Animal Aided Design: Die Welt braucht mehr Löcher!

In München gibt es an der TU einen Professor für Terrestrische Ökologie, was lustig klingt, finde ich. Gibt es auch extraterrestrische Ökologie? Herr Professor Weisser beschäftigt sich mit Neuen Konzepten für die Artenvielfalt in Städten.

Als ich das über einen Artikel in der SZ (Platz für den Spatz) entdeckt habe, konnte ich es erst gar nicht glauben, dass sich die Wissenschaft tatsächlich damit beschäftigt, dass Wespenköniginnen in Zukunft vielleicht nicht mehr ihr Volk in Metallrohren gründen müssen – siehe Post Es muss nicht immer Holz sein! Der ökologische, tierfreundliche Ansatz heißt Animal Aided Design. Im Bild oben sieht man einen Entwurf von Rupert Schelle für ein München der Zukunft: Fassadengestaltung mit runden Öffnungen für Spatzen und Spaltöffnungen für Fledermäusen. Im zentralen Bereich gibt es Sitzgelegenheiten auf einer Totholz-Skulptur und Platz zum Spielen. Bin ich zu früh geboren worden?

Ein weiterer Beispielentwurf für München von Rupert Schelle:

Fassadengestaltung mit Nistplätzen für Fledermäuse, Terrassen, Sitzgelegenheiten und Bouleplatz.

Animal-Aided Design: Bauen für Mensch und Tier

In einer Presseinformation vom 25. März 2015 erklärt die TU-München das Konzept: Viele europäische Städte wachsen. Um neuen Wohnraum zu gewinnen, werden zunehmend Grünflächen oder Brachen bebaut, der Freiraum für Tiere schwindet. Um angestammte Tierarten zu schützen oder neue anzusiedeln, haben Wissenschaftler das Konzept „Animal-Aided Design (AAD)“ entwickelt. Es integriert die Bedürfnisse dieser Tiere von Anfang an in die Städteplanung. So lassen sich nicht nur wertvolle Nischen für Vögel, Reptilien oder Säugetiere schaffen – auch die Lebensqualität der Städter steigt.

In ihrem Forschungsprojekt haben Dr. Thomas E. Hauck (Universität Kassel) und Prof. Wolfgang W. Weisser von der Technischen Universität München (TUM) untersucht, wie sich städtebauliche Anforderungen und die Bedürfnisse von Tieren zusammenführen lassen. Beispiel Haussperling: Wie können bei einer Fassadendämmung Nistplätze erhalten oder neu angelegt werden? Wie lässt sich das Nahrungsangebot sichern?

Mehr Lebensqualität für alle

„Ziel von Animal-Aided Design ist es, Tiere dauerhaft in städtischen Freiräumen anzusiedeln“, erklärt Prof. Wolfgang Weisser, der den TUM-Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie leitet. „Daher geben wir Gestaltern konkrete Anhaltspunkte für eine artgerechte Planung über den gesamten Lebenszyklus hinweg.“ Eine wichtige Rolle spielen dabei Gestaltungselemente, Bäume, Sträucher oder zum Beispiel auch Sandbadeplätze, die Tieren als Rückzugsgebiet und Nahrungsquelle dienen.

Info-Broschüre von Thomas E. Hauck & Wolfgang W. Weisser (2015):

Ihre Ergebnisse präsentieren die beiden Wissenschaftler in einer Broschüre. Dort beschreiben sie, wie der Lebensraum für verschiedene Tierarten beschaffen sein muss. Zudem stellen sie drei Animal-Aided-Design-Konzepte für die Städte München, Berlin und London vor. In der Broschüre zeigen die Autoren auch, wie sich tiergerechte Entwürfe mit Spielplätzen und grünen Oasen für die Bewohner kombinieren lassen. So könnten neue Erlebnisräume entstehen, zum Beispiel ein „Nachtpark“ in Berlin für Nachtigallen und Fledermäuse.

Wenn man die Broschüre durchblättert, die die Forschungsergebnisse und Pilotprojekte vorstellt, möchte man neidisch werden auf die Städter der Zukunft:
Broschüre Animal Aided Design herunterladen (PDF)

Naturschutz 3.0

Und hier gibt es noch einen Vortrag von Thomas Hauck zum Thema Animal Aided Design auf dem 7. Weihenstephaner Symposium für Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung „Naturschutz 3.0“.

Link zum Lehrstuhl TOEK – Terrestrische Ökologie der TU München

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