetafel oder bei Grillfesten zu finden sein. Beide Arten bilden große Völker mit bis zu 7.000 Tieren in versteckten oder unterirdischen Hohlräumen.

Aufgrund der hohen Individuenanzahl benötigen sie deshalb große Mengen süßer, kohlehydrathaltiger Nahrung als „Flugbenzin“. Fleisch oder Wurst übrigens, wird nur von diesen beiden Wespenarten für die Brut im Nest gesammelt.

Bereits ab Mai / Juni fliegen die ersten Arbeiterinnen der deutschen- und gemeinen Wespe. Flugtiere dieser Arten werden von Mai bis August nie, oder ganz selten auf einer Kaffeetafel zu finden sein. In den Nestern der deutschen- und gemeinen Wespe, bekommen die Arbeiterinnen während der Brutpflege von den Larven ein süßes Speicheltröpfchen als Nahrung. Auch liefern Blumen durch Nektar, kohlehydrathaltige Baumsäfte oder das Honigtau der Blattläuse den begehrten Zuckersaft.

Hungrige Wespe in einer Zuckerdose im Biergarten auf der Fraueninsel

 

 

 

 

 

 

 

Erst wenn nach dem natürlichen Sterben der Königin im Spätsommer, ab etwa Ende August – September keine Eier mehr im Nest gelegt werden, sich somit immer weniger Larven in den Waben befinden und die, in der Natur vorkommenden Lieferanten der kohlehydrathaltigen Säfte langsam ihre Produktion einstellen, aber immer noch zwischen 2.000 und 7.000 Arbeiterinnen in den Großnestern der gemeinen- und deutschen Wespe leben, reichen die Speicheltöpfchen der restlichen Larven als „Flugbenzin“, zur Versorgung der Arbeiterinnen nicht mehr aus.

Die Wespenarten wie mittlere Wespe, sächsische- und Waldwespe fliegen nie zu den Süßigkeiten des Menschen oder an dessen Kuchentafel. Auch Grillfleisch oder Wurst gehören nicht auf den Speiseplan dieser Wespenarten. Ihre typischen, freihängenden, grauen Kugelnester mit bis zu 300 Insassen sind bereits im September verlassen.

Auch Hornissen interessieren sich weder für Speiseeis noch für Süßigkeiten oder Fleischspeisen. Ihre Vorliebe für Obst- oder Baumsäfte stillen sich die Arbeiterinnen an den natürlich anfallenden Quellen der Natur. Eiweißkost erjagen sich die Hornissen in Form von lebenden Insekten jeglicher Art. Bis zu 500 Gramm Beutetiere werden so täglich abgefangen.

Hunger im Herbst

Die Wespen-Arbeiterinnen hungern und verhungern also im Herbst. Auf dem Wilden Meter habe ich deshalb eine Beobachtungsstation für hungernde und alterschwache Wespendamen eingerichtet: eine Schale mit Honig oder auch Zuckerwasser.

Wespen-Forschungsstation: Schale mit Zuckerwasser

 

 

 

 

 

 

 

So stelle ich mir den Andrang an einem Wasserloch in der Sahara vor. Die Wespendamen können kaum mehr fliegen, sie sind sehr müde. Morituri te salutant, fällt einem da ein. Meine frühere hysterische Wespenphobie ist durch das neue Wissen über das Verhalten der kleinen schwarz-gelben Tierchen völlig geheilt. Ich habe Mitleid mit den zig-tausend verhungernden Wespen. Verhungern ist ein schrecklicher Tod. Erfrieren auch. Die, die noch nicht verhungert sind, rafft später die winterliche Kälte hinweg.


Quellen:
Aktion Wespenschutz
Wissenwertes über Wespen
Witt, Rolf: Wespen. 2009, 2. Auflage

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