Video-Tipps

Im Programm des Projekts „Blühende Bänder in Städten“ der Münchner Umweltorganisation Green City gibt es eine Serie sehr interessanter Online-Vorträge von hochkarätigen Referenten. Diese sind glücklicherweise nun auch auf YouTube nachzuhören. Da man da wohl nicht zufällig darüber stolpert, möchte ich sie hier als Empfehlung verlinken.

Aktuell finden Sie auf der Seite folgende Vorträge:

  1. Artenvielfalt in den Garten säen. Von Dr. Andreas Fleischmann, Botanischen Staatssammlung München
  2. Signalsprache der Pflanzen: Wie kommunizieren Pflanzen mit ihren Bestäubern? Von Dr. Thassilo Franke, Biotopia Naturkundemuseum Bayern
  3. Insektenfreundliche Gartengestaltung in Zeiten des Klimawandels. Von Reinhard Witt, Naturgartenplaner
  4. Naturgärten – einfache Wege zu mehr Biodiversität. Von Carmen Lefeber, Landschaftsarchitektin
  5. Vielfalt, Schönheit, Nutzen – der drei Zonen Garten, ein Insektenparadies. Von Markus Gastl, Gründer des Hortus-Netzwerks

1. Artenvielfalt in den Garten säen

Referent: Dr. Andreas Fleischmann, Botanischen Staatssammlung München
Moderation: Sebastian Gardt, GreenCity

Ankündigung auf dem YouTube-Kanal von GreenCity:

Dr. Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung lädt zu einem Rundgang in seinem naturnahen Garten ein – zumindest virtuell. Im Rahmen des Projektes „Blühende Bänder für Wildbienen“ zeigt er, wie sich mit einer naturnahen Gartengestaltung und der Verwendung von einheimischen Pflanzenarten eine unglaubliche Zahl an Insektenarten (und anderer Tiere) in den eigenen Garten oder auf den Balkon locken lassen. So kannst Du lernen, wie Du einen Beitrag zur Förderung von Biodiversität leisten kannst. Denn dieser ist dringend notwendig.

Das Insektensterben ist eine Folge des massiven Rückgangs von artenreichem Offenland in unserer Landschaft, also des Verlusts von beispielsweise blühende Blumenwiesen, Hecken, Ackerrandstreifen, oder Waldsäumen. Das derzeit vielfach aktionistisch betriebene Säen von Blühstreifen und Blühäckern kann diese natürlichen artenreichen Lebensräume nicht ersetzen, da diese künstlichen Blühflächen nur wenigen anpassungsfähigen Allerweltsarten einen Lebensraum bieten. Mittlerweile gibt es in vielen Regionen daher bereits mehr Artenvielfalt in den Städten als in der „freien Landschaft“, weil sich dort in naturnahen Gärten und Parks noch „Inseln der Vielfalt“ in einer eigentlich für Tiere und Pflanzen eher lebensfeindlichen Umwelt halten können. Wenn man die Ansprüche/natürlichen Lebensräume der Pflanzen und dazugehörigen Insekten berücksichtigt und mit etwas Geschick im eigenen Garten richtig nachbildet, kann man so selbst auf kleinstem Raum und mit wenig Aufwand Trittsteine für teilweise sogar seltene Arten schaffen, die sich von selbst ansiedeln – manche davon bleiben sogar über viele Jahre, und ermöglichen so spannende Naturbeobachtungen im eigenen Grün.


 

2. Signalsprache der Pflanzen: Wie kommunizieren Pflanzen mit ihren Bestäubern?

Referent: Dr. Thassilo Franke, Biotopia Naturkundemuseum Bayern
Moderation: Sebastian Gardt, GreenCity

Ankündigung auf dem YouTube-Kanal von GreenCity:

Wie kommunizieren Pflanzen mit ihren Bestäubern? Man könnte meinen eine Hummel entscheidet ausschließlich nach Farbe und Duft welche Blüte sie anfliegt. Aber hast du gewusst, dass unterschiedliche elektrostatische Teilchen dabei eine Rolle spielen? Thassilo Franke nimmt dich mit in die Welt der Pflanzen und ihrer Sprache. Du erfährst alles darüber wie und mit welchen Methoden Pflanzen mit ihren Bestäubern kommunizieren. Wann welche Pflanze den meisten Nektar trägt und nach welchen Kriterien die bestäubenden Insekten entscheiden, welche Blüte sie anfliegen.

Dr. Thassilo Franke (Biotopia Naturkundemuseum) gibt im Rahmen des Projekts „Blühende Bänder für Wildbienen“ bei diesem Webinar spannende Einblicke in die Signalsprache der Pflanzen.


 

3. Insektenfreundliche Gartengestaltung in Zeiten des Klimawandels

Referent: Reinhard Witt, Naturgartenplaner, Gründer des Naturgarten e. V.
Moderation: Sebastian Gardt, GreenCity

Ankündigung auf dem YouTube-Kanal von GreenCity:

Dauerhoch, konstant über 30 °C. Drei Monate regenlos, sizilianische Verhältnisse. Temperaturrekorde, einer nach dem anderen. Wie geht es unseren Insekten damit? Welche Art von Garten wäre dafür am besten? Funktionieren Rezepte mit dem Schwerpunkt auf heimischen Wildpflanzen noch? Ein Blick über die Prinzipien des Naturgartens und in verschiedene naturnah angelegte Gärten zeigt, dass solche Naturgärten mit ihren insektenfreundlichen Pflanzen ein Teil der Lösung sind.

