Wildbienenkinder

In diesem kleinen Wildbienenhotel wurde letztes Jahr im Sommer ein Schilfstängel belegt. Die Vögel haben zwar den ganzen Herbst und Winter unser teueres Premium-Futter nicht gefressen, das wir auf dem Balkon angeboten haben, aber sie wollten unsere Wildbienenkinder verspeisen.

Die erste Zelle haben sie aufgepickt, die ist aber immer leer. Jetzt habe ich das Hotel vergittert. Sieht nicht schön aus, aber es schwirren genügend fette Fliegen auf dem Balkon rum, die sie fressen können und sollen. Wir sind gespannt, ob die Bienen die Kinderstube überlebt haben und irgendwann rauskrabbeln aus dem Schilfröhrchen. Der ganze Insektenhype in Arnulfien begann übrigens mit einer Wildbiene, die letztes Jahr in einem Röhrchen im Liegestuhl nisten wollte. Bis dahin wussten wir gar nicht, dass es auch Wildbienen gibt. Und zwar rund 560 Arten in Deutschland. Die Hummeln gehören auch dazu.

Unsere erste Nisthilfe habe ich bei naturschutzcenter.de gekauft. Nicht empfehlenswert: Die Halme sind leider nicht besonders glatt abgeschnitten. An den scharfen herausstehenden Holzfasern können sich die Insekten die Flügel verletzen. Ich habe nachträglich versucht, die Eingänge so glatt wie möglich zu bekommen.

So sieht es inzwischen auf dem Sofa aus. (Fast) alle Romane mussten Büchern zum Thema Wildblumen und Insekten Platz machen.
Literatur: Blütenpflanzen und ihre Gäste von Helmut und Margit Hintermeier, und ein Band über Schmetterlinge sowie einer über Gartennützliche und -schädlinge (die gartenbauliche Perspektive)
Literatur: Insekten. Erinnerungen eines Insektenforschers von Jean-Henri Fabre, Der Hummelstaat von Bernd Heinrich und Bienendemokratie von Thomas D. Seeley
Literatur: Ameisen. Der Superorganismus von Bert Hölldobler und Edward O. Wilson

2 Kommentare zu “Wildbienenkinder

  1. Hallo Katharina,

    da du hier auch Hinweise zu Nisthilfen bspw. vom Naturschutzcenter gibst, erlaube ich mir eine möglichst kurze Zusammenfassung zu künstlichen Wildbienennisthilfen anzufügen, die ich ursprünglich für mich selbst zusammengestellt habe. Vielleicht ist sie ja für den einen oder anderen hilfreich, um Fehler zu vermeiden oder um untaugliche Nisthilfen im Handel zu umgehen.

    Was ist für Wildbienen geeignet?

    Hartholzblöcke
    Für Hartholzblöcke eignet sich Laubholz (vorzugsweise Esche, aber auch Eiche, Ahorn, Buche und Obstbäume). Das Holz sollte mehrere Jahre abgelagert und trocken sein und mit Bohrgängen quer zur Holzmaserung in das Längsholz versehen werden. Die Bohrgänge sollten eine Tiefe von 5–15 cm und Durchmesser von 2–9 mm aufweisen – die Bohrgänge müssen hinten verschlossen bleiben. Das anfallende Bohrmehl sollte aus den Gängen geklopft werden – die Holzoberfläche muss nach dem Bohren mit feinem Sandpapier geglättet werden, damit die Nesteingänge nicht durch eventuell querstehende Fasern versperrt werden und somit eine Verletzungsgefahr für die empfindlichen Flügel der Insekten besteht.

    Bambusrohr
    Bambusrohr Tonkin (Arundinaria amabilis/Pseudosasa amabilis) ist aufgrund seiner Dickwandigkeit und Haltbarkeit am geeignetsten – die Röhrchen sollten getrocknet und 10-25 cm lang sein (je länger die Röhrchen, desto mehr Brutzellen werden für Weibchen angelegt, bspw. bei den Mauerbienen). Die Hohlräume sollten markfrei und sauber sein, die Öffnungen ohne Splitter und Späne (ansonsten besteht wiederum Verletzungsgefahr für die Flügel).

    Hartpapierhülsen
    Einfacher sind imprägnierte Hartpapierhülsen mit Innendurchmessern von 4-8 mm, die von Mauerbienen, Scherenbienen, Blattschneiderbienen, Löcherbienen, Maskenbienen, Grabwespen und Lehmwespen angenommen werden. Da die Röhrchen auf beiden Seiten offen sind, muss die Rückseite entweder an einer glatten, geschlossenen Oberfläche anliegen oder mit Gips oder Ton verschlossen werden. Hartpapierhülsen können auch leicht ausgetauscht werden, falls der Parasitenbefall an der Nisthilfe Überhand nehmen sollte oder Niströhren mit abgestorbener Brut ersetzt werden sollen.

