Die wilde Sause: Paarung der Gehörnten Mauerbienen

Sie sind klein, plüschig, harmlos, aber hormonell völlig überdreht: die Männchen der Gehörnten Mauerbienen, die von meinen Balkonbienen immer als erste im Frühjahr aus den Röhrchen kommen.

Danach geht die wilde Sause los. Von Nisthilfe zu Nisthilfe, in der Hoffnung, dass endlich die Weibchen aus dem Röhrchen kommen. Jeder hofft, der erste zu sein und zum Zug zu kommen. Sie boxen sich gegenseitig von der Nisthilfe herunter, sausen wieder im Kreis, stärken sich dazwischen etwas an den Blüten – aber nur kurz, ähnlich den Marathonläufern – um ja den wichtigsten Augenblick im Leben eines Männchens nicht zu verpassen, sich mit einem Weibchen zu paaren. Wenn die Weibchen dann kommen, zerrt es der erste vorne am Röhrchen oft recht unsanft heraus und setzt sich auf die Dame. Die anderen geben aber nicht so schnell auf. Und so kommt es beim Kampf um die Auserwählte zu Bienenknäuel und Raufereien (siehe Videos unten). Manchmal harrt ein zweites Männchen auf dem Liebespaar noch eine Zeitlang aus, bis er einsieht, dass er dieses Mal den kürzeren gezogen hat.

Ein Paar hat sich schon gefunden, die anderen Männchen warten aufgreregt auf weitere Weibchen.

 

Dann muss das Weibchen, mit dem Liebhaber auf dem Rücken, erst einmal seinen Darm entleeren, das habe ich jedenfalls so beobachtet. Nach zehn Monaten im Röhrchen muss das eben sein. Und dann geht es zur Sache. Ich weiß nicht, ob die Darmentleerung in jedem Falle vor der Paarung stattfinden muss. Nach der Kopulation bleibt das Männchen noch einige Zeit auf dem Rücken des Weibchens sitzen – ich weiß nicht warum, vielleicht damit sie sich nicht gleich mit einem anderen Männchen paaren kann. Wissende Leser bitte ich hiermit um Informationen. Dann fliegt das Männchen in die Welt hinaus und stirbt bald, es hat seine Mission erfüllt. Sie haben ein kurzes und wildes Leben.

Fleißige Weibchen

Für das Weibchen beginnt nun ein verantwortungsvolles und anstrengendes Leben. Es muss einen passenden Nistplatz zur Eiablage finden. Von der Qualität des Nistplatzes hängt das Überleben der Nachkommen ab, die das Muttertier nie kennenlernen wird. Sie stirbt vorher. Sie muss unbedingt einen guten Platz für ihre Eier finden und sie ausreichend mit Nahrung verproviantieren. Mauerbienenweibchen sind unheimlich fleißige Wesen. Ihr ganzes kurzes Leben von vier bis sechs Wochen besteht aus sorgfältigster Auswahl des Eiablageplatzes, aus Eierlegen, Pollen und Nektar eintragen und die Zwischenwände sowie den Verschluss des Röhrchens zu mauern. Bröckchen für Bröckchen Lehm, soviel eben in so ein kleines Bienenmundwerkzeug passt.

Wenn es regnet oder zu kalt ist zum Fliegen, haben sie Pause. Ich weiß nicht, ob sie es genießen, einfach mal so im trockenen Röhrchen zu sitzen und in die nasse Welt zu schauen oder ob sie sich psychisch total gestresst fühlen, weil jeder Tag, der ohne Eierlegen verstreicht, ein verlorener Tag ist.

Schlüpftermin erste Männchen 2017: 11. März
Schlüpftermin erste Weibchen 2017: 17. März

Die Gehörnte Mauerbiene

Wildbienen-Experte  Paul Westrich hat zur Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) eine schöne Seite mit tollen Fotos und Filmausschnitten zusammengestellt: Steckbrief Osmia Cornuta

 

 

Eine schauspielerische und gleichzeitig wissenschaftliche Darstellung dessen, was bei der Paarung geschieht und nur unter dem Elektronenmikroskop sichtbar wird, findet man im Beitrag: Das Kamasutra der Wildbienen

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