Reinhard Witt, seit Jahrzehnten aktiv im Feld der Naturnahen Gartengestaltung gewährt uns spannende und hilfreiche Einblicke in seinen reichen Erfahrungsschatz. Er zeigt mit phantastischen Bildern, wie man ohne komplizierte technische Vorkehrungen auch in Zeiten von wochenlanger Dürre einen – für Mensch und Tier – attraktiven Garten gestalten kann.


 

4. Naturgärten – einfache Wege zu mehr Biodiversität

Referent: Carmen Lefeber, Landschaftsarchitektin und Leiterin der Regiogruppe Bayern des Naturgarten e. V.
Moderation: Sebastian Gardt, GreenCity

Ankündigung auf dem YouTube-Kanal von GreenCity:

In Großstädten wie München ist der Platz für private Grünflächen oft begrenzt. Gärten findet man in der Stadt nicht mehr allzu viele und die, die vorhanden sind, bieten häufig kein passendes Nahrungsangebot für Insekten. Ein Naturgarten ist der einfachste Weg den bestäubenden Insekten einen geeigneten bunten Lebensraum inmitten von grauem Beton zu bieten.

Für einen bienenfreundlichen Garten gibt es viele verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten – eine davon, den Naturgarten, stellt Carmen Lefeber vor und zeigt Wege wie durch einfache Umgestaltung die Insekten wieder in der Stadt einziehen und die Biodiversität zurückbringen.


 

5. Vielfalt, Schönheit, Nutzen – der drei Zonen Garten, ein Insektenparadies

Referent: Markus Gastl, Gründer des Hortus-Netzwerks
Moderation: Sebastian Gardt, GreenCity

Ankündigung auf dem YouTube-Kanal von GreenCity:

Vielfalt nach dem Prinzip „Artenreichtum durch Verarmung“, denn auf nährstoffarmen Böden wächst manchmal mehr – wilde Hecken, Obstbäume und Blumenwiesen bieten vielfältige Nahrung und Lebensraum. Neben Wildbienen und Schmetterlingen, fühlen sich Frösche, Kröten, Molche, Eidechsen und eine Vielzahl an Vögeln im Drei-Zonen-Garten wohl.

Markus Gastl spricht über seine Passion, ein Insektenparadies zu erschaffen. Er nutzt seit Jahren jedes nur erdenkliche Material, wendet Methoden der Permakultur an und gestaltet ganz im Sinne aller seiner tierischen Mitbewohner. Er zeigt, wie Steinpyramiden, Schotter und totes Holz essenzielle Bestandteile eines naturnahen und Insektenfreundlichen Gartens sein können. Dabei erschafft Gastl eine Oase für Insekten, ein „Mosaik aus Lebensräumen“, wie er es bezeichnet.


Alle Videos findet man auch auf der Projektseite Blühende Bänder:
Video-Downloads


Hintergrundinfo „Projekt Blühende Bänder“

In München läuft das Forschungsprojekt „Blühende Bänder in Städten“ der Umweltorganisation GreenCity e. V. zusammen mit dem Lehrstuhl für Renaturierungsökologie der Technischen Universität München. Während des Forschungsvorhabens wird im Zeitraum zwischen 2019 und 2022 an 80 Stellen karges Straßenbegleitgrün in naturnahe Blühflächen umgewandelt. Dabei wird untersucht, ob sich dadurch die Zahl der Wildbienen und anderer Bestäuber erhöht, ob durch die Vernetzung der Flächen ein Austausch mit dem Umland ermöglicht wird und in welchen urbanen Landschaften Blühflächen besonders gute Effekte erzielen. Begleitend zum Forschungsvorhaben bietet Green City ein Bildungsangebot und Mitmachaktionen für Bürgerinnen und Bürger an. Weitere Infos zum Projekt: Blühende Bänder für Wildbienen

Exkursion im Projekt Blühende Bänder mit Andreas Fleischmann vom Botanischen Institut München. Im Zentrum der Aufmerksamkeit: die Wilde Möhre.
Exkursion der Wilden-Meter-Redaktion (2. v. re.) im Projekt Blühende Bänder mit Andreas Fleischmann (ganz rechts) vom Botanischen Institut München im Sommer 2019. Im Zentrum der Aufmerksamkeit: die Wilde Möhre.

Auf dem Titelfoto ganz oben sieht man, wie Dr. Andreas Fleischmann, Wissenschaftler an der Botanischen Staatssammlung München und Referent in dieser Vortragsserie, bei dieser Exkursion die Bedeutung der Heideschnecke (Helicella itala) als Zeigerart für intakte Magerwiesen-Lebensräume erläutert. Er hat die wunderbare Begabung, wissenschaftliche Sachverhalte einfach und anschaulich zu vermitteln. Früher war das Weichtier des Jahres 2019 eine sehr häufige Schnecke, die fast überall an Wegrändern und auf ungenutzten offenen Flächen zu finden war – solche Habitate verschwinden immer mehr. Auch die Mahd zu ungeeigneter Zeit bedroht die Schnecke: Sie findet bei großer Hitze nicht mehr genügend geeignete Pflanzen, um in kühlere Höhen zu klettern.

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