    Markhaltige Stengel
    Einige Wildbienen verwenden zum Nisten gerne abgebrochene oder abgeschnittene, markhaltige Zweige bzw. Stengel der Brombeere. Die Zweige oder Stengel sollten eine Mindeststärke von 1 cm haben und immer einzeln und senkrecht angebracht werden (im Bündel und/oder waagerecht werden sie nicht bzw. kaum angenommen).

    Strangfalzziegel
    In den Hohlräumen sogenannter Strangfalzziegel nisten Mauerbienen und verschiedene Blattschneiderbienen. Solche Ziegel können (aufgrund ihrer Länge halbiert) in einer Trockenmauer untergebracht oder einfach aufeinander gestapelt werden. Die vorhandenen Hohlräume sollten noch per Hand nachgearbeitet werden, weil bei der Herstellung der einzelnen Ziegel der noch weiche Ton an den Schnittstellen häufig zusammengedrückt wird und die Hohlräume dadurch verengt werden. Die beidseitig offenen Gänge müssen auf einer Seite mit Ton oder Gips verschlossen werden.

    Bienensteine
    Einfacher sind Nisthilfen aus gebranntem Ton, die sich für einige Hohlraumbesiedler bewähren (Mauerbienen, Scherenbienen, Blattschneiderbienen, Grabwespen, Lehmwespen). Die angebotenen Bienensteine sind aufgrund ihrer Abmessungen bezüglich der Tiefe der Nistgänge limitiert.

    Totholz
    Größere morsche Holzklötze, Balken oder dickere Äste können einzeln aufgestellt oder zu einem Stapel aufgeschichtet werden. Durch das Aufstellen von morschem, aber noch ziemlich hartem Laubholz (Weide, Pappel, Apfel, Birne) kann bspw. die Holzbiene angelockt werden.
    In Mitteleuropa sind ca. 1400 Käferarten in ihrer Lebensweise eng an Totholz gebunden, die Fraßgänge der Käferlarven stellen den natürlichen Nistraum für viele Wildbienenarten dar (Maskenbienen, Mauerbienen, Scherenbienen, Löcherbienen, Blattschneiderbienen, Grabwespen, Lehmwespen).

    Lehmwand als Steilwand
    Asbestfreie Eternit-Blumenkästen oder massive Holzkästen, die möglichst regengeschützt aufgestellt werden und von den Bienen frei anzufliegen sind, werden mindestens 15 cm hoch vollständig mit feinem Oberputz-Lehm (bspw. von der Fa. Claytec) aufgefüllt. Das Substrat muss im Anschluss langsam ohne direkte Sonneneinstrahlung getrocknet werden und sollte im getrockneten Zustand mit dem Fingernagel leicht abzuschaben sein. In das Sediment werden mehrere kurze Gänge (2-3 cm) in größeren Abständen (ca. 10 cm) mit Durchmessern von 5-8 mm per Bohrer eingebracht. Ton oder fetter Lehm sind nicht geeignet, da sie für das Graben von Nestgängen nach dem Trocknen viel zu hart sind und dementsprechend nicht angenommen werden.

    Sandstellen
    75 % aller heimischen nestbauenden Bienenarten nisten im Erdboden – für diese Exemplare kann man eine sonnenexponierte Stelle im Garten mit einer Mindestgröße von einem Quadratmeter ausheben (oder als Hochbeet anlegen) und 50–100 cm hoch mit ungewaschenem Bausand oder lehmigem Sand auffüllen. Diese Stellen sollten von Bewuchs weitestgehend freigehalten werden.

    Was ist ungeeignet?

    Bohrungen im Hirnholz bspw. bei Baumscheiben (Rissbildungen, Feuchtigkeitsaufnahme, Verpilzung), Lochziegel (allenfalls als Halter für Bambusröhrchen), nicht ausreichend getrocknetes Holz mit zu dichten Bohrungen (Rissbildungen, Feuchtigkeitsaufnahme, Verpilzung), Holz von Nadelbäumen (Verharzung, Feuchtigkeitsaufnahme), Weichholz von Pappel oder Weide (Fasern quellen bei Feuchtigkeitseintritt in die Bohrgänge), Acrylglasröhrchen (hier verpilzt die Brut aufgrund der Luftundurchlässigkeit), dürre markhaltige Stengel in waagerecht gelagerten Bündeln, Gasbetonsteine oder Ytong (Feuchtigkeitsaufnahme, Verpilzung), gequetschte Halme, Kunststoffstrohhalme (Verpilzung), Naturstrohhalme (parasitieren nach einiger Zeit durch zügig einsetzende Zersetzungsprozesse), Blechdosen als Ummantelung (werden zu stark erhitzt bei Sonneneinstrahlung).

