Anton vom Dach

Jedes Jahr erobert ein Amslerich das kleine Revier der Dächer in Sichtweite des Wilden Meters. Wir hören ihn, wenn er an seinen Lieblingsplätzen flötet, zum Beispiel auf der Antenne des Nachbarn. Er singt seine Amselarien – Liebeslieder für Amseldamen und Lobgesänge an den Mai – und wir lauschen entzückt.

Alle Amselmännchen heißen bei uns Anton, man kann sie an ihrer Melodie unterscheiden. Anton 2017 hat eine laute, kräftige Stimme. Er war auch letztes Jahr schon der Amsel-Chef hier. Dieses Jahr hat er den kleinen Platz am Ende der Marlene-Dietrich-Straße als schallverstärkendes Amphittheater entdeckt Dort singt er jetzt auf einer Straßenlaterne, die bisher nur von Tauben bevölkert wurde (leider).

Neben der Antenne, wo er am häufigsten sitzt und schmettert (siehe Foto oben), gibt es eine noch höhere Antenne. Da haben wir ihn auch schon mal gesehen, aber aus nicht zu erforschenden Gründen mag er die untere lieber.

Anton 2017 nützt den schallverstärkenden Hall des kleinen Platzes unter dem Wilden Meter.

Ostamslerich und Westamslerich

Vor zwei Jahren verlief die Grenze zwischen zwei Revieren ungefähr bei unserer Wohnung. Da sangen dann oft zeitgleich ein Anton auf der Antenne des rechten Nachbarhauses und ein anderer auf der Antenne des linken gegeneinander an. Wir haben sie Ost- und Westamslerich getauft, quasi in Anlehnung an das weströmische und oströmische Reich mit den Hauptstädten Rom und Konstantinopel. Es kam auch auf dem Dach direkt gegenüber immer wieder zu Streitereien zwischen den beiden. Anscheinend war die Lufthoheit über das Dach nicht genau geklärt.

Die Antenne dieses Wohnhauses gehörte dem Westamslerich. Unser Anton 2017 sitzt lieber an der Ecke und pfeift direkt runter in den Arnulfpark.

Und das weiß Wikipedia über Amselmännchen im Mai:

„Der Reviergesang wird vom Männchen gewöhnlich von zwei bis drei verschiedenen, exponierten Singwarten vorgetragen, die hin und wieder gewechselt werden. (…) Der erste regelmäßige Reviergesang kann in Mitteleuropa bereits im Februar zu hören sein, die Mehrzahl der Amseln beginnt Mitte März, der Höhepunkt liegt zwischen Mai und Juni, insbesondere bei feuchtwarmem Wetter.“ (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Amsel)

Nachtrag vom 14. Mai: Wikipedia hat Recht 🙂 Der Amslerich hat heute kurz vor dem Gewitter lang und ausgiebig auf dem Dach gegenüber vom Wilden Meter gesungen.

 


Das Amsel-Porträt beim LBV München: Amseln – Meistersänger im Frack



Vogelsterben in Deutschland

Vor ein paar Tagen wurde die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen zum Vogelsterben in Deutschland veröffentlicht. Sie fand großes Echo in den Medien, weil die Ergebnisse niederschmetternd sind. Wird sich deshalb endlich etwas ändern?

Ein Auszug:

„Seit 1990 sind besonders die Vögel der Agrarlandschaft bedroht. Der Bestand des Kiebitz ist um 80 Prozent, des Braunkehlchens um 63 Prozent, der Uferschnepfe um 61 Prozent und des Rebhuhns um 84 Prozent zurückgegangen, das zeigen die Antworten der Bundesregierung. Insgesamt kommt so ein Verlust von rund 300 Millionen Brutpaaren seit 1980 und 2010 zu Stande.“

Man kann die Antwort kurz zusammengefasst hier nachlesen:
Droht ein stummer Frühling?

Die lange und ausführliche Antwort gibt es hier als PDF:
Bundesdrucksache 18/11877

 

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