Erde

1. Erde für Ansaaten

Ich säe jedes Jahr einjährige Ackerwildblumen auf dem Wilden Meter. Diese säe ich direkt in Kästen und Töpfe in torffreie Pflanzerde. Das hat mit den Substraten verschiedener Hersteller bisher immer gut funktioniert.

Es wird auch empfohlen, für die oberen Zentimeter nährstoffarme Anzuchterde zu verwenden. Das habe ich auch ausprobiert. Ich kann keinen Unterschied feststellen. Wobei bei mir nie alle Arten aus den Mischungen wachsen, sondern eben nur die, denen es gefällt. Die käuflichen Pflanzerden sind je nach Firma ja auch ganz unterschiedlich in der Zusammensetzung.

Ich habe für diese Rubrik „Tipps“ nun auch noch Brigitte Dittrich, Inhaberin der Gärtnerei Syringa, angerufen, deren Wildblumen-Saatgutmischung für Wildbienen ich jedes Jahr aussäe. Sie rät auf dem Balkon auch zur Direkt-Aussaat in torffreie Pflanzerde. Die Begründung: „In einen Blumenkasten säen Sie ja sehr dicht. Das hat mit der freien Landschaft nichts zu tun. Je mehr Pflanzen auf engem Raum stehen, desto mehr Nährstoffe brauchen sie.“ Düngen solle man aber nicht noch extra, die Nährstoffe in den vorgemischten Pflanzerden reichen. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Pflanzen nicht mehr richtig standfest sind.

Für die Beschaffung von torffreier Erde ist die BUND-Broschüre hilfreich: Torffreie Erden in Baumärkten, Gartencentern und Online-Shops. Download: BUND-Broschüre als PDF

Achtung: Ich habe auch schon direkt in Dachgarten-Substrat der Firma Ökohum gesät (siehe unter Punkt 2.2). Das hat nicht funktioniert. Die Pflanzen wurden gelb, wuchsen nicht und mussten stark gedüngt und täglich mehrmals gewässert werden. Staudengärtner Friedhelm Strickler meinte: „Die sind Ihnen verhungert.“


2. Erde für Stauden

Es gibt einfache und nicht so einfache Möglichkeiten für das Wildpflanzen-Balkongärtnern mit Stauden. Je nachdem ob man gerne selbst experimentiert und auch die Möglichkeiten dazu hat (Transport, Platz) oder ob man eine fertige Lösung aus dem Sack haben möchte. 


2.1 Torffreie Pflanzerde


Zunächst die supereinfache Lösung: torffreie Erde aus dem Gartencenter, Bio-Laden oder Blumenladen.

Nach fünf Jahren mühevollen Experimentierens mit selbstgemischter Erde (siehe Blog-Beiträge in der Kategorie „Erde“) dachte ich zuerst, ich hätte mich verhört, als Wildstaudengärtnerin Susanne Behmenburg im Frühjahr 2018 ganz lapidar zu mir sagte: „Normale torffreie Pflanzerde geht auch. Die Pflanzen magern diese Erde dann selbst ab.“ Ich persönlich habe diese Lösung auf dem Wilden Meter selbst noch nie ausprobiert.

Ich habe daraufhin noch einmal das Kapitel „Substrate“ in meiner Naturbalkon-Bibel, dem Wildpflanzen-Topfbuch von Reinhard Witt (siehe Buch-Besprechung unter „Tipps: Balkon-Gärtnern„), studiert, um eine zweite Meinung einzuholen. Und unter den vielen Informationen steht doch tatsächlich auch hier der Satz: „Die einfache Lösung vorweg: Man kauft (…) torffreie Erde.“  Wie konnte ich das überlesen bzw. vergessen? Ich weiß es nicht mehr, vielleicht weil ich „professionell“ gärtnern wollte? Wie das geht, erfahren Sie im nächsten Absatz.

Für die Beschaffung von torffreier Erde ist die BUND-Broschüre hilfreich: Torffreie Erden in Baumärkten, Gartencentern und Online-Shops. Download: BUND-Broschüre als PDF


2.2 Fertig gemischte professionelle Substrate


Reinhard Witt empfiehlt in seinem Wildpflanzen-Topfbuch als professionelle Lösung für Wildstauden auf dem Balkon eine Dach- oder Trogerde, und zwar das Intensiv-Substrat mit etwa 70 Prozent mineralischen und 30 Prozent organischen Anteilen. Die Fertigmischungen seien strukturstabiler als selbst gemischte Substrate, das heißt, sie verdichten sich nicht so stark (vgl. 4. Auflage, Seite 40).  Hier zwei Beispiele:

Vulcatec Dachgartenerde online
Tipp von zwei Bloglesern und Naturbalkongärtnern für das Pflanzen von Stauden:
Vulkaplus Intensiv 0-16 mm
Vulcatec Onlineshop