    Ein paar grundsätzliche (und auch kritische) Hinweise:

    Man sollte nicht erwarten, mit den gängigen künstlichen Nisthilfen einen Beitrag zum Schutz der Wildbienen zu leisten. Vielen bedrohten Arten bringen die gängigen Nisthilfen nicht sonderlich viel – besiedelt werden sie in erster Linie von wenigen, eher häufigen Arten.
    Künstliche Nisthilfen können die natürlichen Nistplätze der Wildbienen nicht ersetzen – die natürlichen Habitate gilt es also in erster Linie zu schützen.

    Man vermehrt auch die Gegenspieler der Wildbienen (Parasiten, Milben) mit den künstlichen Nisthilfen – dies trifft im Besonderen für die größeren Nisthilfenanlagen zu, an denen teilweise enorme Konzentrationen von Niströhren vorzufinden sind (und die leider immer populärer werden).
    Typische Parasitoide von Wildbienen sind Schlupfwespen, viele Erzwespen, Fächerflügler, Taufliegen, Wollschweber, Raupenfliegen und einige Goldwespen.
    Daneben existieren noch Brutparasiten, die ihre Eier während der Verproviantierungsphase in die Brutzellen der Wildbienen ablegen (Kuckucksbienen, Keulenwespen).
    Abfälle vom Nestbau oder von einer Wiederbelegung, die sich an den Nisthilfen sammeln, sind ein Tummelplatz für Milben – die Abfälle sollten also regelmäßig entfernt werden. Brutröhren, die aus nicht geeignetem Material angeboten werden, verpilzen häufig.

    Auch für Vögel (Meisen, Kleiber, Spechte) sind große Ansammlungen von Niströhren sehr reizvoll – hier kann man durch Maschen- oder Kaninchendraht (Maschenweite 2,5-3 cm) oder durch senkrechte gut sichtbare Drähte (2,5-3 cm Abstände zwischen den Drähten), die mit einem Abstand von 5-10 cm zu den Niströhreneingängen vor den Nisthilfen angebracht werden, Abhilfe schaffen.

    Bei größeren Anlagen ist auch die spätere Pflege erschwert – die Pflege der Nisthilfen wird leider häufig unterschätzt (z.T. sind komplette Renovierungen nach 2-3 Jahren nötig, Belegungen müssen überprüft und aussortiert werden).
    Ein gute Kontrolle der Brutröhren lässt sich mit Wasserfarbe erreichen, die man im Herbst per Pinsel auf die Niströhrenverschlüsse aufbringt. Wenn diese farbigen Punkte im darauffolgenden Herbst immer noch da sind, dann sind die Brutröhren abgestorben und können entsorgt oder gereinigt werden. Bei sehr hohen Verlusten sollten die kompletten Nisthilfen ausgetauscht werden.

    Kleine, gut gemachte und vielfältig gefüllte Nisthilfen, die über einen Garten verteilt und mit entsprechendem Nahrungsangebot in Form von Wildpflanzen in unmittelbarer Umgebung versorgt werden, dürften sinnvoller sein als große hoch konzentrierte Anlagen.
    Generell dürfte man mit dem Anpflanzen von einheimischen Pflanzen den größten Nutzen für Wildbienen schaffen.
    Bei den Wildbienennisthilfen gelten also die Devisen: Achte auf die Materialien und die Umgebung, schaffe nur kleine Einheiten, weniger ist generell mehr.
    Bei den Nahrungspflanzen, Totholzangeboten, Sandstellen und anderen Naturmodulen kann eigentlich nur gelten: Je mehr, desto besser.

    Eigene Erfahrungen:

    An meinen Nisthilfen werden die Bambusröhrchen bisher am besten angenommen, danach folgen Hartpapierhülsen und Hartholzblöcke auf der Beliebtheitsskala. Mein Niststein aus gebranntem Ton fristet auch im 2. Jahr ein einsames Dasein – angeblich soll es 2-3 Jahre dauern, bis diese Bienensteine angenommen werden. Mal abwarten …

  2. Franziska Krebs

    Einen schönen guten Abend!

    Dank SZ.de bin ich auf Ihren Blog aufmerksam geworden und stöbere jetzt seit gut zwei Stunden in Ihren Einträgen.
    Bernd Heinrich hat mich als 18- oder 19-Jährige mit „Die Seele der Raben“ begeistert. Sein „Der Hummelstaat“ steht seit heute abend auf der Bücher-haben-wollen-Liste! Bert Hölldobler und Edward O. Wilson sind ebenso prägend gewesen. Sie haben mit ihrer Autorenaufstellung also schon mal meinen Nerv getroffen! Helmut & Margit Hintermeier sind mir dagegen noch unbekannt, stehen jetzt auch auf der genannten Liste und werden begutachtet werden.

    Mit herzlichen Grüßen und einem Danke! für diesen vergnüglichen Abend aus dem recht grünen Bonn,

    Franziska

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