Bienchen mit Hohlkreuz

Hurra, ein neuer Gast auf dem Wilden Meter. Die Indizien sprechen dafür, dass es die Luzerne-Blattschneiderbiene ist. Schon im vergangenen Herbst fiel uns auf, dass wir eine neue Art von Nestverschlüssen in der Buchenholznisthilfe haben: mit Blättern, vom Wetter schon etwas vergilbt, so gelbgrünbraungräulich. Mitte Juni habe ich dieses Jahr frisch angelegte Nestverschlüsse mit leuchtend grünen Blättern in derselben Nisthilfe gefunden. Und bald darauf – wahrscheinlich – das zugehörige Bienchen.

„Willkommen in Hamburg, wir freuen uns, Sie im Hamburger Hafen begrüßen zu dürfen“, heißt es an der Schiffbegrüßungsanlage, der Willkommen-Höft an der Elbe kurz vor Hamburg. Dann die Nationalhymne des einfahrenden Schiffs. So würden wir gerne auch jeden neuen Gast begrüßen. In diesem Fall wäre es sehr wahrscheinlich die Hymne der Luzerne-Blattschneiderbiene an der Reihe. Alle Indizien sprechen dafür: Im Steckbrief der Biene zählt Wildbienenexperte Paul Westrich unter anderem zwei Pflanzen auf, die der Biene schmecken, die gerade auf meinem Balkon blühen und die sie fleißig besucht: der Gewöhnliche Hornklee (Lotus corniculatus) und der Kugellauch (Allium sphaerocephalon). Nisthilfen werden gerne angenommen, die Flugzeit stimmt auch.

Die Nestverschlüsse der Luzerne-Blattschneiderbiene, die Westrich fotografiert hat und auch die Fotos von der Bestimmungshilfe des Vademecum Verlags sehen aus meiner Laiensicht exakt so aus wie die, die wir nun im zweiten Jahr auf dem Wilden Meter dokumentiert haben. Ich habe allerdings noch nie eine Biene mit einem Blattstückchen zur Nisthilfe fliegen sehen. Da muss ich mich mal auf die Lauer legen, dafür hatte ich noch keine Zeit. Das heißt, der letzte Beweis, der Biene und Nestverschluss zusammenbringt, steht noch aus auf dem Wilden Meter.

(Nachtrag vom 16. Juli: Heute habe ich eine Biene dieser Art mit einem Blattstückchen anfliegen sehen. Es ist also wirklich die Luzerne-Blattschneiderbiene.)

Die Luzerne-Blattschneiderbiene sammelt Pollen an einer Blüte des Kugellauchs mit ihrer Bauchbürste.

 

Hohlkreuz-Sammeltechnik

Die herausragendste Eigenschaft der Biene für mich wird jedoch in keinem der Porträts im Internet beschrieben: Die Biene streckt beim Landen und Sammeln oft ganz auffällig ihr Hinterteil in die Luft und sieht dann aus, als ob sie ein extremes Hohlkreuz hätte. Falls einer meiner Leserinnen und Leser eine Erklärung für dieses Verhalten hat oder auch dafür, warum es nicht erwähnenwert ist, freue ich mich über die Informationen. Ich sitze hier leider noch im entomologischen Tal der Ahnungslosen.

Biene auf Kugellauch von oben.
Biene auf Kugellauch, seitlich gesehen.

 

Die Nestverschlüsse

Nestverschluss aus der Saison 2016, fotografiert im Frühjahr 2017. Die Insassen sind noch nicht geschlüpft.
Erster Nestverschluss aus dieser Saison, fotografiert am 15. Juni. Bald wurden es mehr.

 

Weitere Informationen:

Paul Westrich: Luzerne-Blattschneiderbiene (Megachile rotundata)

Die Luzerne-Blattschneiderbiene auf wildbienen.de

Die Luzerne-Blattschneiderbiene wird in den USA wirtschaftlich als Bestäuber genutzt. Auf Wikipedia findet man eine Beschreibung der Ursachen (Rückgang der Erträge in der Luzernesaatgutproduktion und Suche nach effektiven Bestäubern) und der Folgen (Parasitenbefall): https://de.wikipedia.org/wiki/Luzerne-Blattschneiderbiene Angesichts des Insektenschwunds in Europa kann einem jetzt schon ganz mulmig werden, was auf unsere Wildbienen im Dienste der industriellen Landwirtschaft noch zukommen wird.

Und hier noch ein Video, wie es derzeit auf den Blüten des Kugellauchs summt und brummt:

 

1 Kommentar zu “Bienchen mit Hohlkreuz

  1. Sicher bin ich mir bezüglich des „Hohlkreuzes“ auch nicht, aber da es sich in Sachen Pollen um sogenannte Bauchsammlerinnen handelt, könnte ich mir vorstellen, dass sie je nach Absicht – Sammeln oder nicht Sammeln – den Bauch blütennah oder blütenfern halten. Sie werden nicht unnötigen Pollen aufnehmen, wenn sie ihn gerade nicht brauchen.

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