Betrieb im Brombeerstängel

Am 11. Mai habe ich auf dem Balkon zehn Brombeerstängel befestigt, die ich aus der Oberpfalz mitgebracht hatte. Eine Woche später waren schon zwei besiedelt. Brombeerstängel fallen in die Nisthilfen-Kategorie „markhaltige Stängel“ und müssen senkrecht, und am besten vereinzelt, angeboten werden.

Ich hatte das schon mit zwei Brombeerstängeln im vergangenen Jahr getestet und dachte mir, dass eh kein Interessent kommen würde, mitten in der Stadt. Denn: „Etwa nur drei Prozent unserer ingesamt rund 550 Bienenarten in Deutschland nagen sich ihre Nistgänge selbst, und zwar in markhaltigen Pflanzenstängeln und in morschem oder mürbem Holz.“ (Quelle: www.wildbienen.de) Aber im Herbst habe ich dann entdeckt, dass die Stöckchen besiedelt waren. Sie hatten Löcher, wie man das auf den Fotos im Internet sehen konnte.

Also habe ich dieses Jahr mehr Brombeerstängel vom Land in die Stadt gebracht. Eine Woche später waren schon zwei besetzt. Dieses Mal habe ich einige so angebracht, dass ich die Bewohner gut beobachten und fotografieren kann.

Wie bei anderen Nisthilfen für Wildbienen ist es auch bei den markhaltigen Stängeln so, dass sie von bestimmten Arten solitärer Wespchen ebenfalls genutzt werden. Nach langen Recherchen bei Westrich (www.wildbienen.info) und anderen einschlägigen Portalen im Internet meine ich, dass die Bewohnerin des Stängels (siehe Fotos) eine blattlausjagende Grabwespe ist, die Art Pemphredon lethifer oder Pemphredon inornata. Man kann sie leicht mit der Maskenbiene (Hylaeus) verwechseln, die sich seit einiger Zeit auch schon bei uns auf dem Balkon rumtreibt und auch auf der Liste der Besiedlerinnen markhaltiger Stängel zu finden ist, bei uns aber auch in die waagrechten Röhrchen einzieht.

Am Anfang war „das Viecherl“, wie meine Mutter sagt, etwas scheu. Es ist erst rausgekommen oder gelandet, wenn wir weiter weg standen. Inzwischen hat sich die Dame an den Medienrummel vor ihrem Nest gewöhnt.
Die Fotos im Titelbild sind alle auf dem Stängel links im Bild gemacht worden.
An dem Loch sieht man, dass jemand eingezogen ist.
Brombeerstängel auf dem Bürobalkon. Ich finde, sie sehen ein bisschen aus wie Land-Art. Auf dem Bild sieht man, dass meine einjährigen Sommerblumen nun nach dem Düngen doch wachsen. Sie sind viel kleiner als sonst, aber glücklicherweise haben wir keinen Totalausfall.
Der linke der beiden Stängel ist auch bereits entdeckt und für gut befunden worden.
Neben den Stängeln stehen auch Bambusröhrchen, an denen wir punktweise die dünnen Schläuche der Gardena-Bewässerungsanlage festgebunden haben. Auch hier haben wir schon Damen ein- und ausfliegen sehen.

 

 

 

Mehr Informationen zu markhaltigen Stängeln als Nisthilfen für Wildbienen und Wespen:

Paul Westrich: Nisthilfen für Bewohner markhaltiger Stengel

www.wildbienen.de: Markhaltige und hohle Stängel

Info zu Grabwespen der Gattung Pemphredon auf Wikipedia

4 Kommentare zu “Betrieb im Brombeerstängel

  1. Ein wirklich traumhaft schöner Stadtbalkon!

  2. Heinrich Faber

    Tolles Titelbild. Schaut aus wie im Regenwald.

  3. Ich konnte den regen Betrieb live miterleben, ein schönes Erlebnis!

  4. Francesca

    Sehr interessant, was man auf einem Stadtbalkon erleben kann!

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