Ökohum Dach- und Trogerde intensiv
Tipp von zwei Bloglesern für das Pflanzen von Stauden. Ich hatte in das Substrat Ackerwildkräuter gesät. Das hat nicht funktioniert, dazu gibt es einige Beiträge im Blog in der Kategorie „Erde“. Aber zwei erfahrene Wildpflanzen-Topfgärtner haben mir versichert, dass es für Stauden sehr gut funktioniert. Ökohum verkauft diese Erde nicht an Enkunden, hier findet man nur die Info: Ökohum Gebäude-Begrünung Ich habe einen Shop gefunden, der nur die kleine Menge für einen Blumenkasten abfüllt und verkauft: Ökohum Dach- und Trogerde – 8 Liter

Ein anderer Tipp für eine fertig gemischte Erde kommt von Kerstin Lüchow, Gartenbau-Ingenieurin, Wildblumentopfgärtnerin mit über 20 Jahren Erfahrung und Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle des Naturgartenvereins:

Cortum Staudenerde  (Bayern und Baden-Württemberg)
Tipp einer erfahrenen Wildblumen-Topfgärtnerin: Corthum Staudenerde. Ich habe nachgefragt. Auskunft des Corthum-Regionalbüros Bayern für den Blog Wilder Meter: „An den Standorten in Bayern haben wir nur loses Material. Das heißt, Sie oder alle Privatpersonen können das Material dort mit einem Hänger oder LKW abholen oder bei Bedarf auch liefern lassen (hier kommen die jeweiligen Frachtkosten mit dazu). Sackware von corthum gibt es nur im Werk Nordschwarzwald, oder bei Fa. Holz-Kohn in Moosburg-Wang im Landkreis Freising oder in Absprache mit Frau Hagen bei der AWM in München. Bei Abnahme einer losen Menge in Bayern unter 50,00 Euro kommt eine Verwaltungsgebühr von 30,00 Euro dazu, weitere Anforderungen an eine Mindestmenge bestehen nicht. (…) Der Preis pro Tonne ab Werk beträgt durchschnittlich 20,00 Euro/to, das variiert von Werk zu Werk, da die Zuschlagsstoffe unterschiedlich sind. Alle Substrate unterliegen den FLL-Richtlinien.“ Ansprechpartnerin: Barbara Prügl, Tel. 08752 / 867367, bayern@corthum.de


2.3 Selbstgemischte Substrate


Substrate selbst zu mischen ist in der Stadt und auf dem Balkon nicht ganz einfach. Man muss die einzelnen Komponenten beschaffen, nach Hause transportieren, unter Umständen ein Stück tragen und schließlich mischen. Für alle, die das nicht abschreckt, hier ein paar Tipps. Meine Erfahrungen finden sich in den Blog-Beiträgen in der Kategorie „Erde“.

Das Wildpflanzen-Topfbuch von Reinhard Witt
In dem Buch „Das Wildpflanzen-Topfbuch. Ausdauernde Arten für Balkon, Terrasse und Garten“ von Reinhard Witt finden Sie verschiedene Erden-Rezepte zum Selbstmischen. Seine „ganz einfache Lösung für sonnige und halbschattige Standorte gleichermaßen“ lautet, jeweils zu gleichen Teilen:

  • Sand oder Kies
  • Lehm bzw. unkrautfreier Unterboden
  • unkrautfreier Kompost

Im Interview beim Balkon-Kongress 2018 hat er verraten, wo er den unkrautfreien Unterboden gratis bezieht: auf einem Friedhof in seiner Nähe. Er holt dort den Grabaushub.

Friedhelm Strickler, Inhaber der Wildpflanzen-Gärtner Strickler in Alzey, empfiehlt für Wildstauden auf dem Balkon folgendes Erden-Rezept zum Selbstmischen :

Rezept Allround-Erde für Balkonkästen der Wildpflanzen-Gärtnerei Strickler
„Mischen Sie für den Balkon eine Allround-Erde aus folgenden drei Bestandteilen im Verhältnis 1:1:1:

  • torffreie Pflanzerde oder Kompost
  • Sand
  • Blähton oder Lava.

Eigentlich bekommen Sie alle drei Bestandteile im Gartencenter als Sackware. Beim Sand geht gewaschener Sand und ungewaschener Sand. Wenn man die Wahl hat, sollte man ungewaschenen Sand nehmen, der hat noch einen gewissen Lehm/Ton-Anteil. Da halten die Nährstoffe besser.“ Weitere Tipps von Wildpflanzen-Gärtner Friedhelm Strickler finden Sie im Interview: Die wichtigsten Gärtner-Tipps für Ihren Naturbalkon

Für die Beschaffung der einzelnen Komponenten zum Selbstmischen sind die folgenden Links hilfreich.

deutschlandweit

BUND-Einkaufsführer: Torffreie Erden in Baumärkten, Gartencentern und Online-Shops
BUND-Broschüre als PDF

Münchner Raum

Abfallwirtschaftsbetrieb München
Münchner Erden

Süderde: ein Erdenwerk im Münchner Westen
www.suederde.de

Wurzer Umwelt – Erdenwerk in der Nähe von Erding
(Tipp des Naturbalkongärtners Werner David)
www.wurzer-umwelt.de