Hagelsturm fegt über den Wilden Meter

„Es treten Gewitter auf. Dabei gibt es heftigen Starkregen mit Niederschlagsmengen zwischen 30 und 40 Liter pro Quadratmeter in der Stunde sowie Sturmböen mit Geschwindigkeiten bis 70 Stundenkilometern (20m/s, 38kn, Bft 8) und Hagel mit Korngrößen um zwei Zentimeter“, so lautete am Donnerstag die Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdiensts für Bayern. Und genau so ist es dann um 18:00 Uhr in München auch gekommen.

Das Gewitter zog vom Zentrum in Richtung Obergiesing, das Dach des Hauptbahnhofs hielt den Wassermassen nicht stand und die Bahnhofshalle wurde teilweise überschwemmt. Die Entfernung des Wildes Meters zum Hauptbahnhof beträgt nur 1.300 Meter bzw. drei Trambahnstationen.

Ich wusste leider nichts von der Unwetterwarnung, war ahnunglos mit dem Fahrrad beim Einkaufen. Als es aus finsteren Wolken zu tröpfeln begann, bin ich aber rasch nach Hause geradelt. Ungefähr eine Minute nachdem ich in der Wohnung war, fing es an zu schütten und zu hageln. Dann musste ich zusehen, wie die Naturgewalten innerhalb weniger Minuten meinen Wilden Meter in einen platten Meter verwandelten. Ein Angriff auf mein kleines Paradies.

Die Spur der Zerstörung im Bild:

Blick vom Wilden Meter in den Arnulfpark kurz nach 18:00 Uhr: Regenfluten und Hagel.
Hagelkörner
Die Hagelkörner mit ein bis zwei Zentimetern Durchmesser sammelten sich an der Wand.
Regen und Hagel hatten eine große Wucht. Vor allem die hohen Pflanzen, wie Kornblumen, Kornraden oder Kugellauch, wurden niedergedrückt.
Die Kornblumen hinten links im Bild sind umgefallen und hängen mit dem Kopf nach unten, eine große Phazelie wurde vom Hagel regelrecht zerhackt.
Frei nach Alberich in Wagners Rheingold (gräßlich aufschreiend): „Zertrümmert! zerknickt!“

Ich war deprimiert, habe die Balkontüren zugemacht und die weitere Besichtigung der Schäden auf den nächsten Tag verschoben. Der Balkon war trocken und an den Blüten bereits wieder Betrieb. Aber es sah schlimm aus.

Eine kleine Wildbiene erntet Pollen an einer Phazelienblüte, die vom Hagel abgesäbelt wurde.
So sahen viele Pflanzen aus: zerrissene Blätter und abgetrennte Stängel
Von Hagelbrocken durchlöchert: die großen Blätter des Muskatellersalbeis.
Auch Blüten wurden von den eisigen Hagelkörnern zerfleddert oder einfach abgeschlagen wie die Blüten der Rundblättrigen Glockenblume im Titelbild.

 

Ärmel hoch, Aufräumen

Kaputte Pflanzen habe ich abgeschnitten, umgefallenen Pflanzen mit und ohne Knick habe ich vorsichtig aufgerichtet, mit Schnüren hochgebunden oder mit Drahthalterungen gestützt, die ich im Baumarkt geholt habe. Ich habe solche Stützen bisher nicht gebraucht. Sommergewitter in Normalstärke haben die Pflanzen bisher ausgehalten. Aufgrund des Klimawandels sollen solche Hagelgewitter immer häufiger werden. Ich hoffe, dass es mich nicht noch einmal so hart trifft in diesem Jahr.

Der Deutsche Wetterdienst kann leider nicht helfen. In seinem heutigen Newsletter schreibt er dazu: „Wir können zwar aufgrund der Eigenschaften einer Luftmasse sehr gut abschätzen, in welchen Regionen sich Gewitter bilden werden. Und auch die Begleiterscheinungen (z. B. heftiger Starkregen, Hagel, Sturm- oder Orkanböen, kurz: der Charakter der Gewitter) lassen sich vorab recht gut vorhersagen. Allerdings: Den genauen Ort der Gewitter können wir – wenn überhaupt – nur recht kurzfristig vorhersagen.“

Die Folgen des Sturms sind trotz Aufräumarbeiten unübersehbar.
Ein trauriger Anblick: ramponierte Pflanzen.

Wird sich der Wilde Meter erholen? So schön, wie er vor 18:00 Uhr am 7. Juni war, wird er sicher nicht mehr, aber vielleicht verwachsen sich die Schäden wieder etwas.


Quellen und Links:

Hagel im Glossar des Deutschen Wetterdiensts

SZ: Unwetter überschwemmt Hauptbahnhof

DWD: Thema des Tages „Sturm im Wasserglas“

 

2 Kommentare zu “Hagelsturm fegt über den Wilden Meter

  1. Es blutet das Herz….

  2. Ach je, wie schade! Hoffentlich erholt sich das meiste bald wieder. Müssen sie in der Natur ja auch. Wenn ich solche Warnungen mitbekomme, ziehe ich meine empfindlicheren Pflanzen vorsichtshalber unters Dach. Kürzlich habe ich es gemacht, und das, als einmal! so schöner Landregen runterkam. Den hatte ich den Pflanzen dann vorenthalten. Auch nicht so toll, aber sowas möchte ich nicht erleben. Deine Balkonkästen sind aber fest verankert oder? So ist das manchmal. Ihr habt die Unwetter, wir immer noch die Dauertrockenheit. Ich drücke die Daumen! Dein neues Titelbild mit dem Stieglitz ist zauberhaft!! Liebe Grüße und eine Umärmelung von hier, Almuth

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